Bücher wegzuwerfen, fällt vielen schwer. Sie online oder auf Flohmärkten zu verkaufen ist mühsam, langwierig und wenig ertragreich. Aber wohin mit dem Schweden-Krimi, dem Arktis-Thriller oder der Griechenland-Romanze, wenn man sie gelesen und entscheiden hat, dass es zwar ein unterhaltsames Leseerlebnis war, aber das Werk nicht unbedingt die nächsten 40 oder 50 Jahre im eigenen Bücherschrank einstauben muss?
Genau dafür gibt es die offenen Bücherschränke. In Unterschleißheim gibt es davon drei Stück. Einer steht an der S-Bahn-Station Lohhof, vor dem Eingang zur FOSBOS, einer in der Alleestraße und einer im Gewerbegebiet, an der Ecke Ohmstraße / Siemensstraße. Sie werden vom Agenda-21-Team, der Caritas und der Stiftung Pfennigparade betreut.
Wer den Weg ins Gewerbegebiet gefunden hat, wird mit der dortigen Filiale der „Münchner Bücherkiste“ belohnt – einem geräumigen Second-Hand-Laden für Bücher zu sehr günstigen Preisen. Eine Auswahl an Kinder- und Jugendbüchern aus zweiter Hand hält zudem die Klawotte in der Bezirksstraße bereit. Im Folgenden stellen wir die Angebote im Detail vor.
Offener Bücherschrank an der FOSBOS
Den offenen Bücherschrank des Teams Agenda 21 am S-Bahnhof Lohhof gibt es schon seit 2016. Er stand zuerst neben der Terrasse der Bahnhofs-Gaststätte. 2023 setzten ihm dann die Frühjahrsstürme so zu, dass er erneuert werden musste.

Seitdem steht er auf der gegenüberliegenden Straßenseite bei der Bushaltestelle, neben dem Steg, der zur FOSBOS führt. „Mehrere ehrenamtliche Bücherschrankpaten achten sorgsam darauf, dass der Schrank und sein Inhalt sauber und die Bücher für die Allgemeinheit, vor allem auch für Kinder und Jugendliche, geeignet sind“, erklärt das Team.
Regeln sind hier, wie bei offenen Bücherschränken generell, einfach. Alle dürfen sich jederzeit Bücher herausnehmen. Ein offener Bücherschrank hat keine Schließzeiten – sollte aber zum Schutz der Bücher immer geschlossen werden. Einmal entnommene Bücher kann man nach dem Lesen wieder zurückbringen – oder wenn sie besonders gut gefallen haben, auch einmal behalten.
Außerdem kann man natürlich eigene Bücher hineinstellen, um anderen damit eine Freude zu machen. Damit das auch wirklich eine Freude ist, sollte man sich vorher kurz überlegen, ob man das Buch vielleicht sogar selbst mitnehmen würde. Alte Schulbücher, veraltete Zeitschriften, völlig zerfledderte Taschenbücher, Reiseführer aus den 1990-er Jahren, überholte Lexika oder halb ausgefüllte Malbücher gehören eher nicht dazu.
Auch wer einen Nachlass auflöst, sollte nicht unmittelbar das gesamte Bücherregal im offenen Bücherschrank deponieren. Immer wieder einmal eine Handvoll älterer Romane, Erzählungen oder Bildbände mitzubringen ist dagegen vertretbar.
Offener Bücherschrank und Bücherkiste in der Ohmstraße
Wer größere Mengen Bücher auf einmal loswerden will, ist bei der Stiftung Pfennigparade in der Ohmstraße 3 an der richtigen Adresse. Hier werden Bücher und Medien (CDs und DVDs) angenommen sortiert und bestmöglich verwertet. Die Beschäftigten hier wissen, was gefragt ist oder was wirklich niemand mehr haben will. In diesem Fall wird es dann fachgerecht entsorgt.

Aber auch, wer gute Bücher zum kleinen Preis sucht, ist hier richtig. In der Bücherkiste (Mo- bis Do von 9 bis 15 Uhr und Fr. von 9 bis 12 Uhr) stehen hohe Regale mit überwiegend aktuellen Büchern, die ab 1 Euro verkauft werden. In dem gemütlich eingerichteten Teil der Lagerhalle stehen auch ein Sofa und ein Sessel bereit, so dass man sich die Bücher vor dem Kauf in Ruhe ansehen oder auch mal kurz anlesen kann.
Die Bücherkiste in Unterschleißheim ist eine von mehreren derartigen Einrichtungen der Pfennigparade. Weitere Bücherkisten gibt es in München am Scheidplatz und in der Hanauer Straße (in der Nähe des Olympia-Einkaufszentrums).
Vor dem Eingang zur Bücherkiste in Unterschleißheim steht zudem ein offener Bücherschrank. Der wird aus dem Fundus der Bücherkiste befüllt. Schwerpunkt sind hier Kinderbücher, aber auch andere Entdeckungen kann man machen. Der Zugriff auf die bewusst niedrig angebrachten Schränkchen ist auch für Rollstuhlfahrer problemlos möglich.
Offener Bücherschrank in der Alleestraße
Der dritte offene Bücherschrank steht in der Alleestraße, vor der Hausnummer 27. Er wird vom Zuverdienstprojekt „drumherum“ der Caritas gepflegt. Er entstand ursprünglich ebenfalls als „Nebenprodukt“ der hier betriebenen Verwertung alter Bücher und Medien. Die findet hier jetzt nicht mehr statt, aber der offene Bücherschrank hat überlebt.

Er wird jetzt weitgehend durch Tausch befüllt, wird aber weiterhin von Teilnehmenden am Zuverdienstprojekt gewartet. Zu deren Aufgaben gehört es etwa, so wie bei den anderen offenen Bücherschränken auch, das Sortiment regelmäßig durchzusehen und für ein allgemein zugängliches Angebote ungeeignete Werke, etwa mit extremistischem oder Ü18-Inhalt zu entfernen.
Second-Hand-Bücherverkauf der Klawotte
Insbesondere Kinder- und Jugendbücher aus zweiter Hand gibt es zudem auch in der Klawotte Unterschleißheim. Die sind dort zwar nur ein Teil des Gesamtangebots, zu dem auch Haushaltswaren, Bekleidung und Dekoartikel gehören, füllen aber doch jeweils ein oder zwei Regale. Hier sorgt das Team aus überwiegend ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern für die Qualitätskontrolle.
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