Im Sozialausschuss der Stadt Unterschleißheim wurde am 23. Juni einstimmig beschlossen, dass das bereits an der Grundschule an der Johann-Schmid-Straße etablierte „Jim-Knopf-Modell“ an allen städtischen Grundschulen eingeführt werden soll. Dabei werden Gruppen von vier bis sechs Kindern jeweils von einer erwachsenen Person zu Fuß zur Schule begleitet.
Gleichzeitig wurde festgelegt, dass die Schülerbeförderung mit Bussen, bei der Unterschleißheim bisher mehr getan hat als gesetzlich erforderlich ist, nach den gesetzlichen Maßstäben geregelt sein soll. „Das bedeutet, dass teilweise künftig auch der Transport von Schülerinnen und Schülern mittels Schulbus entfällt, sofern der Schulweg kürzer als zwei Kilometer ist“, heißt es dazu in der Beschlussvorlage für den Stadtrat.
Überhastete Umsetzung löste Kritik aus
Kritik gab es vor allem am Fahrplan der Umsetzung. „Ab dem Schuljahr 2026/27“ schien zu kurzfristig. Die Umsetzung erfolgt über eine ehrenamtliche Koordination der erwachsenen Begleitpersonen. Die so kurz vor den Sommerferien bereits zu Beginn des Schuljahres 2026/27 im September zu gewährleisten, hielten nicht alle für realistisch.
Johanna Krichling, Stadträtin für die Grünen und Elternbeirätin, fasste die Kritik in der Diskussion im Stadtrat in einer Mitteilung zusammen. „Grundsätzlich besteht Konsens: Wir alle wollen einen ausgeglichenen Haushalt, und wir alle sehen die Vorteile von Laufbussen – für die Kinder, die Verkehrssituation und die Umwelt. Langfristig können sie Elterntaxis reduzieren.“
Das Problem sei jedoch die Vorgehensweise. „Erstens: Wer Laufbusse einfordert, ohne die Eltern vorab zu beteiligen, erweist der Sache einen Bärendienst. Das untergräbt die Akzeptanz von Anfang an. Zweitens: Die Annahme, Eltern könnten ihren Tagesablauf in wenigen Wochen umstellen, verkennt die Realität. Die Erwerbstätigkeitsquote von Eltern mit Kindern über sechs Jahren liegt bei rund 79 Prozent. Wer morgens und nachmittags je eine Stunde zusätzlich für Logistik aufwendet, verliert Arbeitszeit – im Zweifel bis zum Teilzeitantrag, für den eine Frist von drei Monaten gilt. Drittens: Laufbusse ohne mit der Polizei abgestimmte Schulwegpläne schaffen vermeidbare Risiken. Sicherheit darf kein Nachgedanke sein.“
Einführung um einige Monate verschoben
Nachdem sich der Stadtrat in seiner letzten Sitzung vor den Sommerferien nochmal mit dem Thema beschäftigt hat, soll die Einführung der „Laufbusse“ nun nach den Osterferien 2027 erfolgen. Die Laufgruppen sollen zudem von Anfang an über eine ehrenamtliche Koordinationsperson je Schule organisiert werden und Eltern soll so ausreichend Zeit zur Umstellung gegeben werden.
Das bisherige Beförderungsangebot durch die Stadtverwaltung bleibt für alle, die bereits einen Antrag für das Schuljahr gestellt haben, bis dahin bestehen. Außerdem werden die Laufwege der Kinder im Rahmen von gemeinsamen Begehungen durch Bauamt und Polizei geprüft. Zu diesen Begehungen werden die Schulen und Elternbeiräte eingeladen.
Nach Schuljahresbeginn wird mittels Elternbrief zudem der konkrete Bedarf abgefragt. Als wesentliche Zielgruppe sieht die Stadt vor allem Kinder, deren Schulweg kürzer als zwei Kilometer ist und die derzeit den Weg mit dem Bus zurücklegen. „Ziel ist aber auch, die sogenannten Elterntaxis zu reduzieren“, heißt es in der Beschlussvorlage.
Kostenlose Busnutzung und Schulwegpläne
Eltern, deren Kinder statt Laufbus den ÖPNV-Bus nutzen, können die Kosten über das freiwillige Programm der Stadt Unterschleißheim zur kostenfreien Mobilität innerhalb Unterschleißheims erstatten lassen.
Im Zuge der Diskussion kam auch die Frage nach Schulwegplänen auf. Dazu konnten in der Verwaltung keine Unterlagen gefunden werden. Deshalb hat die Verwaltung laut Bürgermeister Christoph Böck bereits Anfang des Jahres die Aufgabe erhalten, Schulwegpläne für alle Grundschulen zu erstellen. Hintergrund dafür seien die neuen verkehrsrechtlichen Möglichkeiten für Kommunen entlang von Schulwegen gewesen. Wann die umgesetzt werden, ist unklar. Die Verwaltung arbeite aber bereits daran.
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Faltblatt (PDF) des Bayerische Innenministeriums zu Laufbussen
Informationen des ADAC zum Laufbus-Konzept
Informationen des Verkehrsclub Deutschland (VCD) zum Laufbus-Konzept