In den vergangenen Jahren hat die Firma Christian Gambs Fahrzeuglackierung und Karosseriebau in der Siemensstraße sich immer wieder vergrößert und neu angebaut. Insbesondere hochwertige Fahrzeuge kamen von weit her nach Unterschleißheim, damit hier Reparaturen und vor allem Lackierungen durchgeführt werden. Das Unternehmen war einer Fachzeitschrift zufolge einer der europaweit größten eigenständigen Fahrzeuglackierbetriebe. Es hatte sich zudem mit Oldtimer-Restaurierungen weit über die Grenzen Oberbayerns hinaus einen Namen gemacht. Im Frühjahr musste es jedoch Insolvenz anmelden.
Es konnte aber zunächst weitermachen. Der Versuch, sich in Eigenverwaltung aus der Misere zu befreien, scheiterte allerdings. Ende Juli wurde die Anordnung der Eigenverwaltung aufgehoben und Rechtsanwalt Dr. Hubert Ampferl von der Münchner Kanzlei Dr. Beck & Partner zum Insolvenzverwalter bestellt. Rund 90 Beschäftigte verloren ihren Arbeitsplatz. Eine Anfrage zu einer möglichen Zukunft des Betriebs hat die Kanzlei bis Redaktionsschluss nicht beantwortet.
Das Gelände ist jetzt abgesperrt. Auch die Zufahrt zum Prüfstand des TÜV Süd ist nicht mehr möglich. Personen, deren Fahrzeug noch auf dem Gelände steht, können sich laut Aushang am Absperrgitter unter der Nummer 08443 9263 23 an die Amenda Immobilienabteilung wenden. Das Unternehmen selbst ist telefonisch nicht mehr erreichbar.
Gesamte Branche steht stark unter Druck
Dem Branchenportal Schaden.news zufolge ist die Entwicklung bei Gambs nicht isoliert zu sehen, sondern durch mehrere Veränderungen der gesamten Branche „Karosserie & Lackierung“ (K&L ) bedingt. „Die Großwetterlage im Schadenmarkt ist derzeit so ungünstig, dass offenbar immer mehr K&L-Betriebe in schweres Fahrwasser geraten“, schreibt das Portal.
Gründe seien teure Energie, steigende Preise für Verbrauchs- und Lackmaterialien, starke Lohnsteigerungen in den vergangenen Jahren sowie die Tatsache, dass ein großer Schadensteuerer – also einer derjenigen, die im Schadenfall im Auftrag der Versicherung alle notwendigen Schritte vermitteln – Anfang des Jahres niedrigere Stundensätze für die Werkstätten durchgesetzt hat.
Dazu kämen weitere negative Faktoren, die die gesamte Branche betreffen: Aufgrund der hohen Spritpreise wird weniger Auto gefahren und intelligente Fahrerassistenzsysteme halten zunehmend auch in Volumenmodellen Einzug. Dadurch gebe es weniger Schäden. Der stark gealterte Fahrzeugbestand führe zudem schon bei Blechschäden immer häufiger zu wirtschaftlichen Totalschäden. Auch dadurch fielen Reparaturen weg. Nicht zuletzt verzichteten immer mehr Verbraucher auf kleinere Reparaturen und wählten im Schadensfall die „fiktive Abrechnung“ – lassen sich also den Betrag auszahlen, statt zur Werkstatt zu gehen.
Das Reparaturvolumen und damit die Auslastung in den Betrieben gehe deshalb schon seit Monaten spürbar zurück, schreibt Schaden.news. Das Fachportal ergänzt: „Eine Situation, die gerade große Werkstätten wie Gambs Fahrzeugtechnik [ … ] extrem stark unter Druck setzt, weil sie in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen sind, in ihr Unternehmen investiert haben und deshalb fortwährend ein hohes Reparaturvolumen brauchen.“