Grüne beantragen Zustandsbericht

Wie geht´s den Bäumen in Unterschleißheim?

Teilweise verdorrte Eichen auf gelbem Rasen (Foto: Peter Marwan)
Schon auf kleinem Raum - wie hier bei den Eichen im Lohwald - zeigt sich: Bäume kommen mit Trockenheit unterschiedlich gut zurecht. Einen Anfrage soll jetzt die Grundlage für künftige, umfassender Baumpflege bei Trockenheit schaffen. (Foto: Peter Marwan)

Nach den drei Hitzewellen des Sommers 2026 hat Stadtratsmitglied Tino Schlagintweit (Bündnis90/Die Grünen) einen Bericht der Verwaltung zum Zustand des Unterschleißheimer Stadtgrüns beantragt. Bereits im Ferienausschuss hatte auf seine Anfrage hin die Verwaltung einige Defizite eingeräumt (PDF).

Eine flächendeckende Bewässerung und Kontrolle des Baumbestands sei mit dem vorhandenen Personal und Budget nicht möglich, ein Verlust an Bäumen „nicht auszuschließen“. Allerdings hatte sie kurz darauf auch von einigen kurzfristig ergriffenen Maßnahmen berichtet, etwa der Anschaffung eines neuen Wasserfasses.

Bericht als Grundlage für den Haushalt 2027

Ein im Stadtrat eingereichter Antrag soll nun weitere Klarheit schaffen. Über ihn wird Anfang Oktober im Umwelt- und Verkehrsausschuss beraten. Wird er im Stadtrat angenommen, muss die Verwaltung bis zum 31. Oktober 2026 schriftlich über Bestand, Pflege, Personal, Kosten, Fördermittel und Mehrbedarf berichten. Der Bericht soll dann als Grundlage für die Beratungen zum Haushalt 2027 dienen.

Der Beschluss des Stadtrats ist erforderlich, weil die Bayerische Gemeindeordnung einzelnen Ratsmitgliedern – anders als in anderen Bundesländern – kein ausdrückliches Auskunftsrecht einräumt. Eine umfassende, fristgebundene Berichterstattung kann nur durch Beschluss des Stadtrats auf Grundlage seines Überwachungsrechts (nach Art. 30 Abs. 3 BayGO) eingefordert werden.

Blindflug bei Baumbewässerung

In der Sitzung des Ferienausschusses hatte die Verwaltung erklärt: „Der Abwurf der Blätter ist aktuell nur ein Trockenstress, der aber keine Beurteilung über den Zustand der Vegetation zulässt. Es ist eine Momentaufnahme, in der sich die Pflanzen vor Austrocknung schützen.“ Ausfälle werde man bei den Routinekontrollen im Frühjahr feststellen und dokumentieren. Aufgrund der vorhandenen personellen Ressourcen seien die aber nicht flächendeckend möglich.

Traktor mit Wasserfass, aus dem ein Baum bewässtert wird. (Foto: Stadt Unterschleißheim)
Der Servicebetrieb der Stadt Unterschleißheim hat im Sommer 2026 bei der Bewässerung auf externe Unterstützung zurückgegriffen und seine eigene Ausrüstung ergänzt. Eine Anfrage soll jetzt klären, ob reicht, was getan wird – oder ob im nächsten Haushalt mehr Mittel vorgesehen werden müssen. (Foto: Stadt Unterschleißheim)

Bei Hitzewellen könne zudem eine flächendeckende Bewässerung „mit dem bestehenden Personal und Fuhrpark des Servicebetriebes nicht geleistet werden“, hieß es zudem aus der Verwaltung. Auch der Zugriff auf externe Firmen zur Unterstützung sei begrenzt, weil „die Kapazitäten und auch die Haushaltsmittel hierfür nicht vorhanden sind“.

Fragen sollen Mehrbedarf klären

Der von Schlagintweit für die Grünen eingebrachte Antrag umfasst sechs Fragen. Dabei geht es um die Entwicklung des Baumbestands seit 2021, das Bewässerungs- und Pflegekonzept, die Personal- und Mittelausstattung, nach den so genannten Vollkosten je Baum, wie die Baumkontrollen sichergestellt werden und welche Fördermittel genutzt werden.

„Einen künftigen Mehrbedarf infolge des Klimawandels hat der Stadtrat in seiner Sitzung vom 5.2.2026 im Prinzip bereits anerkannt“, betont Schlagintweit. Mit der Zustimmung zum Klimaanpassungskonzept des Landkreises München beschloss er damals auch einen umfangreichen Maßnahmenkatalog (PDF). Darin haben Kosten und Personalaufwand für Pflege des öffentlichen Grüns eine hohe Priorität erhalten.

„Was daraus für den Haushalt und insbesondere für die Erfordernisse des Stadtgrüns folgt, ist bislang aber nicht in Zahlen übersetzt“, stellt Schlagintweit fest. „Genau das soll der Bericht leisten. Er soll keiner Haushaltsentscheidung vorgreifen, sondern der Verwaltung die Möglichkeit geben, erstmals nachvollziehbare Zahlen zu liefern, auf deren Grundlage der Stadtrat dann über die Mittelausstattung für das städtische Grün entscheiden kann. Dazu sollen keine neuen Daten erhoben, sehr wohl aber vorhandene, etwa aus dem Baumkataster, ausgewertet werden.“

Gegen „gießen mit der Gießkanne“

Ihm und den Grünen geht es bei ihrem Antrag insbesondere um den Erhalt des Baumbestands. Der sei die wirksamste Vorsorge gegen Überhitzung: „Ein Baum, der dank guter Pflege überlebt, leistet ein Vielfaches jeder Neupflanzung. Die Verwaltung hat offen eingeräumt, dass Personal und Mittel für unsere Stadtbäume fehlen. Aber wie viel? Das soll der Bericht für die Haushaltsberatungen klären.“

Die im Haushalt der Stadt angesetzten Kosten für die Grünpflege sind seit Jahren auf demselben Niveau. Mehr Aufgaben bei gleichen Kosten – das kann nicht gut gehen. Damit im Haushalt entsprechend geplant werden kann, ist aber eine verlässliche Datengrundlage erforderlich. Und vielleicht muss auch über neue Ideen nachgedacht werden.

In der Sitzung des Ferienausschusses regte zum Beispiel SPD-Stadtrat Thomas Breitenstein an, auch die Bevölkerung einzubinden, etwa indem sie darüber informiert wird, wie sie Hilfe beim Gießen leisten kann. Außerdem regt er einen Plan zur Priorisierung der Gießmaßnahmen in Trockenperioden an.

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