Angesichts der hohen Temperaturen und der extremen Trockenheit der vergangenen Wochen hat das Bayerische Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus Mitte August darauf hingewiesen, dass Trockenheit zur Daueraufgabe wird, der man sich aber längst schon gestellt habe. Ein Aspekt sind dabei Untersuchungen der Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft und des Amtes für Waldgenetik dazu, welche Baumarten künftig besonders geeignet sind. Im Gespräch sind zum Beispiel die aus Südosteuropa stammende Baum-Hasel und die aus Marokko stammende Atlas-Zeder. Deren Herkunft deutet darauf hin, mit welchen Klimabedingungen der Freistaat künftig auch bei uns rechnet.
Was der Dürre-Monitor sagt
Laut Wald-Dürre-Monitor Bayern ist es – nach den jüngsten Regenfällen – in den wenigen Waldgebieten auf Unterschleißheimer Gemarkung derzeit „dürr“ (Stufe 8 auf der 9-stufigen Skala). Ausnahme sind die Waldflächen nördlich des Unterschleißheimer Sees, die als „trocken“ (Stufe 6) angezeigt werden.
Der Zeitraum ausreichender Wasserversorgung für Altbäume ist demnach nördlich des Sees (Stand 22.8.2026) 21 Tage, südöstlich des Sees und im Biotop an der Südlichen Ingolstädter Straße 7 bis 14 Tage. Im bereits zu Oberschleißheim gehörenden Bergl-Wald sind es je nach Standort überwiegend 7 bis 14 oder sogar nur 3 bis 7 Tage.
Was Naturschützer sagen
„Bayerns Bäume verdursten“ warnte Mitte August auch der BUND Naturschutz in Bayern. Bei extremer Hitze werde die Verdunstung über die Blätter so hoch, dass der Baum den Wasserverlust nicht mehr ausgleichen könne. „Dann schaltet er auf Sparmodus und wirft Laub ab, um Stamm und Wurzeln zu schützen.“

Der BN-Vorsitzende Martin Geilhufe hält es daher unter Umständen für sinnvoll, einzelne Bäume auch zu gießen. „Gerade Straßenbäume, junge Bäume und Bäume an stark versiegelten Standorten brauchen in Hitzeperioden zusätzlich Wasser“, so Geilhufe. Wasser sollte allerdings gezielt und sparsam eingesetzt werden. „Nicht jeder Baum braucht zusätzliches Gießen, aber dort, wo Trockenstress besonders stark ist, kann es überlebenswichtig sein.“
Alarm in der Eichenallee
Darüber, ob Gießen für die Eichen der Allee zwischen Waldfriedhof und Lohhof-Süd überlebenswichtig ist, gehen nun die Meinungen zwischen Bürgern und Stadtverwaltung auseinander. Die Diskussion spiegelt sich im Mängelmelder der Stadt wider.
Dort wies am 8. August der Nutzer „Timmi“ darauf hin, dass die Eichenallee teilweise verdorrt sei und forderte, dass sich „eine Gießmannschaft mit viel Wasser auf den Weg macht und rettet, was noch zu retten ist!“ Die Stadtverwaltung antwortete darauf, dass die Allee bereits „seit einigen Wochen“ zweimal wöchentlich durch den Servicebetrieb der Stadt gewässert werde.
Sie wies aber auch auf die Gesamtproblematik hin. „Bäume dieser Größe benötigen in etwa 200 – 300 Liter pro Tag“, heißt es dort. „Bei rund 135 Einzelbäumen würde das einem täglichen Bedarf von etwa 27.000 – 40.500 Litern entsprechen. Dies übersteigt die verfügbaren Ressourcen der Servicebetriebe erheblich.“ Die Stadt müsse mit den vorhandenen Kapazitäten arbeiten, zumal im gesamten Stadtgebiet vergleichbare Maßnahmen erforderlich sind. Die Pflegemaßnahmen würden aber „selbstverständlich so lange wie nötig fortgesetzt“.
Wie viel müsste man gießen?
Diese Antwort stellte den Nutzer „Timmi“ nicht zufrieden. Am 16. August kommentierte er erneut. Er bezweifelte, dass der Trockenstress in diesem Sommer noch „der Regel“ entspreche und in der Folge eine Erholung überhaupt möglich ist.
Die Kalkulation der Stadt zum Wasserbedarf hält er für überhöht. Zusätzliche Bewässerung sei „lediglich in dem Umfang erforderlich, wie der Bedarf durch die Bodenfeuchte nicht mehr ausreichend gedeckt werden kann.“ Aus eigenen Erfahrungen mit einem vergleichbar großem Apfelbaum schätzt er den auf 25 Liter an heißen Tagen.
Zudem misstraut er den Angaben der Stadt zu ihren Gießbemühungen. Er schreibt: „Wie an der Grasfarbe um die Eichenstämme herum erkennbar ist, wurde bei den Eichen bisher offenbar kein Versuch einer ergänzenden Bewässerung gemacht. Sonst wäre das Gras in Stammnähe etwas grüner als in der Umgebung.“
Kippunkt für viele Eichen bereits erreicht?
Nutzerin „Daggi P.“ springt ihm in den Kommentaren bei. Ihrer Ansicht nach sind die Symptome einer Vielzahl der Eichen im Gehölzzug zwischen Waldfriedhof und Lohhof-Süd „mit großer Wahrscheinlichkeit nicht mehr die physiologischen Schutzmechanismen von Gehölzen, wie sie etwas leichtfertig von der Verwaltung in ihrer Antwort beschrieben wurden.“ Es sei „bedauerlich, dass diesem etablierten Baumbestand durch die Stadt so wenig Empathie entgegengebracht wird.“

Viele der Eichen hätten einen Kipppunkt erreicht, der sie kurz- bis mittelfristig kollabieren lasse. „Sie werden nicht mehr ihren arttypischen Zuwachs und Habitus erreichen, dazu sind sie bereits zu geschädigt. Einer vollständigen Erholung steht auch entgegen, dass es heimische Arten sind, die mit Hitzestress nur unzureichend umgehen können, dass der Sommer heuer nur ein Vorbote zukünftiger Hitzeperioden in Mitteleuropa ist und dass die durchlässigen Böden in der Münchner Schotterebene eine Wasserdeponierung erschweren.“
Was die Forschung sagt
Mit „Durstrecken im Wald“ hat sich das Bayerische Landesamt für Wald und Forstwirtschaft bereits 2024 beschäftigt. Dabei wurde insbesondere das Verhalten von Buchen und Eichen untersucht. Bei der Untersuchung zeigten sich Eichen grundsätzlich widerstandsfähiger, aber auch risikofreudiger.
Sowohl Buche als auch Eiche lassen ihre Spaltöffnungen demnach auch bei abnehmender Wasserverfügbarkeit im Boden offen. Damit können sie weiterhin Wasser an die Atmosphäre abgeben und Photosynthese betreiben. Andere Baumarten (etwa Fichte und Kiefer) sind da vorsichtiger und fangen früher an, Wasser zu sparen, indem sie ihre Spaltöffnungen schließen. Das reduziert allerdings auch ihr Wachstum.
Eichen gehen hohes Risiko ein
Insbesondere Eichen gehen hier „All in“. Für Menschen ist das angenehm: Die Bäume sorgen so auch an sehr heißen Tagen für Kühle. Für die Bäume ist das aber riskant. „Solange noch Wasser im Boden verfügbar ist, können sie noch zuwachsen, riskieren zugleich aber Embolien – also einen Kollaps – des Leitungsgewebes. Diese Embolien können zu schwerwiegenden und sogar unumkehrbaren Schädigungen führen“, schreiben die Experten des LWF.
Einzelne Trockenjahre hinterließen den von ihnen zitierten Untersuchungen zufolge bei Buchen und Eichen an den meisten Waldklimastationen keine längerfristigen Spuren im Zuwachs. Die trockenen Jahre von 2018 bis 2020 führten allerdings auch bei Eichen zu reduziertem Zuwachs und einem erhöhten Blattverlust im Folgejahr. Allerdings war dieser Effekt bei Eichen schwächer ausgeprägt als bei Buchen.
„Inwieweit das eher anisohydrische Verhalten [offenlassen der Spaltöffnungen auch bei abnehmender Wasserverfügbarkeit im Boden] zu einer unumkehrbaren Schädigung der Bäume führt oder eine grundlegende Erholung möglich ist, wird derzeit in Fachkreisen diskutiert“, fassen die LWF-Experten zusammen. Spaziergängerinnen und Spaziergänger in Unterschleißheim werden hier im kommenden Jahr eigene Beobachtungen anstellen können – hoffentlich noch an allen einst gepflanzten Eichen.
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