Rezertifizierung „Fahrradfreundliche Kommune“

Unterschleißheim bleibt auf dem Radweg

Schriftzug "Fahradfreundliches Unterschleißheim" auf einem Plakataufsteller (Foto: Peter Marwan)
"Fahrradfreundliches Unterschleißheim" dürfte nach Erledigung einer kleinen Nacharbeit aller Voraussicht nach auch die nächsten sieben Jahre gelten. (Foto: Peter Marwan)

Unterschleißheim ist bereits als „Fahrradfreundliche Kommune“ zertifiziert. Dieses Siegel wird von der Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern e.V. (AGFK) vergeben. Unterschleißheim gehört zu deren Gründungsmitgliedern, aber auch die bekommen das Siegel nicht ohne etwas dafür zu tun: Alle sieben Jahre steht die Rezertifizierung an.

Bei Unterschleißheim war das jetzt der Fall. Noch gilt das Siegel, aber um sich auch weiterhin als fahrradfreundlich bezeichnen zu dürfen, musste nachgewiesen werden, dass man sich weiterhin für Fahrradfreundlichkeit engagiert. Überprüft wurde das nicht nur mit Akten, sondern am 21. Juli auch mit einer ausführlichen Radtour durch das Stadtgebiet.

Sarah Guttenberger, Geschäftsführerin des AGFK Bayern, bedankte sich danach für die gute Vorbereitung durch Bürgermeister und Stadtverwaltung – insbesondere den Mobilitätsbeauftragten – und lobte, dass Bürgermeister und einige Stadträte sich die Zeit genommen haben, die Tour mitzumachen. Das sei nicht selbstverständlich und zeige schon das Engagement.

Viel Lob für Unterschleißheims Radverkehrspolitik

Guttenberger listet anschließend eine ganze Reihe positiv aufgefallener Aspekte auf. Dazu zählte sie die umfangreiche Fortschreibung des Radverkehrskonzepts, die umfangreiche Modal-Split-Erhebung (also die Untersuchung, wie sich das Personen-Transportaufkommen auf verschiedene Verkehrsträger oder Verkehrsmittel verteilt), und den Beschluss des Stadtrats, den Anteil des Radverkehrs bis 2030 auf 29 Prozent zu erhöhen – auch wenn sie den als „ambitioniert“ bezeichnete.

Fahrrad-Service-Station am Rathaus Unterschleißheim, Gesamt- und Nahaufnahme (Fotos: Peter Marwan)
Gab Pluspunkte: Die Fahrrad-Service-Station am Rathaus (Fotos: Peter Marwan)

Aber die Rezertifizierung beruht auch auf den Anstrengungen, die unternommen werden und deren Ernsthaftigkeit – nicht nur auf den reinen Ergebnissen. Der Gedanke dahinter ist, dass ohne ambitionierte (aber mögliche) Ziele und Visionen wenig erreicht werden kann. Auch die Einführung von Fahrradstraßen (zwischen „Am Weiher“ und Unterschleißheimer See) und die dazu im Zuge der Maßnahme betriebene Aufklärung der Bevölkerung hob die Radverkehrsexpertin hervor.

Auch die kürzlich in neuer Überarbeitung vorgelegte Fahrradkarte der NordAllianz sowie grundsätzlich die Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen auch beim Thema Radverkehr hob sie positiv hervor. Pluspunkte gab es auch für die „Mobilitätspunkte“, wo neben Leih-E-Scootern seit Mai auch Leihräder bereitstehen, die neuerliche Teilnahme der Stadt  am „Stadtradeln“, die gute Zusammenarbeit mit dem örtlichen ADFC (Allgemeiner Deutscher Fahrrad Club), sowie die Fahrrad-Service-Stationen, die bei Reparaturen helfen sollen.

Positiv bewertete die Kommission unter Leitung der AGFK-Geschäftsführerin auch die Fahrrad-Abstellanlagen an den S-Bahnhöfen und betonte, dass dabei auch mehrspurige Fahrräder berücksichtigt wurden. Auch die Bemühungen, bei der Einrichtung von Baustellen mitzubedenken, wie der Radverkehr daran vorbeikommt, lobte sie. Ebenso den Appell der Stadt an die Bevölkerung, sich im Straßenverkehr fair zu verhalten, der unter anderem mit großformatigen Plakaten kommuniziert wird.

Hausaufgaben für die nächste Zertifzierungsperiode

Ins Hausaufgabenbuch schrieb Guttenberger der Stadtverwaltung die gute Evaluierung zum „Modal-Split“ wie geplant auch tatsächlich bis 2030 weiterzuführen, sowie die guten Maßnahmen aus dem Radverkehrskonzept nicht nur dort zu belassen, sondern auch entsprechend zu priorisieren und im Budget zu berücksichtigen. Daneben solle die Stadt noch einmal die Beschilderung in Bezug auf Radwege überprüfen und dabei auf der Radtour durch die Stadt angesprochene Punkte berücksichtigen und ein Kataster der vorhandenen Schilder erstellen.

Auch sollte sie besonderes Augenmerk auf bestimmte Gefahrenstellen legen. Das sind vor allem sogenannte „Dooring-Zonen“ – also Stellen, an denen der Radverkehr entlang längs zur Straße geparkten Fahrzeugen geführt wird (auf der Straße ode rdem Radweg) und es durch unachtsames Öffnen der Autotüren (sogenantes“Dooring“) zu schlimmen Unfällen kommen kann.

All das sind aber Empfehlungen, die sich schon auf die nächste Zertifikatsperiode richten. Die beginnt offiziell am 1. Januar 2027. Die Urkunden an die neu- oder rezertifizierten Kommunen werden offiziell in einer Festveranstaltung am 24.2.2027 in München verliehen.

Nachsitzen beim „Winterplan“

Damit da Unterschleißheim wieder dabei ist, gilt es jedoch eine Aufgabe bis zum 31.10.2026 zu erledigen. Ein „Winterdienstplan“ ist eine der erforderlichen Anforderungen für die Rezertifizierung. Er liegt für Unterschleißheim aktuell nicht vor und muss bis dahin aufgestellt und veröffentlicht sein.

Das sollte aber kein Problem sein. Denn im Grunde beschreibt der nur etwas, was ohnehin schon getan wird. Es muss nur verschriftlicht, dokumentiert und kommuniziert werden. Der sogenannte „Winterdienstplan“ zeigt dann, welche Radverkehrswege im Winter beim Winterdienst zuverlässig und mit Priorität berücksichtigt werden.

Den Räum- und Streudienst insgesamt bezeichnete ein ADFC-Vertreter gegenüber Ushel.news in Unterschleißheim auch auf Radwegen schon als sehr gut. Es geht bei dem Plan vor allem darum, dass Radfahrende wissen, wo vorrangig geräumt wird und so auch bei winterlichen Verhältnissen ihre Fahrten besser planen können.

Dieses Aufgabe hält Bürgermeister Christop Böck bereits kurzfristig für bewältigbar. Und angesichts all der positiven Punkte und der Gesamteinschätzung von Guttenberger, die von einem „insgesamt sehr positiven Eindruck“ sprach, sollte die Rezertifizierung an diesem unerläßlichen aber kleinen Punkt nicht scheitern.

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