Der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen hatte kürzlich zusammen mit dem Capitol Kino Lohhof ein ganz besonderes Kino-Highlight vorbereitet: Gezeigt wurde im Rahmen einer Deutschland-Premiere der von Greenpeace USA produzierte Dokumentarfilm „GasLit“.
Der Film beleuchtet die drastischen ökologischen und gesundheitlichen Folgen der US-amerikanischen Öl- und Gasindustrie. Die Umweltaktivistin und Schauspielerin Jane Fonda führt darin vom im Westen von Texas bis an die Golfküste von Texas und Louisiana – in Regionen, die unter dem Namen „Cancer Alley“ („Krebsgasse“) traurige Berühmtheit erlangt haben.
In der Region gefährden petrochemische Industrieanlagen die Gesundheit der zumeist marginalisierten Bevölkerung, zerstören jahrhundertealte Traditionen der Fischerei und heizen den Klimawandel durch massive Methan-Leckagen an.
Podiumsdiskussion nach dem Film
Im Anschluss an den Film moderierte Stadtrat Bernhard Schüssler, die Podiusmsdiskussion, zu der Lisa Badum, Bundestagsabgeordnete und klimapolitische Sprecherin der Grünen Bundestagsfraktion und Saskia Reinbeck von Greenpeace angereist waren. Sie schlugen den Bogen von den texanischen Förderstätten direkt nach Deutschland und in unsere Region und diskutierten mit dem Publikum über Auswege aus der fossilen Abhängigkeit. „Öl und Gas zerstören nicht nur unsere Umwelt, sondern auch die Demokratie“, war für alle drei der wichtigste Satz des Films.
Globale Fracking-Lügen und lokale Ausbeutung
Saskia Reinbeck ging in ihrem Statement konkret auf die umstrittenen Gasbohrungen in der Ammersee-Region ein: Das Gasvorkommen, das bei der dortigen Ausbeutung über rund 15 Jahre gefördert werden soll, würde den aktuellen Bedarf Bayerns noch nicht einmal zwei Wochen decken. Ihr klares Fazit: „Sauberes Gas ist eine dreckige Lüge.“
In diesem Zusammenhang wies sie darauf hin, dass bei solchen Projekten in Bayern präziser von heimischer Gas-Ausbeutung statt von Fracking gesprochen werden sollte, da der Begriff „Fracking“ in Deutschland strenggenommen nur bei unkonventionellen Lagerstätten (wie Schiefergestein) verwendet wird und andernfalls zu Missverständnissen führen kann.
Lisa Badum ergänzte mit Blick auf offizielle Zahlen des Bundeswirtschaftsministeriums, dass selbst bei maximaler Ausschöpfung aller denkbaren Potenziale in ganz Deutschland das Gas lediglich für wenige Monate reichen würde. Dennoch reise die Politik zu Förderkonferenzen in die USA, anstatt konsequent auf Erneuerbare zu setzen.
Auch die Sorgen vor Ort wurden intensiv beleuchtet: Aktivisten aus Reichling berichteten von konkreten Gefahren für das Trinkwasser und den Schutz der Region. Bernhard Schüssler betonte hierzu, dass Klimaschutz immer auch ein Menschenrechtskampf sei, da Umweltzerstörung gezielt dort stattfinde, wo Menschen wenig Geld haben oder marginalisiert werden.
Kommunale Wärme und gesellschaftlicher Zusammenhalt
Doch der Abend bot nicht nur Grund zur Sorge, sondern zeigte konkrete Handlungsoptionen auf – im Großen wie im Kleinen. Während Badum forderte, die Übergewinne fossiler Konzerne abzuschöpfen und klimaschädliche Subventionen zu streichen, stand die kommunale Ebene im Fokus praktischer Umsetzung.
Schüssler zog eine positive Bilanz für Unterschleißheim: Auch durch den Einsatz der Grünen Stadtratsfraktion und kommunale Förderprogramme sei die kommunale Wärmeplanung inzwischen fertiggestellt. Bürgerinnen und Bürger können sich gezielt über Quartierswärmepumpen oder den Anschluss an die Geothermie, die in Unterschleißheim seit über 25 Jahren erfolgreich genutzt wird, informieren und beraten lassen.
Saskia Reinbeck rief dazu auf, die Energiewende als demokratisches Gemeinschaftsprojekt zu begreifen: „Die Zivilgesellschaft ist gefragt, etwas zu tun. Die Energiewende ist etwas Demokratisches.“
Zum Abschluss rief Schüssler dazu auf, sich vom übermächtigen Eindruck globaler Krisen nicht entmutigen zu lassen, sondern sich lokal zu vernetzen – etwa beim kreativen und bunten Widerstand gegen die Bohrpläne in Reichling.
Text: Bündnis 90/Die Grünen in Unterschleißheim / bearbeitet durch Ushel.news