Am 9. Mai um 20 Uhr rückte die Feuerwehr zu einem Großbrand in die Franz-Lehner-Straße aus. Im Gewerbegebiet an der B13 stieg trotz der zahlreich herbeigeeilten Einsatzfahrzeuge, 155 Feuerwehrdienstleistenden, Polizei, Rettungsdienst und Sondereinheiten wie dem ABC-Zug des Landkreises München bald eine weithin sichtbar Rauchsäule auf.
Deshalb wurde über die Warn-Apps Katwarn und NINA und über den Warnkanal des Landkreises München auf WhatsApp informiert. Die Schadstoffmessungen im Umkreis waren laut Landratsamt negativ. Daher wurden die Warnungen gegen 22 Uhr wieder aufgehoben.
Die Anwohner, die sich schon seit Jahren im „Aktionsbündnis Lohhof-Süd gegen Gestank und Krach“ organisiert haben, sind damit nicht einverstanden. „Die Dimension dieses Vorfalls kann nicht verharmlost werden“, erklären sie in einem offenen Brief an Landrat Christoph Göbel. Ihrer Ansicht nach hätten mindestens zwei frühere Brandereignisse auf dem Gelände bereits „Anlass geben müssen, die Sicherheitslage des Betriebs grundlegend neu zu bewerten.“ Deshalb fordern sie jetzt die sofortige Stilllegung des Unternehmens und den Entzug der Betriebserlaubnis am Standort Unterschleißheim.
Täglich rund 30 Brände bei Entsorgern
Ushel.news hat bei dem von den Forderungen betroffenen Unternehmen BTU Hartmeier angefragt. In seiner Stellungnahme erklärt das Unternehmen, dass Brände trotz aller Vorkehrungen und Bemühungen leider nie ganz ausgeschlossen und verhindert werden könnten. Dies sei nicht nur bei Entsorgungsunternehmen, sondern generell so. Gerade im Recyclingbereich werde aber in der Regel der Schwarze Peter auf die Entsorgungsanlagen verlagert, obwohl in den meisten Fällen mit Mischabfällen entsorgte Batterien die Ursache seien.
Das ist keine Ausrede. Die Branchenverbände BDE (Bundesverband der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Kreislaufwirtschaft) und BVSE (Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung haben etwa im Sommer 2025 einen Runden Tisch mit dem Bundesumweltminister, der Bundeswirtschaftsministerin und den Länderumweltministerien gefordert. Dessen Ziel sollte es sein „wirksamere regulatorische Maßnahmen gegen Batteriebrände zu erarbeiten“. Den Verbänden zufolge ereignen sich in Deutschland täglich „rund 30 Brände in Entsorgungsanlagen und Sammelfahrzeugen durch falsch entsorgte Batterien und Akkus“.
Anfang 2026 sprang der Deutsche Städtetag der Entsorgungswirtschaft zur Seite. Nötig seien wirksame Maßnahmen, die das Problem an der Quelle bekämpfen. Christian Schuchardt, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, sagte damals in der „Rheinischen Post“: „Täglich lösen alte und defekte Batterien und Akkus Brände auf städtischen Recyclinghöfen oder in Müllfahrzeugen aus. Die Ursachen sind einfach: In immer mehr Gegenständen sind Kleinstbatterien verbaut und immer häufiger landen Akkus und Batterien im Hausmüll.“
Brände auf Recyclinghöfen oder in Müllfahrzeugen gefährdeten nicht nur Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und Abfallanlagen, Fahrzeuge und Mülltonnen würden beschädigt und zerstört. Auf Dauer werde damit die Entsorgungssicherheit aufs Spiel gesetzt, warnt Schuchardt, denn die Versicherungsprämien für die Betriebe schnellten in die Höhe oder Anlagen seien gar nicht mehr versicherbar.
Die Städte forderten im Januar vom Bund daher, „das Problem endlich wirksam an der Quelle zu bekämpfen“. Als Vorbild nannten sie Frankreich und Belgien, wo beispielweise Einweg-E-Zigaretten verboten wurden. „Deutschland hat diese Chance mit dem unlängst beschlossenen Gesetz für Elektroaltgeräte leider vertan. Deshalb muss der Bund jetzt mit wirksamen Regelungen nachbessern“, forderte der Städtetag.
Entschuldigung und Entlastung
„Dass dies hier passiert ist, tut uns sehr leid und für die aufgetretenen Unannehmlichkeiten möchten wir uns ausdrücklich entschuldigen“, erklärt ein Sprecher von BTU Hartmeier gegenüber Ushel.news. „Aber daraus Forderungen nach Betriebseinstellungen oder ähnliches abzuleiten, sofern kein Verschulden des Entsorgungsunternehmens vorliegt, ist schon sehr weit hergeholt und liegt sicher nicht im Sinne der Entsorgungswirtschaft, da die Gefahr ja unter anderem durch die falsch entsorgten Stoffe mittlerweile ja generell oft zu Schadensfällen bei Betrieben führt, welche die notwendigen Aufbereitungen übernehmen.“
Im aktuellen Fall handle es sich „nach dem derzeitigen Ermittlungsstand“ um eine Selbstentzündung einer Restmüllbox. „Nach Abstimmung mit den Einsatzkräften und den Behörden konnte der Betrieb bereits am darauffolgenden Montag wieder aufgenommen werden, da nur ein Teilbereich des Blechdaches beschädigt wurde“, heißt es vom Unternehmen weiter.
Derzeit habe man die internen Kontrollmaßnahmen „nochmals verschärft“. Zudem setze man auf ein zweistufiges Brandabwehrsystem mit Brandfrüherkennung und Brandbekämpfung. Das befinde sich „bereits in der Umsetzungs- bzw. Bauphase“.
Auch weitere Vorwürfe der Regelübertretung will BTU Hartmeier so nicht stehen lassen. „Über die entsprechenden Anpassungen/Planungen sowie notwendigen Änderungen von Vorgaben befinden wir uns im stetigen Kontakt mit den Behörden, auch unterliegen wir strengen und regelmäßigen Kontrollen. Daher sind auch bereits mehrere überdachte und eingehauste Bunkeranlagen errichtet worden um dem gerecht zu werden, entsprechende IED-Anlagenprüfungen [Prüfungen nach der Industrieemissionsrichtlinie – Anmerkung der Red.] ergeben auch keine Mängel“.
Zerrüttetes Verhältnis
Die Beziehung zwischen Anwohnern in Lohhof-Süd und umliegenden Entsorgungsbetrieben – auch dem östlich der B13 – sind und bleiben dennoch angespannt. Der jüngste Brand hat die Situation nicht verbessert. Aber die Anwohner bemängeln ja nicht nur Katstrophenfälle, sondern auch aus ihrer Sicht untragbare Störungen und Belästigungen im Normalbetrieb. Dazu haben Anwälte schon mehrere Aktenordner gefüllt. Verbesserungen waren aus Sicht der Anwohner bisher nur marginal.
Die betroffenen Firmen betonen dagegen, dass sie Auflagen einhalten und bei Überprüfungen keine wesentlichen Mängel beanstandet wurden. Durch die geplanten Neubauten in Lohhof-Süd wird sich die Lage wahrscheinlich nicht entspannen. Aber vielleicht kann jeder von uns ein kleiens bisschen dazu beitragen, diem Lage wenigstens nicht zu verschärfen, indem Batterien und Akkus korrekt entsorgt werden.