Mitgliederversammlung des Aktionsbündnisses Lohhof-Süd blickt auf eine konfliktreiche Geschichte zurück

Zehn Jahre Kampf gegen Gestank, Staub und Großbrände

Bild vom Brand am 28.12.2019. (Foto: Aktionsbündnis Lohhof-Süd)
Bild vom Brand am 28.12.2019. (Foto: Aktionsbündnis Lohhof-Süd)

Es war kurz nach zwei Uhr nachts, als Ende Dezember 2019 über Garching-Hochbrück und Lohhof-Süd plötzlich eine dichte schwarze Rauchsäule aufstieg. In der Recyclinganlage RM Recycling war eine Lagerhalle in Brand geraten. Innerhalb kürzester Zeit fraßen sich die Flammen durch Teile der Anlage, Hallenteile stürzten ein, und mehr als 330 Feuerwehrkräfte aus zahlreichen Gemeinden rückten an. Stundenlang hing schwarzer Rauch über dem Gebiet. Bewohner von Lohhof-Süd standen an Fenstern und auf Balkonen, beobachteten Blaulicht und Rauchwolken – und stellten sich dieselbe Frage: Was genau gelangt da gerade in die Luft?

Die Behörden gaben damals Entwarnung und erklärten, für die Bevölkerung bestehe keine akute Gefahr. Luftmessungen hätten keine kritischen Werte ergeben. Doch für viele Anwohner war das nicht das Ende der Geschichte. Die Geruchsbelastung blieb spürbar, und im Aktionsbündnis Lohhof-Süd gegen Gestank und Krach war man überzeugt, dass der Brand eine Entwicklung bestätigte, vor der man seit Jahren gewarnt hatte. Das Ereignis wurde dort später als „Unglück mit Ansage“ bezeichnet.

Und sie blieb nicht das einzige Ereignis. Am 14. August 2025 und erneut am 9. Mai 2026 kam es wieder zu Großbränden im Bereich der Entsorgungsbetriebe. Wieder standen Rauchwolken über dem Gebiet. Wieder entstand die Frage, welche Schadstoffe möglicherweise freigesetzt wurden und welche gesundheitlichen Auswirkungen drohen könnten.

Diese Sorge prägt seit inzwischen zehn Jahren die Arbeit eines Vereins, der ursprünglich aus einer Bürgerinitiative hervorging: das Aktionsbündnis Lohhof-Süd gegen Gestank und Krach e.V.

Aus Sorge wird Engagement

Das Jahr 2016 markierte den Beginn. Anwohner von Lohhof-Süd hatten zunehmend den Eindruck, dass die Belastungen aus dem benachbarten Gewerbegebiet ein Ausmaß erreichten, das nicht mehr hinnehmbar war:

  • Geruchsbelästigungen
  • Staubentwicklung
  • Lärm
  • zunehmender Schwerlastverkehr
  • Sorgen über Umwelt- und Gesundheitsfolgen

Was zunächst als Unmut einzelner Bewohner begann, entwickelte sich rasch zu organisiertem Widerstand. Heute zählt der Verein nach eigenen Angaben rund 90 Mitglieder.

Der Vorsitzende: Dr. Eckhard Kirchner

Prägend für die Arbeit des Vereins ist sein Vorsitzender Dr. Eckhard Kirchner. Der Internist und Diabetologe zählt zu den Mitbegründern des Zentrums für Innere Medizin am Rathausplatz in Unterschleißheim. Darüber hinaus war Kirchner über drei Jahrzehnte Mitglied des Stadtrats und galt dort als ausgewiesener Umweltfachmann und war Umweltreferent.

Der frühere Bürgermeister Rolf Zeitler beschrieb ihn als jemanden, der sich über viele Jahre intensiv für Umwelt- und Ortsbildfragen eingesetzt habe. Für sein Wirken erhielt Kirchner zahlreiche Auszeichnungen, darunter die Bürgermedaille der Stadt Unterschleißheim.

Auf der Mitgliederversammlung blickte Dr. Kirchner ausführlich auf die Entwicklung des Vereins zurück. Aktuell beschäftigt das Aktionsbündnis insbesondere die geplante Errichtung eines Parkhauses entlang der Staatsstraße.

Der Kampf gegen die Ausweitung der Gewerbeflächen

Die Konflikte beschränkten sich nie allein auf Geruch oder Lärm. Ein zentrales Thema entwickelte sich ab 2018 im Bereich Hartwiesen. Damals entstand Widerstand gegen Pläne zur Erweiterung von Gewerbeflächen, für die erhebliche Waldflächen hätten beseitigt werden müssen.

Der Vorstand des Aktionsbündnisses analysierte umfangreiche Unterlagen und kam zu dem Schluss, dass wichtige Informationen in den Entscheidungsgrundlagen fehlten. Innerhalb kurzer Zeit schlossen sich 446 Bürger den Einwendungen des Vereins an.

Die Kritik umfasste unter anderem:

  • Verlust von mehr als 23.000 Quadratmetern Wald
  • Eingriffe in bestehende Grünflächen
  • Belastungen durch Verkehr
  • zusätzliche Lärmentwicklung
  • Auswirkungen auf geschützte Bereiche

Der Konflikt entwickelte sich zu einem der größten kommunalpolitischen Streitthemen der vergangenen Jahre.

Der juristische Weg

Der Verein beschränkte sich nicht auf öffentliche Kritik. 2018 stellte das Aktionsbündnis gemeinsam mit der Anwaltskanzlei Baumann einen Antrag auf sofortige Betriebseinstellung und Stilllegung der zentralen Abfallbehandlungsanlage der Garching-Hochbrück-Vermögensverwaltung GmbH (GHV).

Grundlage war ein Gutachten eines Umwelttechnikbüros. Darin wurde unter anderem festgestellt:

  • Teilbereiche seien nicht ausreichend genehmigt
  • Anlagen entsprächen teilweise nicht dem aktuellen Stand der Technik
  • Staubgrenzwerte würden zum Teil deutlich überschritten
  • gefährliche Materialien würden unzureichend behandelt

Im Gutachten heißt es unter anderem, die Anlage entspreche „in vielerlei Hinsicht nicht dem Stand der Technik“.

Das Aktionsbündnis äußerte damals erhebliche Sorgen hinsichtlich möglicher Gesundheitsbelastungen.

Großbrände und die Angst vor unsichtbaren Folgen

Der Brand von RM Recycling Ende 2019 blieb nicht das einzige Ereignis, das die Bewohner von Lohhof-Süd erschütterte.

Am 9. Mai 2026 kam es erneut zu einem Großbrand – diesmal auf dem Gelände eines Entsorgungsbetriebs der Firma BTU Hartmeier im Gewerbegebiet Hartwiesen, wie schon im August 2025. Gegen 20:02 Uhr wurde zunächst eine Rauchentwicklung gemeldet. Die Situation eskalierte rasch; die Alarmstufe wurde auf B5 erhöht, die höchste Kategorie. Insgesamt waren 155 Einsatzkräfte im Einsatz. Die Bevölkerung wurde per Warn-App aufgefordert, Fenster und Türen geschlossen zu halten.

Nach Angaben von Anwohnern zog sich eine dichte Rauchwolke bis in die Nacht hinein über Lohhof-Süd. Bewohner berichteten über starken Kunststoffgeruch, Atembeschwerden, Kopfschmerzen und Übelkeit. Das Aktionsbündnis sieht sich durch die Ereignisse in seinen Warnungen bestätigt und fordert ein entschiedeneres Vorgehen der Behörden. Ushel.news berichtete.

Für viele Anwohner geht es dabei nicht allein um das Feuer selbst. Es geht um die Unsicherheit danach: Welche Stoffe befanden sich im Rauch? Welche Belastungen könnten zurückbleiben? Und welche Auswirkungen könnten möglicherweise erst Jahre später sichtbar werden?

BTU Hartmeier bleibt im Fokus

Auf der Mitgliederversammlung wurde deutlich, dass der Verein seine Aktivitäten fortsetzen wird. Insbesondere gegenüber dem Unternehmen BTU Hartmeier will man weiterhin aktiv bleiben.

Immer wieder waren Staubbelastungen und die Auswirkungen des Betriebs Gegenstand von Beschwerden. Nach Einschätzung des Vereins seien viele Fragen weiterhin offen. Das Unternehmen selbst bedauerte den jüngsten Brand, entschuldigte sich, betonte aber auch erneut, dass man sich an Regeln und Auflagen halte.

Zehn Jahre später: Ein Konflikt ohne Ende?

Als sich das Aktionsbündnis 2016 gründete, hatten vermutlich nur wenige erwartet, dass daraus ein zehnjähriges Engagement werden würde. Inzwischen ist aus einer kleinen Bürgerinitiative eine feste Größe im kommunalpolitischen Leben geworden.

Und obwohl die Mitgliederversammlung selbst vergleichsweise ruhig verlief, wurde eines deutlich: Der Verein betrachtet seine Aufgabe noch lange nicht als abgeschlossen. Zu viele Fragen sind weiterhin ungeklärt, zu viele Sorgen geblieben. Und zu viele Rauchwolken seien in den vergangenen Jahren über Lohhof-Süd aufgestiegen.

Ein Jubiläum ohne Feierlaune

Am 19. Mai 2026 trafen sich ca. 25 Mitglieder (von inzwischen etwa 90) des Vereins zur ordentlichen Mitgliederversammlung in der Parkgaststätte. Die Tagesordnung selbst war unspektakulär: Vorstandsbericht, Kassenbericht, Entlastung des Vorstands und Wahl eines Kassenprüfers.

Doch hinter den formalen Punkten verbarg sich eine Geschichte, die inzwischen ein ganzes Jahrzehnt umfasst – und die eng mit Umweltfragen, kommunaler Planung und der Lebensqualität eines ganzen Stadtteils verbunden ist.

Die inhaltlichen Diskussionen machten jedoch deutlich, dass der Verein seine Arbeit nicht als abgeschlossen betrachtet. Dr. Kirchner kündigte an, sich unter anderem mit einem Schreiben an Bürgermeister Christoph Böck gegen aktuelle Planungen für ein Parkhaus entlang der Staatsstraße einzusetzen. Zugleich wurde deutlich, dass der Verein auch sein Vorgehen gegen BTU Hartmeier fortsetzen will.

Nach zehn Jahren Vereinsgeschichte entsteht deshalb ein Eindruck, der über die eigentliche Mitgliederversammlung hinausgeht: Für die Mitglieder war der Abend weniger ein Jubiläum als eine Zwischenbilanz. Die Geschichte des Aktionsbündnisses, so scheint es, ist noch lange nicht zu Ende.

[Durch ein Versehen des Autors wurde dieser Beitrag erst heute veröffentlicht, statt Ende Mai 2026. Wir bitten dies zu entschuldigen.]

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