Der Wahlzettel für Unterschleißheim ist soeben eine Spalte breiter geworden. Erstmals tritt darauf auch „Die Linke“ mit einer vollständigen Stadtratsliste an. Deren Motto ist „Unterschleißheim für alle! Menschlich. Gerecht. Lebenswert.“ Ziel ist es einer Mitteilung zufolge „eine klare Stimme für linke, soziale und solidarische Politik zu etablieren.“
Im Gespräch mit Ushel.news fügte Spitzenkandidat Alexander Kieslich hinzu, dass man sich bei einem Wahlerfolg auch als „deutliche antifaschistische Stimme im Stadtrat sehe“ – eine Rolle, die seiner Meinung nach viele Stadträte aktuell nicht so ausfüllen, wie es wünschenswert wäre.
Kieslich hat bereits kommunalpolitischer Erfahrung. Er war insgesamt sieben Jahre Mitglied im Unterschleißheimer Stadtrat. Hinein gelangte er zuerst als Nachrücker, dann wurde er einmal wiedergewählt. In der Zeit war er unter anderem auch im Bau-, Umwelt und Haushaltsausschuss. Inzwischen hat er die SPD verlassen – aufgrund zunehmender „inhaltlicher Differenzierung“, wie er sagt. Es folgte eine eher unpolitische Zeit. Seit Anfang 2025 engagiert er sich politisch wieder als Mitglied bei „Die Linke“.
Weltrettung in Unterschleißheim anfangen
Da ist er derzeit Ortssprecher. Viele Strukturen werden gerade erst aufgebaut. Im Gegensatz zur Großstadt München sind die „auf dem Land“ (zu dem in dem Fall auch Unterschleißheim zählt), noch nicht sehr ausgeprägt. Das sieht Kieslich aber auch als Chance für Menschen, die sich engagieren wollen. Und er betont: Seit dem Austritt von Sahra Wagenknecht habe sich die Partei sehr gewandelt. Das neue Profil habe ihn angesprochen.

Er selbst ist zur Bundestagswahl 2025 wieder politisch aktiver geworden. Antrieb waren da unter anderem Aussagen von Kommunal- und Landespolitikern, die seinen Überzeugungen zuwider liefen. Dau gehörten etwa Aussagen von SPD-Seite zur Flüchtlingspolitik und Aussagen von Seiten der Grünen zur Verteidigungspolitik.
„Wenn ich daran denke, bekomme ich heute noch Gänsehaut“, sagt der überzeugte Pazifist. Gewalt ist keine Demokratie mehr und hat nichts mit Politik zu tun“, stellt er in Bezug auf aktuelle Diskussionen fest. „Früher wollte ich die Welt retten“, blickt er auf seine SPD-Zeiten zurück. „Jetzt bin ich realistischer und frage mich: Was kann ich zur Rettung der Welt auf lokaler Ebene beitragen?“
Kieslich hat zwar die meiste lokalpolitische Erfahrung, er möchte aber nicht als Patriarch der Ortsgruppe gesehen werden. Deshalb will er eigentlich nicht über sich, sondern über die gesamte Liste sprechen. Auf der kandidiert an Platz 2 die 18-jährige Lili Schultz, der insbesondere die Anliegen junger Menschen am Herzen liegen. Ein gemeinsamer Ort für alle, bezahlbarer Wohnraum und der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zählen zu ihren zentralen Themen.
Kandidatinnen und Kandidaten der Liste „Die Linke“
Christian Werle, selbst Rollstuhlfahrer, setzt sich für Inklusion und ein barrierefreies Unterschleißheim ein. Melanie Oberpeilsteiner, die in Unterschleißheim aufgewachsen ist, möchte ihre Kinder in einer Stadt großziehen, die lebenswert und offen für alle ist.
Der Software-Spezialist Raphael Yeşilçay sieht sich als „konsequent antifaschistische Stimme im Stadtrat“. Und mit Heike Kieslich, steht eine weitere, fest im Ort verwurzelte Unterschleißheimerin auf der Liste, die sich als „starke Stimme für Frauen“ positioniert.
Zudem wollen Wilhelm Babernits, Caro Lense, Thomas Kieslich, Christiane Radermacher, Nino Wagensonner und Ümit Yeşilçay mit ihrem Engagement „eine solidarische und soziale Politik in Unterschleißheim“ unterstützen.
Schwerpunkte der Liste „Die Linke“ in Unterschleißheim
Inhaltliche Schwerpunkte setzt die Liste unter anderem bei den Themen bezahlbares Wohnen und sozial gerechter Stadtentwicklung. Erreicht werden könnte das ihrer Meinung nach durch die Ausweitung des kommunalen Wohnungsbauprogramms, den konsequenten Ausbau der sozialgerechten Bodennutzung (SoBoN) sowie die Bereitstellung von Brachflächen für genossenschaftliches Wohnen. „Die Spekulation mit Grund und Boden muss beendet werden, denn die stark steigenden Mieten im Münchner Raum – und zunehmend auch in Unterschleißheim – werden für immer mehr Menschen zur Armutsfalle“, kommentiert Kieslich.
Ein weiteres Anliegen ist kostenfreie Bildung und Kinderbetreuung, die soziale Entlastung von Familien, Seniorinnen und Senioren sowie von Menschen mit niedrigen Einkommen. Denkbar wäre etwa eine nach Einkommen gestaffelte Beteiligung an den Kindergartenkosten – statte einem dem derzeit bevorzugten Modelle eines weitgehend einheitlichen Tarifs für alle. Ebenfalls Handlungsbedarf sieht er bei den „versteckten Kosten“ der Bildung. Dazu gehören etwa „Kopiergeld“ in Schulen oder Kosten für Ausflüge. Für manche seien diese Beträge völlig unerheblich, andere hätten daran aber durchaus zu schlucken. Sozial gerecht sei das nicht.
Entschieden gegen populistische Kräfte
Noch steht das Wahlprogramm aber nicht im Detail fest. Es entwickelte sich noch – jetzt, nachdem die Liste steht und jede Person darauf „ihre“ Themen forciert bearbeitet. Man wolle da keine Vorgaben von oben machen, sondern Ideen von unten aufgreifen – die dann diskutiert, ausgearbeitet und hoffentlich umgesetzt werden.
Zum Antritt teilt dies Liste aber die grobe Richtung mit, unter der ihr Wahlkampf stehen wird: „Entschieden wenden wir uns gegen populistische Kräfte, die nach altbekannten Mustern die Spaltung unserer Gesellschaft vorantreiben: indem sie Menschen, die gerade noch über die Runden kommen, gegen jene ausspielen, die bereits in Armut leben, indem sie sozial Schwache – darunter Geringverdienende, Rentnerinnen und Rentner, Kinder und Kranke – für die Krise des Sozialsystems verantwortlich machen und indem sie Ängste vor Migration schüren und Ausgrenzung gesellschaftsfähig machen.
„Populismus dient stets dazu, von den tatsächlichen Ursachen sozialer Krisen abzulenken und deren Profiteure aus der Verantwortung zu entlassen. Das lehrt uns die Geschichte“, sagt Kieslich. „Um unsere Stadt wirklich voranzubringen, braucht es eine Politik, die sich sachlich, kompetent und gelassen mit den Sorgen und Nöten der Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger auseinandersetzt. Miteinander und Solidarität statt Spaltung und Ausgrenzung – dafür steht unsere Politik.“
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