Vor interessierten Bürger:innen im Festsaal des Rathauses, sowie an den Bildschirmen zu Hause hat die Stadt Unterschleißheim am 21. April ihre diesjährige Bürgerversammlung abgehalten. Im Mittelpunkt standen der Jahresbericht von Bürgermeister Christoph Böck, aktuelle Entwicklungen in Sicherheit und Finanzen sowie zahlreiche Zukunftsprojekte.
Auch Uwe Dörnhöfer, der neue Leiter der Polizeiinspektion 48 in Oberschleißheim, die auch für Unterschleißheim zuständig ist, präsentierte seinen Bericht für 2025. Annette Ganssmüller-Maluche, stellvertretende Landrätin, steuerte ein Grußwort aus dem Landratsamt bei.
Der Bürgermeister eilte zunächst durch die aktuelle Themen und Entwicklungen in 2025. Er begann mit den Kommunalwahlen und bedankte sich bei den Bürger:innen für seine Wiederwahl in eine dritte Amtszeit.
Bürgerbeteiligung und Engagement im Fokus
Mit dem Bürgerbudget 2026 stellt die Stadt 100.000 Euro für Ideen aus der Bevölkerung bereit. Bürgerinnen und Bürger können ihre Vorschläge noch bis 3. Mai einreichen und damit aktiv an der Gestaltung ihrer Stadt mitwirken.
Ein Beispiel für erfolgreiche Beteiligung aus dem Jahr 2024 ist die Sanierung der Kegelbahn im Bürgerhaus. Sie kann nach umfangreichen Modernisierungen seit Anfang 2026 wieder genutzt werden.
Positive Entwicklung bei Sicherheit und Ordnung
Ein zentrales Thema war die Sicherheitslage in der Stadt. Polizeioberrat Uwe Dörnhöfer berichtete von einer insgesamt positiven Entwicklung: Die Zahl der Einsätze, Straftaten und Verkehrsunfälle (insbesondere Verkehrsunfällen mit Verletzten) ist rückläufig. Besonders erfreulich sei, dass sich auch langfristig ein sinkender Trend bei Straftaten abzeichne. Dennoch warnte die Polizei vor einer Zunahme bei Betrugsmaschen wie dem Enkeltrick, Schockanrufen oder falschen Polizeibeamten.
Stabile Finanzen und hohe Investitionen
Finanziell steht die Stadt solide da. Für das Jahr 2026 plant Unterschleißheim Einnahmen von rund 92,8 Millionen Euro aus Steuern und Abgaben, wobei die Gewerbesteuer mit 50 Millionen Euro den größten Anteil ausmacht. Gleichzeitig investiert die Stadt massiv in ihre Zukunft: Rund 52 Millionen Euro fließen in Projekte wie den Neubau der Michael-Ende-Grundschule oder die Stadtentwicklung.
Trotz dieser Investitionen bleibt die Verschuldung mit rund 878 Euro pro Einwohner vergleichsweise moderat und liegt unter dem Durchschnitt vergleichbarer Kommunen.
Große Bauprojekte prägen die Zukunft
Ein Schwerpunkt der Versammlung lag auf den zahlreichen Bauprojekten. Besonders hervorzuheben ist der Neubau der Michael-Ende-Grundschule, der bis 2027 fertiggestellt werden soll und Platz für rund 500 Kinder bietet.
Auch die Erweiterung des Carl-Orff-Gymnasiums sowie das große Stadtentwicklungsprojekt „Neue Stadtmitte“ mit rund 300 Wohnungen und umfangreicher Infrastruktur wurden vorgestellt. In Lohhof-Süd entsteht zudem ein modernes Quartier mit Mehrgenerationenwohnen, Pflegeeinrichtungen und neuen Wohnformen.
Mobilität und Klimaschutz im Wandel
In den Bereichen Mobilität und Umwelt setzt die Stadt ebenfalls neue Impulse. Mehr als 40 E-Scooter-Sammelplätze wurden eingerichtet, und ein neues Bikesharing-Angebot startet im Frühjahr 2026.
Im Klimaschutz setzt Unterschleißheim weiterhin stark auf Geothermie. Bereits rund 170.000 Tonnen CO₂ konnten eingespart werden, langfristig soll ein Großteil der Wärmeversorgung klimaneutral erfolgen.
Lebendige Stadtgemeinschaft
Neben Zahlen und Projekten wurde auch das gesellschaftliche Leben in den Blick genommen. Veranstaltungen wie das 73. Lohhofer Volksfest (21. bis 31. Mai) und das ZAMMA-Festival im Juli sollen das Gemeinschaftsgefühl stärken und die Stadt zur Bühne für Kultur, Sport und Begegnung machen.
Herausforderungen bleiben bestehen
Auch kritische Themen wurden angesprochen. Dazu zählen die Vermüllung öffentlicher Räume, die begrenzte Entwicklung bei E-Ladesäulen, sowie Fragen der Verkehrssicherheit. Die Stadt kündigte an, diese Themen weiterhin aktiv zu verfolgen.
Viele Fragen und eine lebendige Diskussion
Die Bürger:innen – in Präsenz oder Online – hatten zudem zahlreiche Fragen und Anregungen zu Themen wie Verkehr & Sicherheit, kommunale Verkehrsüberwachung, Fahrradwegen, Tempo 30-Zonen, der Parkplatzsituation in verschiedenen Wohngebieten oder den Einkaufsmöglichkeiten im geplanten Mehrgenerationenwohnen in Lohhof-Süd.
Ein Thema war auch die hohe Kreisumlage, also der Teil der Einnahmen der Stadt, die direkt an die Kreiskasse abgeführt werden muss. Der Bürgermeister will sich in Zukunft (er ist ja auch als Kreisrat wiedergewählt worden) stärker um die Finanzen des Landkreises kümmern. Die stellvertretende Landrätin Annette Ganssmüller-Maluche meinte zu diesem Thema, dass Einsparmöglichkeiten des Landkreises minimal sind, da der überwiegende Teil des Budgets für Pflichtaufgaben ausgegeben werde.
Ein weiteres Thema waren die Entsorgungskosten der belasteten Böden, die bei dem Abräumen der Fläche für das Mehrgenerationenwohnen gefunden wurden. Die Übernahme der Kosten, und das werden vermutlich mehrere Millionen, sind unausweichlich, um das Projekt zu realisieren.
Konzept für mehr Bäume in der Bezirksstraße
Ein Bürger hielt ein flammendes Plädoyer für mehr Nachpflanzungen von Bäumen, unter anderem auf der Bezirksstraße. Der Bürgermeister stimmte dem grundsätzlich zu, räumte aber ein, dass dort wenig Platz dafür sei. Er teilte bei der Gelegenheit mit, dass aktuell ein Konzept erarbeitet wird, wie die Situation mit Parkraum einerseits und Möglichkeiten der Verschattung durch Baumbepflanzungen andererseits verbessert werden kann.
Weiter ging es um eine Sitzbank an der Boule-Bahn im Rolf-Zeitler-Park, Rücknahmestellen für Geräte mit Akkus, die Verkehrssituation in Lohhof-Süd, nach Fertigstellung des Bauprojektes in Lohhof-Süd. Viele große und kleine Probleme kamen zur Sprache. Nicht auf alle Probleme hatte der Bürgermeister eine unmittelbare Antwort, bei zahlreichen Themen versprach er, dass die Verwaltung sich damit beschäftigen wird oder dass sie bereits in Bearbeitung sind.
Dank und Ausblick
Zum Abschluss der Versammlung dankte Bürgermeister Böck den zahlreichen Ehrenamtlichen, Einsatzkräften und Beschäftigten, die das Leben in Unterschleißheim prägen.
Die Bürgerversammlung zeigte deutlich: Unterschleißheim befindet sich auf einem guten Weg – mit stabilen Finanzen, wachsender Infrastruktur und einer engagierten Bürgerschaft. Aber es gibt noch viel zu tun. So zum Beispiel bei Natur- und Klimaschutz, bei bezahlbarem Wohnen und bei den Möglichkeiten für Jugendliche konsumfreie, frei zugängliche Räume für Begegnung, Freizeitgestaltung und kreative Entfaltung nutzen zu können – um nur einige Beispiele zu nennen. Bürgermeister, Stadtrat und Verwaltung wird es in den kommenden Jahren sicher nicht langweilig.
Die Präsentation der Bürgerversammlung findet sich hier.
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