„Also wohin mit der Jugend?“ – mit dieser zugespitzten Frage haben Johannes Rohleder und Bernhard Schüßler von Bündnis 90/Die Grünen in Unterschleißheim eine breite Debatte angestoßen. Sie zeichnen in einer Mitteilung ein Bild, das viele Jugendliche wiedererkennen dürften: Öffentliche Plätze sind konfliktbeladen, in Grünanlagen sind sie unerwünscht und selbst am See wird ihnen schnell Fehlverhalten unterstellt. Übrig bleiben oft „die örtliche Fastfoodkette oder das verlassene Parkhaus“ als informelle Treffpunkte.
Aus Gesprächen mit Jugendlichen – etwa am Rewe-Supermarkt – leiten die Grünen eine klare Forderung ab: Es brauche frei zugängliche Räume, die unabhängig von Konsum, Öffnungszeiten und pädagogischer Aufsicht funktionieren. Besonders betonen sie den Wunsch nach Selbstverwaltung: Räume, die Jugendliche „in Eigenregie nutzen, verwalten, vermieten und betreiben“. Damit setzen sie bewusst einen starken Akzent auf Vertrauen und Eigenverantwortung.
Jugendparlament bestätigt Bedarf
Diese Perspektive wird vom Jugendparlament ausdrücklich unterstützt. In einer Stellungnahme des JuPa-Vorsitzenden Emilio Emiliano heißt es: „Räume für Jugendliche sind keine ‚Nice-to-have‘-Angebote, sondern eine grundlegende Voraussetzung für Persönlichkeitsentwicklung“. Besonders kritisiert wird, dass bestehende Treffpunkte häufig an Konsum gebunden sind oder nicht genügend Offenheit bieten. Dadurch würden gerade jene ausgeschlossen, die sich solche Angebote nicht leisten können oder bewusst meiden.
Die Forderungen des Jugendparlaments decken sich in weiten Teilen mit den Vorschlägen der Grünen: ein zentraler, gut erreichbarer Ort, niedrigschwelliger Zugang ohne Konsumzwang, vielfältige Nutzungsmöglichkeiten und vor allem Mitgestaltung durch Jugendliche selbst.
Breiter Konsens im Stadtrat
Auch die Reaktionen aus den anderen Fraktionen zeigen: Der grundsätzliche Bedarf wird parteiübergreifend anerkannt. Sina Fateminejad (SPD, stellvertender Jugendreferent und ehemaliger Vorsitzender des Jugendparlaments) verweist zwar auf das bereits „vielfältige Angebot“ in Vereinen und Einrichtungen, räumt aber ein: „Gleichzeitig sehen wir Bedarf an mehr selbstverwalteten Räumen.“
Ähnlich argumentiert die CSU. Sara Steinbach spricht von einem „Wunsch seit langer Zeit“ nach einem „wetterunabhängigen Rückzugsort, der ohne Konsumnotwendigkeit“ existiert.
Am deutlichsten formuliert es Alexander Kieslich (Die Linke): Es fehlten bislang „konsumfreie, unbeaufsichtigte und kostenlose Aufenthaltsräume“. Damit unterstützt er zentrale Punkte der Grünen und des Jugendparlaments. Dass ihm der Punkt ein wichtiges Anliegen ist, hatte er bereits im Interview mit Ushel.news zu seiner Kandidatur als Bürgermeister erklärt. Damals forderte Kieslich mehr Unterstützung der Stadt für bestehende, gute Angebote in Vereinen und Gleis 1, betonte aber auch: „Kinder und Jugendliche brauchen aber auch unbeobachteten, unkontrollierten Freiraum.“
Einigkeit besteht zudem darin, dass solche Räume mehr leisten können als bloße Freizeitgestaltung. Sie gelten als Orte des Lernens, der Selbstorganisation und der gesellschaftlichen Teilhabe. Die Grünen sprechen von einem „gelebten Beispiel für Jugendbeteiligung“, die CSU von „Eigenverantwortung“, die SPD von einem „wichtigen Lernfeld“.
Unterschiede im Detail: Vorsicht, Struktur oder klare Umsetzung
Trotz inhaltlicher Nähe zeigen sich Unterschiede bei der Umsetzung. Die SPD blickt stärker auf frühere Erfahrungen. Der Treffpunkt am Weiher habe gezeigt, dass solche Projekte „keine Selbstläufer sind“ – Lärmbeschwerden und mangelnde Nutzung hätten das Konzept scheitern lassen. Entsprechend vorsichtig ist der Ansatz: Zunächst sollen Modelle gesammelt, Ziele definiert und Prozesse begleitet werden.
Die CSU legt den Fokus stärker auf konkrete Rahmenbedingungen. Für sie ist der Standort „entscheidend für den Erfolg“. Sie bringt städtische Immobilien oder Schrebergärten ins Spiel und sieht die Stadt in der Rolle des „Ermöglichers“, der Infrastruktur bereitstellt und rechtliche Fragen klärt. Gleichzeitig betont sie die Notwendigkeit klarer Regeln.
Die Linke setzt hingegen stärker auf strukturelle Beteiligung und soziale Gerechtigkeit. Sie schlägt einen „Initiativkreis Jugendtreff“ vor und fordert, finanzielle Mittel gezielt nach Bedarf zu verteilen. Zudem hebt sie hervor, dass Sicherheit nicht durch Verdrängung, sondern durch Unterstützung gewährleistet werden sollte.
Die Grünen wiederum setzen mit ihrer Initiative auf Vertrauen in die Jugendlichen selbst. Ihr Ansatz ist weniger von Vorsicht oder Vorgabe von Struktur geprägt, sondern von der Überzeugung, dass junge Menschen Verantwortung übernehmen können – wenn man ihnen den Raum dafür gibt.
Die zentrale Rolle der Jugendlichen
Ein Punkt verbindet jedoch alle Positionen: Ohne Beteiligung der Jugendlichen wird es nicht funktionieren. Das Jugendparlament soll dabei eine Schlüsselrolle spielen – als Sprachrohr, Organisator und Partner der Stadt. Auch das Gremium selbst fordert ausdrücklich „Mitgestaltung durch Jugendliche“ .
Fazit
Die Debatte um selbstverwaltete Jugendräume in Unterschleißheim zeigt ein selten klares Bild: Der politische Konsens ist breit, der Bedarf unbestritten. Der Impuls der Grünen hat eine Diskussion angestoßen, die durch das Jugendparlament bestätigt und von anderen Fraktionen aufgegriffen wird.
Die Unterschiede liegen weniger im „Ob“ als im „Wie“. Zwischen vorsichtiger Planung, strukturierten Rahmenbedingungen und mutigem Vertrauen in die Jugend gilt es nun, einen Weg zu finden. Entscheidend wird sein, ob aus der Einigkeit konkrete Räume entstehen – Orte, an denen Jugendliche nicht geduldet, sondern ausdrücklich willkommen sind.