Drei Wochen lang lagen vielerorts die Gelege des Rebhuhns – des „Vogels des Jahres 2026“ gut versteckt in ungemähten Feldrainen und Altgrasstreifen. Jetzt schlüpfen die ersten Küken und verlassen das Nest. Ob sie die ersten Lebenswochen überstehen, hängt vor allem von zwei Faktoren ab: ausreichend Insekten als Nahrung und strukturreiche Lebensräume, die Versteckmöglichkeiten bieten. Zum Schutz des Rebhuhns kann aber jeder Einzelne einen Beitrag leisten.
„Wer die sommerlichen Tage jetzt nutzt, um in der Feldflur spazieren zu gehen, sollte unbedingt auf den Wegen bleiben, keine Abkürzungen über Brachen nehmen und Hunde an der Leine halten“, sagt Angelika Nelson, Vogelexpertin beim Landesbund für Vogel- und Naturschutz in Bayern (LBV). „So werden die Rebhühner und ihr Nachwuchs nicht gestört.“
Bodengelege mit bis zu 24 Eiern
Zwischen Mitte April und Juli legt das Rebhuhn-Weibchen seine Eier ab. In Altgrasstreifen, an Feldrändern oder auf Brachen ist das Gelege mit bis zu 24 Eiern gut versteckt. Werden Randstrukturen gemäht oder finden Feldarbeiten während der Brutzeit statt, werden die perfekt getarnten Gelege allerdings oft übersehen und unbemerkt zerstört.

Auch freilaufende Hunde, die abseits der Wege stöbern, können brütende Vögel oder frisch geschlüpfte Küken aufscheuchen und so den Nachwuchs gefährden. Die Jungvögel sind zwar Nestflüchter und verlassen direkt nach dem Schlüpfen das Nest, können aber noch nicht fliegen. Das macht sie besonders schutzbedürftig. Deshalb sollten Hunde jetzt nur an der Leine durch die Feldflur geführt werden.
Lebensraum und Speiseplan
Strukturreiche Feldfluren mit hohen und niedrigen Bereichen und ausreichend ungemähten Rückzugsräumen sind deshalb entscheidend für eine erfolgreiche Brut. „Kommunen können Weg- und Feldränder mindestens bis zum Herbst ungemäht lassen. Landwirtinnen und Landwirte helfen dem Rebhuhn, indem sie Altgrasstreifen und Blühbrachen erhalten und somit Rückzugsräume und Nahrungsquelle schaffen“, erklärt Nelson.
Wenn eine Mahd unerlässlich ist und Brutvorkommen bekannt sind, sollten Bewirtschaftende mit schweren Maschinen besondere Vorsicht walten lassen und Nachtarbeit möglichst vermeiden.
In den ersten Lebenswochen besteht der Speiseplan der jungen Rebhühner fast ausschließlich aus Insekten. „Ohne Insekten gibt es keine Rebhühner. Finden die Küken nicht genügend Nahrung, haben sie kaum eine Chance zu überleben“, sagt die Biologin. „Weniger Pestizide, mehr Brachen, Blühstreifen und strukturreiche Feldränder helfen dem Rebhuhn und vielen anderen Arten von Feldlerche und Goldammer bis hin zu Feldhasen und Wildbienen“, weiß sie.