In einer kürzlich veröffentlichten Studie zur Daseinsvorsorge in Deutschland landete Unterschleißheim auf Rang 1.116 (von rund 11.000 Gemeinden). Ob das gut oder schlecht ist, ist schwer zu sagen. Vielsagend ist aber die Platzierung in den einzelnen Kategorein. Während Unterschleißheim bei Bildung, Mobilität und Digitalisierung punkten konnte, zog die Kategorie „Freizeit“ (Rang 6.531) die Bewertung deutlich nach unten.
Denn das bedeutet: In deutlich über der Hälfte Deutschlands ist mehr los, als in Unterschleißheim. Zumindest in der Wahrnehmung der Befragten und nach Auswertung der von den Studienautoren herangezogenen Quellen.

Die Jugendlichen, die sich an der Umfrage und Abstimmung im Vorfeld und schließlich an dem Diskussionsabend mit Stadträtinnen und Stadträten, Vertreterinnen und Vertretern der Stadtverwaltung und aus der Jugendarbeit sowie Bürgermeister Christoph Böck beteiligt haben, sehen das ähnlich.
Ein Großteil ihrer Wünsche, Anregungen und Kritik dreht sich um Freizeitangebote. Die Anregungen fallen mehr oder weniger realistisch aus. „Jährliches Open-Air-Kino“ (das findet dieses Jahr am 4. Juli erstmals im Hans-Bayer-Stadion statt) klingt durchaus machbar, „legale See-Partys mit DJ“ wären zumindest vorstellbar und „Pop-Stars nach USH holen“ liegt wahrscheinlich außerhalb der Möglichkeiten der Stadt – je nachdem, ab wann jemand den „Star“-Status hat.
Besser lernen in Unterschleißheim
Aber den Jugendlichen geht es nicht nur um Freizeit. Nach der aktuellen Hitzewelle erstaunt es nicht, dass der Wunsch nach Ventilatoren und Klimaanlagen für Schulen, mehr Beschattung für Schulhöfe und Parks und oder nach mehr und besser verteilten Wasserspendern geäußert wurde.
Aber auch Müll, insbesondere Kippen, stören und sollten den Diskussionsbeiträgen zufolge durch mehr Kippensammelbehälter bekämpft werden. Eigeninitiative in dem Bereich zeigt der Vorschlag, eine Müllsammelaktion mit den Schulen zu organisieren, bei der alle Jugendlichen mitmachen. Das Vorurteil von der Spaß-Generation widerlegt der mehrfach geäußerte Wunsch nach Räumlichkeiten, in denen man selbstbestimmt und unabhängig in Ruhe lernen kann.
Gelände für Mountainbiker
Ein größeres Projekt wäre der mehrfach angesprochene Wunsch nach einem Gelände für Mountainbiker, konkret einem Dirtpark und einem Pumptrack, also einem Parcours aus Erdhügeln und Rampen. Den könnten sich die Jugendlichen in der Nähe des Skateparks südlich vom Aquariush vorstellen und wären dafür auch bereit, selbst mit anzupacken.

Ob das vorgeschlagene Gelände, das direkt an die Wohnbebauung in Lohhof-Süd grenzt, überhaupt für so ein Vorhaben genutzt werden darf und ob insbesondere angesichts der gewünschten Möglichkeit, dort auch Musik spielen zu können, Konflikte mit den Anwohnern nicht vorprogrammiert wären, muss noch beraten werden. Aber der Vorschlag zeigt, dass viele Ideen nicht einfach aus der Luft gegriffen, sondern schon lange gewälzt und diskutiert wurden.
Das trifft auch auf den Wunsch nach einem zusätzlichen Jugendtreffpunkt zu. Da ist die Bandbreite groß. Von längeren Öffnungszeiten für das Gleis 1 über ein zusätzliches Gebäude, eine Hütte oder einen Stellwagen bis zu einem offenen, lediglich überdachten Raum reichten die Vorschläge.
Auch da wurde Bereitschaft zum Anpacken bei Aufbau und dem dauerhaften Betrieb signalisiert. Dass der bestehende Skatepark der „Rolling Wheels“ die Funktion als Treffpunkt aus Sicht der Jugendlichen nicht erfüllen kann, liegt an den aus ihrer Sicht ungünstigen Öffnungszeiten und den Eintrittskosten.
Manche Angebote zu wenig bekannt
Bei der Zusammenfassung der Diskussion kam aber auch heraus, dass manches einfach nur ein Kommunikationsproblem ist. Das bedeutet nicht automatsch, dass keine zusätzlichen Angebote geschaffen werden sollten. Es bedeutet aber, dass bestehende Angebote ud Möglichlkeiten zu wenig bekannt sind. So gibt es zum Beispiel im Gleis 1 einen „Seminarraum“, der zum konzentrierten Lernen genutzt werden kann. Und der Wunsch, Ferienlager der Stadt anzubieten, ist mit dem Jugendaustausch mit den Partnerstädten zumindest in Teilen auch schon aufgegriffen – wobei mehr natürlich immer vorstellbar ist.
Anderes ist zwar noch nicht im gewünschten oder erforderlichen Umfang vorhanden, aber bereits in Vorbereitung. Dazu gehören etwa Trinkwasserbrunnen und die ebenfalls angeregten Blühwiesen für Insekten. Neue kamen zuletzt im Rolf-Zeitler-Park und auf dem Spielplatz an der alten Hauptstraße („Siemensspielplatz“) dazu.
Auch zur Verbesserung der Kommunikation kamen Vorschläge von den Jugendlichen. Sie können sich etwa einen eigenen Informationskanal der Schulen zu Veranstaltungen für Jugendliche in Unterschleißheim vorstellen, damit die nicht in der restlichen Informationsflut untergehen. Und um die Angebote der Vereine, die oft als zu geschlossen und nur wenig zugänglich empfunden werden, besser bekannt zu machen, könnten Jugendliche, die zum Beispiel einen Sport intensiv und erfolgreich ausüben, den in den Schulen vorstellen – in einer Art „Schüler werben Schüler“-Aktion, lautete ein Vorschlag.
Für Bürgermeister Christoph Böck war die Aktion „ein wirklich guter Auftakt“. Jetzt sollen die gesammelten Ideen aber auch die Kritik im Jugendbeirat und im Jugendparlament beraten werden. Welche davon letztlich umgesetzt werden, ließ er offen. Manches liegt auch nur bedingt im Einflussbereioch der Stadt, hier kann sie nur als Vermittler wirken. Insgesamt versprühte die Veranstaltung aber durchaus Aufbruchsstimmung.
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