Auf einer Informationsveranstaltung haben die Stadt Unterschleißheim und der Investor S&P Commercial Development am Montag im Rathaus vorgestellt, wie die Zukunft des Esso-Grundstücks“, also der Bezirksstraße 4 und 6, das heute ein Schotterparkplatz ist, aussehen könnte. Der provisorische Entwurf basiert auf einigen grundlegenden Vorgaben der Stadt, die das Grundstück jetzt nach eine Stadtratsbeschluss nicht mehr selbst bebauen, sondern verkaufen möchte.
In welche Richtung diese Vorgaben gehen, wurde nach eingehenden Beratungen, Studien und Überlegungen schon 2018 mit einer Bebauungsplanänderung beschlossen: Einzelhandel und eventuell Gastronomie im Erdgeschoss, Wohnen in den Obergeschossen. Hinzu kam jetzt noch eine Anforderung in Bezug auf die Stellplätze.

Gründe für den Abschied vom eigenen Gebäude sind einerseits die Finanzlage, andererseits andere, größere Projekte wie Lohhof-Süd, die sich inzwischen ergeben haben. Und ein wenig spielt vielleicht auch die Einsicht eine Rolle, dass das gut gelegene Grundstück zur Projektionsfläche vieler Träume und Wünsche wurde, die sich aber bei näherer Betrachtung nicht erfüllen lassen – zumindest nicht wirtschaftlich. So zumindest die Sicht der Mehrheit im Stadtrat und des Bürgermeisters.
Schwerer Abschied von vielen Träumen
Andere meinen, dass sich durchaus noch in Eigeninitiative bauen ließe, wenn man nur wirklich wolle. Stadtrat Alexander Kieslich zum Beispiel könnte sich ein Genossenschaftsmodell vorstellen. Das wurde zumindest mit der Baugenossenschaft München-Land auch geprüft, aber der sein der verfügbare Platz zu klein. Stadtrat Stefan Krimmer (CSU) dagegen sieht den Entwurf durchweg positiv. Auf seinem Facebook-Profil schrieb er: „Wir haben aus meiner Sicht einen sehr guten Partner und ein solides Konzept mit sinnvoller städtebaulicher Entwicklung.“
Auch andere trauern ihrem Herzensprojekt für die Bezirksstraße noch nach – ändern wird sich aber an der Beschlusslage nicht mehr viel. Immerhin wurde im April 2026 bereits der Verkauf des Grundstücks vom Stadtrat beschlossen.
In der Informationsveranstaltung im Rathaus ging es daher vor allem darum, den Investor vorzustellen, den Anwohner die Gelegenheit zu geben, mit ihm ins Gespräch zu kommen, und dem Investor und dem Stadtrat die Gelegenheit zu geben, die Wünsche, Vorschläge, Ideen und auch die Kritik noch vor der Sommerpause einzusammeln – um sie dann danach direkt verarbeiten zu können. Denn weitgehend einig ist man sich darin, dass nun bald etwas geschehen soll – auch, um die Bezirksstraße noch vor dem Bau der „Neue Mitte“ am Rathausplatz aufzuwerten, damit sie mit dem dort entstehenden neuen Zentrum wettbewerbsfähig bleibt.
Das Konzept des Investors
Das vorgelegte Konzept sieht einen Einzelhandel (der Biomarkt „Denns“ aus der Bezirksstraße 7 möchte dahin umziehen) im Erdgeschoss und ein Café im Außenbereich vor. Darüber sind 42 barrierefreie Wohnungen geplant. Tiefgarage und öffentliche Stellplätze sind ebenfalls vorgesehen.

Die Verkaufsfläche im Erdgeschoss wäre etwa 660 Quadratmeter groß. Der ins Gebäude integrierte Anlieferungsbereich soll die Belastung für Anwohner reduzieren. Für den Einzelhandel sind 18 oberirdische Stellplätze vorgesehen, auf der Seite zur Buchenstraße sollen zehn öffentliche Stellplätze entstehen.
Die Wohnungen sind als vollmöblierte 1-Zimmer-Wohnungen konzipiert. Das ist generell keine besonders günstige Form von Wohnraum. Inwieweit genau diese Wohnform gebraucht wird, ist schwer zu entscheiden. Man darf davon ausgehen, dass der Investor einen Bedarf sieht. Ein begrünter Dachgarten für die Bewohner auf der straßenabgewandten Seite ist ebenfalls vorgesehen.
Dachbegrünung, Photovoltaik und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe sollen dem vom Investor betonten Nachhaltigkeitsgedanken Rechnung tragen. Dazu gehören zudem auch eine Dachbegrünung und sogenannte Retentionsdächer – also begrünte Dachflächen mit darunterliegendem Wasserauffangraum, die Niederschlagswasser zu einem gewissen Grad erst einmal aufnehmen und dann später langsam wieder abgeben. Die Bestandsbäume sollen erhalten werden.
Feedback, Kritik und Vorschläge
In der an die Vorstellung anschließenden Diskussion kamen von Seiten der Bevölkerung und der Anwohner mehrere Punkte zu Sprache. Zum einen wurde das Gebäude mehrfach als zu hoch (wenigstens ein Stockwerk zu hoch) sowie als zu wuchtig und zu „großstädtisch“ empfunden. Damit und mit der Dachform und den angedachten Fensterformen wirke es als Fremdkörper in der Bezirksstraße beziehungsweise entfalte eine „Bunkeroptik“.
Insbesondere die unmittelbaren Anwohner zeigten sich zudem skeptisch, ob das Konzept mit der im Gebäude integrierten Anlieferung funktioniert. Und es wurden Bedenken hinsichtlich der Privatsphäre der direkt dahinter liegenden kleineren Häuser mit Garten geäußert.
Mehrfach kam zudem die Frage auf, warum ob statt der Wärmpumpe nicht der Anschluss an das Geothermie-Netz besser wäre, beziehungsweise wurde eine Grundwasserwärmepumpe statt einer Luft-Wasser-Wärmepumpe vorgeschlagen.
Auch die Frage nach Balkonen und etwas grünerer Fassade kam auf – durch Pflanzkübel vor den Fenstern oder eine Fassadenbegrünung. Wenn es Balkone gäbe, sollten die für Balkonkraftwerke geeignet sein. Nicht zuletzt stellte sich die Frage, warum bei 42 Wohneinheiten nur 30 Tiefgaragenstellplätze vorgesehen sind.
Auch insgesamt wurde die Frage nach Stellplätzen mehrfach aufgeworfen und diskutiert. Offenbar hat man sich in der Umgebung an das Provisorium Parkplatz als Dauerzustand gewöhnt und möchte die Bequemlichkeit jetzt nicht mehr missen. Denn das Grundstück wird längst nicht nur von Besuchern der Restaurants oder Geschäften der Bezirksstraße genutzt, wie jeder feststellen kann, der dort nach deren Schließung vorbeigeht.
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