Nach dem Brand am 9. Mai bei der Firma BTU Hartmeier in der Franz-Lehner-Straße in Unterschleißheim fordert das „Aktionsbündnis Lohhof-Süd gegen Gestank und Krach e.V.“ in einem offenen Brief an Landrat Christoph Göbel die sofortige Stilllegung des Unternehmens und den Entzug der Betriebserlaubnis am Standort Unterschleißheim.
Dias Aktionsbündnis liegt mit der Firma seit Jahren im Streit und hat immer wieder Vorwürfe erhoben und Vorfälle dokumentiert. Das Unternehmen hat im Lauf der Jahre auch einige Auflagen erhalten und die auch umgesetzt – ob in ausreichendem Umfang, bezweifeln die Anwohner aber.
Der neuerliche Großbrand hat das Fass aber jetzt auf Seiten der Anwohner zum Überlaufen gebracht. „Die Dimension dieses Vorfalls kann nicht verharmlost werden“, erklären sie in einem offenen Brief an Landrat Christoph Göbel.
Zwar haben die Schadstoffmessungen des Münchner ABC-Zuges laut Kreisbranddirektion keine Schwellwerte überschritten. Die Nachbarn berichten aber „von einem beißenden, süßlich penetranten Geruch nach verbranntem Kunststoff, von Atembeschwerden, Kopfschmerzen, Übelkeit und Schwindel sowie der Unmöglichkeit, sich im Freien aufzuhalten. Selbst bei dauerhaft geschlossenen Türen und Fenstern war der Gestank in den Häusern deutlich wahrnehmbar. Wohngebiete, Balkone, Gärten und Spielplätze waren über Stunden dieser Belastung ausgesetzt.“
Aktonsbündnis erwartet entschlossenes Handeln
Ihrer Ansicht nach hätten mindestens zwei frühere Brandereignisse auf dem Gelände bereits „Anlass geben müssen, die Sicherheitslage des Betriebs grundlegend neu zu bewerten.“ Die Risiken des Betriebs seien seit Langem bekannt. Jetzt stelle sich „unausweichlich die Frage, warum erst ein Großbrand mit Katastrophenwarnung eintreten muss, bevor ernsthaft gehandelt wird.“
Die Bürgerinitiative fordert den Landrat auf, „der Firma BTU Hartmeier mit sofortiger Wirkung die Betriebserlaubnis für diesen Standort zu entziehen, den Betrieb bis zur vollständigen Klärung aller Sicherheits- und Umweltfragen stillzulegen, sämtliche bisherigen Kontrollen und behördlichen Entscheidungen offenzulegen, die Einhaltung aller immissionsschutzrechtlichen Auflagen umfassend zu überprüfen, sowie die Bevölkerung transparent über mögliche gesundheitliche Belastungen zu informieren.

Man erwarte jetzt entschlossenes Handeln; „nicht weitere verharmlosende Beschwichtigungen, Verzögerungen oder formelhafte Prüfankündigungen“, bringen die Anwohner ihren Unmut mit früheren Reaktionen des Landratsamtes auf den Punkt.
Aktuell erklärt das Unternehmen auf seiner Webseite, dass aufgrund des Brandes ein kompletter Aufnahmestopp verhängt sei. Die Brandursache wird derzeit noch vom Kommissariat 13 des Polizeipräsidiums München untersucht. Der Großbrand wirft auch die Frage auf, wie attraktiv das geplante neue Wohngebiet Lohhof-Süd nur knapp 300 Meter nördlich des Betriebsgeländes ist.