Seit Montag riecht es in der Unterführung an der S-Bahn Lohhof nach Farbe. – was beser ist also der dort sonst herrsdchende Geruch. Die Handläufe sind abgeklebt, es wird gepinselt und gesprüht – alles ganz legal. Denn hier werden jetzt Bilder umgesetzt, die im Vorfeld mit einer Historikerin ausgesucht und gestaltet wurden.
Wieder mit dabei ist auch Justus Körtgen, der bereits an der Gestaltung des S-Bahn-Halts Unterschleißheim und den Bildern neben der Rampe und im neu geschaffenen Zugang an der S-Bahn-Station Lohhof beteiligt war. Aufgrund der nahegelegen FOS/BOS dominierten da mit einem Augenzwinkern umgesetzte Motive zum Schul- und Schülerleben.
Die aktuelle Aufgabe ist ernster. Die zusätzlichen Bilder greifen Motive auf, die im Zusammenhang mit der Flachsröste Lohhof stehen, wo während des Zweiten Weltkriegs unter härtesten Bedingungen und zahlreichen Schikanen zunächst französische Kriegsgefangene und belgische Zivilarbeiterinnen, später dann Jüdinnen und Juden aus München sowie dem Ghetto Litzmannstadt und schließlich Zwangsarbeiterinnen aus der Sowjetunion und vermutlich auch aus Polen arbeiteten.

Die ersten Bilder zeichnen sich bereits ab. Sie deuten auf eine Mischung aus eher zeichnerischen Gemälden und „traditionellem“ Graffiti hin. Die neu gestalteten Wände an den Rampen ergänzen so den „Weg der Erinnerung“, der vom Denkmal am Bahnhof über die Südliche Ingolstädter Straße, durch die Bahnunterführung, die Nördliche Ingolstädter Straße sowie die Carl-von-Linde-Straße bis zum „virtuellen Lernort“ an der Ecke zur Johann-Kotschwara-Straße führt.
Der Weg kann übrigens auch bei öffentlichen Rundgängen des Stadtmuseums Unterschleißheim in Begleitung sachkundiger Experten begangen werden. Die nächsten geführten Rundgänge sind am 8. August und am 17. Oktober geplant. Bis dahin dürften die Bilder bereits fertig gemalt und gesprüht sein.
Mit der Thematik in Graffiti-Form haben sich zudem beim ZAMMA-Festival Jugendliche im Gleis 1 auseinandergesetzt. Sie konnten erste Techniken erlernen, haben sich mit der Geschichte beschäftigt und anschließend ein für sie in dem Zusammenhang bedeutsames Wort auf eine Leinwand gesprüht.