„Es gibt eine Zeit für Trauer und eine Zeit für Wahlkampf“, schreibt Stefan Krimmer, Ortsvorsitzender der CSU Unterschleißheim, auf Facebook. Deshalb verzichte man am Samstag, den 7. Februar, wegen der zeitgleich stattfindenden Trauerfeierlichkeiten für Josef Diehl auf Wahlkampfstände.
Aus Respekt vor dem Träger der Bürgermedaille der Stadt Unterschleißheim in Gold und seinem großen Wirken für die Stadt werden auch SPD und Die Grünen am Tag der Beisetzung keine Infostände zur Kommunalwahl aufstellen.
In ihrer Traueranzeige hebt die Stadt Unterschleißheim hervor, dass Diehl 36 Jahre Mitglied des Gemeinde- und späteren Stadtrats war und die Entwicklung der Stadt in der Zeit mit großem Engagement begleitet hat. „Besonders hervorzuheben ist sein Wirken als Zweiter Bürgermeister: Insgesamt 25 Jahre hat er dieses Amt mit einem hohen Maß an Pflichtbewusstsein, Einsatz und Verlässlichkeit ausgeübt. Er hat den Wandel von einer kleinen Münchner Randgemeinde bis hin zu einer dynamischen, modernen Stadt maßgeblich mitgeprägt.“
Erwähnt werden auch seine langjährige Tätigkeit im Kreistag und sein Engagement in verschiedenen, langjährigen Funktionen im Zweckverband zur Abwasserbeseitigung sowie als Aufsichtsratsmitglied der Geothermie Unterschleißheim AG. „Sein Einsatz für die Pfarrei St. Korbinian Lohhof sowie für zahlreiche Vereine zeugt von seinem tiefen Verantwortungsgefühl für unsere Stadtgemeinschaft“, heißt es weiter.
Unterschleißheim verliert herausragende Persönlichkeit
Seine besondere Verbundenheit mit der französischen Partnerstadt Le Crès, kam darin zum Ausdruck, dass deren Ehrenbürger war, aber auch an der Gründung der Patenschaft mit Lucka in Thüringen war er federführend beteiligt.
„Mit Josef Diehl verliert die Stadt Unterschleißheim eine herausragende Persönlichkeit, deren Wirken für das Gemeinwesen Teil der gemeinsamen Geschichte bleibt“, erklärt Bürgermeister Christoph Böck in der Traueranzeige im Namen von Stadtrat und Stadtverwaltung.
Schon in jungen Jahren sehr engagiert
Die CSU Unterschleißheim wirft im Nachruf einen ausführlichen Blick auf den Werdegang von Diehl. „Schon in jungen Jahren hat sich Josef Diehl in der katholischen Jugendbewegung und später im Verband KKV – Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung – engagiert und gelernt, sich für gesellschaftliche Belange einzusetzen und das auch öffentlich zu vertreten.“
Als Bester seines Jahrgangs in der Fachhochschulausbildung für den gehobenen Staats- und Gemeindeverwaltungsdienst in Bayern sei es nur eine Frage der Zeit gewesen, bis Josef Diehl in das Staatsministerium des Innern, Sachgebiet Kommunales Finanzwesen, berufen wurde.
1971 Umzug nach Unterschleißheim
„Diesem Wechsel ist es auch zu verdanken, dass er 1971 mit seiner Frau Helga und seinem Sohn Stefan Unterschleißheim als Wohnsitz wählte. Kaum am Ort, setzte sich Josef Diehl, der 1970 nach sieben Jahren Mitgliedschaft in der Jungen Union in seiner Geburtsstadt Aschaffenburg in die CSU eingetreten war, im CSU-Ortsverband Unterschleißheim für die kommunalen Belange ein.“
Und daran hielt er auch fest: Er war von 1972 bis 2008 Gemeinde- beziehungsweise Stadtrat und von 1972 bis 1979 sowie von 1990 bis 2008 übte er das Amt des 2. Bürgermeisters aus. Von 1984 bis 1996 war er Fraktionsvorsitzender der CSU beziehungsweise dessen Stellvertreter. Dem Partnerschaftsbeirat gehörte er bis 2014 an.
„Seine Sachkenntnis im Finanz- und Sozialwesen setzte er auch im Kreistag München von 1978 bis 2002 erfolgreich als Kreisrat, Finanzreferent, sozialpolitischer Sprecher der CSU-Fraktion sowie im Sparkassenzweckverband ein“, heißt es weiter.
Landkreis und Stadt maßgeblich mitgeprägt
Die Arbeit von Josef Diehl im Kreistag würdigt auch Landrat Christoph Göbel in der Traueranzeige des Landkreises München: „Als engagierter Kommunalpolitiker hat Josef Diehl den Landkreis München und die Stadt Unterschleißheim maßgeblich mitgeprägt. Im Kreistag setzte er über 24 Jahre hinweg im Sozialhilfeausschuss wichtige Akzente. Als langjähriger Finanzreferent trug er zudem große Verantwortung für die wirtschaftliche Entwicklung. Sein Einsatz galt darüber hinaus der Bildungslandschaft sowie der Gesundheitsversorgung.“
1991 wurde Diehl für sein Wirken die Dankurkunde für besondere Verdienste um die kommunale Selbstverwaltung und 2003 die Verdienstmedaille des Landkreises München in Bronze verliehen.
Umfangreiches kirchliches Engagement
Der CSU-Ortsverband Unterschleißheim hatte Diehl 2017 zum Ehrenmitglied ernannt. Seine Partei erinnert zudem daran, dass er sich unter anderem im Bildungswerk Bayern e. V. des Verbandes der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) engagierte, dessen stellvertretender Landesvorsitzender er 21 Jahre lang war, sowie von 1982 bis 2018 als Mitglied der Kirchenverwaltung St. Korbinian Lohhof, davon von 2013 bis 2018 als Kirchenpfleger, und zuvor im Pfarrgemeinderat von St. Ulrich (von 1973 bis 1980).
1982 hat Josef Diehl den Förderverein St. Korbinian Lohhof mit begründet (heute Förderkreis St. Korbinian) und 22 Jahre als 1. Vorsitzender geleitet hat. Zudem bekleidete er 20 Jahre im SV Lohhof das Amt eines Ehrenrates und war bei der Nachbarschaftshilfe zwölf Jahre Kassenprüfer
„Wir sind dankbar, dass wir ein großes Stück des Lebensweges mit Josef Diehl gehen durften. So wird er als richtungsweisender Gestalter, als treuer Weggefährte und lieber Freund in unserer Erinnerung fortleben“, erklärt die CSU-Ortsgruppe. Un damit dürfte sie vielen Unteschleißheimerinnen und Unterschleißheimern aus der Seele sprechen.