105 Arten stehen auf der Roten Liste

Ergebnisse der Insektenkartierung im Landkreis München

Wie steht es eigentlich um die Insektenvielfalt im Landkreis München? Und was verraten Schmetterlinge, Wildbienen und weitere Insekten über den ökologischen Zustand unserer Landschaft? Diesen Fragen ist das Biodiversitätsprojekt „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ im vergangenen Jahr nachgegangen.

Auf insgesamt 60 ausgewählten Flächen in 18 Gemeinden wurden die Insekten systematisch untersucht – mit einem besonderen Fokus auf bestäubende sowie auf totholzabhängige Arten. Das gibt Aufschluss darüber, wo noch artenvielfältigere Flächen liegen und was dringend für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität zu tun ist.

Untersucht wurden fünf Lebensraumtypen, die für den Landkreis München typisch sind: Grünland, Gewässerränder, Waldränder, Feld- und Wegraine sowie Streuobstwiesen. Ziel war es, ein möglichst umfassendes Bild der Insektenfauna zu erhalten, um anschließend konkrete Maßnahmen abzuleiten, wie die lokale Insektenvielfalt erhalten und gefördert werden kann.

Mit den Maßnahmen werden Flächen ökologisch aufgewertet und Lebensräume vernetzt. Dadurch kann ein genetischer Austausch und somit bessere Überlebensbedingungen für die Arten geschaffen werden. Solche Maßnahmen werden im Projekt „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ umgesetzt, das im Bundesprogramm Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesumweltministeriums gefördert wird.

Untersuchung nach Krefelder Vorbild

Die Kartierung im Landkreis lehnt sich an die bekannte Krefelder Studie von 2017 an. Diese hatte den Rückgang von rund 75 Prozent flugfähiger Insekten in nur 27 Jahren nachgewiesen. Zusätzlich wurde eine DNA-Barcoding-Analyse durchgeführt, bei der Arten mittels Gensequenzen zuverlässig in kurzer Zeit bestimmt werden konnten. Insgesamt wurden so 2.143 Insektenarten aus 16 verschiedenen Ordnungen im Landkreis München nachgewiesen, darunter auch zahlreiche bedrohte Arten.

Artenvielfalt mit Seltenheitswert

Diese Kartierungen geben einen guten Überblick zu dem Artenspektrum der untersuchten Flächen. Dabei werden tendenziell häufiger verbreitete Arten, sogenannte Generalisten, erfasst. Aber auch der Nachweis seltener und spezialisierter Arten wird möglich und verdeutlicht daher den besonderen ökologischen Wert einzelner Flächen.

So wurden 105 Arten gefunden, die auf der Roten Liste Bayerns stehen – das entspricht rund fünf Prozent aller Funde. Besonders hervorzuheben ist der Nachweis der vom Aussterben bedrohten Kegelbiene (Coelioxys alata). Acht der dokumentierten Arten, darunter die Holzblattschneiderbiene (Megachile ligniseca), gelten als stark gefährdet, 43 weitere Arten wie die Graue Schuppensandbiene (Andrena pandellei) als gefährdet. Weitere 53 Arten, darunter der Argus-Bläuling (Plebejus argus), stehen auf der Vorwarnliste der roten Liste.

Erkenntnisse für den Artenschutz

Im Landkreis München gibt es Bereiche, die sowohl eine höhere Vielfalt als auch seltenere Arten beherbergen. Die artenreichen Flächen sind ökologisch gut mit weiteren Lebensräumen vernetzt und durch breite Pufferstreifen oder Hecken sogar gegen störende Randeinflüsse weitestgehend geschützt; beispielsweise gegen Umweltbelastungen durch Pestizide und Nährstoffeinträge und Zerschneidungseffekte.

Diese Gebiete stellen wichtige Rückzugsorte für viele Insektenarten dar. Besonders hervorzuheben sind Lebensraumkomplexe mit natürlichen Übergängen, wie etwa gestufte Waldränder zusammen mit Wiesen und Streuobstwiesen. Diese komplexen Lebensräume mit hoher Strukturvielfalt bieten vielen Insektenarten einen idealen Lebensraum und fördern die Biodiversität.

Allerdings zeigt die Kartierung auch, dass Bereiche mit nur wenigen Arten existieren. In diesen, oft ökologisch verinselten, Gebieten gibt es weniger Insektenarten, die aber häufig und in vielen Lebensräumen vorkommen – sogenannte Generalisten. Um auf solchen ökologisch verarmten Flächen die biologische Vielfalt zu fördern, wurden 21 Maßnahmenpakete erarbeitet, die im Landkreis München angewendet werden. Diese sind auf der Projektplattform einsehbar.

Handlungsbedarf

Die Ergebnisse verdeutlichen, dass es sowohl schützenswerte Lebensräume im Landkreis als auch Flächen mit Handlungsbedarf gibt. Um die Artenvielfalt langfristig zu sichern und zu verbessern, ist es entscheidend, nicht nur bestehende, wertvolle Lebensräume zu schützen, sondern auch zahlreiche ökologische Flächen zu revitalisieren und in geeignete Lebensräume umzuwandeln. Ein entscheidender Faktor für den Erhalt der Biodiversität ist die Vernetzung von Lebensräumen, um isolierte Populationen zu verbinden und so den Artbestand zu sichern.

Besonders bei seltenen Arten oder solchen, welche unter die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) fallen, ist es notwendig, für deren Erhalt zu sorgen. Je größer, strukturreicher und besser vernetzt die Lebensräume sind, desto höher ist die Überlebenswahrscheinlichkeit unserer Insektenbestände.

Die Erkenntnisse der Kartierung fließen in die Maßnahmen des Projekts „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ ein. Langfristiges Ziel ist es, die biologische Vielfalt im Landkreis zu stärken und dem Insektensterben entgegen zu wirken.

Das Projekt „NaturVielfalt Leben im Landkreis München“ wird bis Ende 2028 im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt durch das Bundesamt für Naturschutz mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit gefördert.

Quelle: Landratsamt München, Pressestelle

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