Freitagabend kurz vor 21 Uhr – die Genezareth-Kirche ist so gut gefüllt wie bei Weihnachtsgottesdiensten. Viele der Kirchenbesucher halten ein Glas mit bunter Bowle in den Händen, das sie sich an der Pop-up-Bar im hinteren Bereich der Kirche geholt haben. Dort ist auch ein großes Büffet mit den vielerlei Häppchen aufgebaut. Gespannte Erwartung liegt in der Luft: Stummfilm mit Livemusik – so der Titel des Beitrags der evangelischen Kirchengemeinde zum Zamma-Festival in Unterschleißheim. Was soll man sich darunter vorstellen?

Allzu lange mussten die Zuschauer nicht rätseln. Sie wurden sofort hineingerissen in ein herrliches Spektakel für Augen und Ohren. Zu sehen gab es den Stummfilm-Klassiker „Goldrausch“ von und mit Charlie Chaplin, der 1925 Premiere hatte.

Möglich machte dies der Betreiber des Capitol Kinos in Unterschleißheim, Stefan Stefanov, der sich um Lizenzen, Werbematerial und die notwendige Technik kümmerte. Zu hören gab es ein musikalisches Feuerwerk, das den Film punktgenau untermalte. Das Trio Florian Bille, Martin Danes und Veronika Hudobivnik bot eine atemberaubende musikalische Live-Präsentation auf verschiedenen Instrumenten, u.a. Orgel, E-Piano, Cembalo, Akkordeon und Schlagwerk.

Dabei war sportlicher Einsatz gefragt. Denn teilweise mussten Musiker und Musikerin von einem Instrument zum nächsten flitzen. Exakte Einsätze waren angesagt, um das Filmgeschehen synchron zu begleiten und die teilweise abstrusen Filmszenen musikalisch zu kommentieren. Ja, der etwa 100 Jahre alte Film-Plot des „Goldrausch“ war manchmal etwas gewöhnungsbedürftig, die Kameraführung ungewohnt. Trotzdem: Es war ein herrliches, inklusiv Pause gut zweistündiges Seh- und Hörvergnügen.
Die Pause wurde genutzt, um sich Getränke-Nachschub zu holen und das Büffet zu plündern. Die laue Sommernacht lud auf den Kirchvorplatz ein und bot passendes Ambiente. Zudem hatten Pfarrerin Mirjam Pfeiffer und ihr Team von der evangelischen Kirchengemeinde es sich nicht nehmen lassen, mit passendem 20er-Jahre-Outfit die Stimmung abzurunden.
Auch an Bar und Büffet war alle Hände voll zu tun. Ein Kinobesuch macht anscheinend sehr hungrig und durstig. Jedenfalls waren Büffet und Bowle-Schüsseln am Ende vollständig geleert. Wirklich ein Event, an dem Besucher, Organisationsteam und vor allem auch Musikerin und Musiker unbeschreiblich viel Spaß hatten.
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