Es klingelt. Man macht die Tür auf. Davor steht ein Mensch mit Tablet in der Hand und Windjacke mit dem Logo eines Telekommunikationskonzerns. Ob man heute schon über Glasfaser nachgedacht habe und mit ihm darüber sprechen wolle – oder so ähnlich, stellt er sich vor. Nein, hat man nicht und will man eigentlich nicht.
Auch der Hinweis, dass man längst Kunde ist, bewirkt nichts. Es folgt die freundliche Antwort „Okay, dann trage ich das hier ein, damit niemand mehr bei ihnen vorbei kommt“. Aber es geschieht – genau nichts. Zwei Wochen später klingelt es wieder …
Anbieterübergreifende Probleme beim Glasfaserausbau
Das Szenario ist nicht neu, es wurde aber zuletzt immer häufiger und immer ärgerlicher: „Verbraucherinnen und Verbraucher teilen uns immer wieder mit, dass Außendienstmitarbeitende ungebeten zu Hause vorbeischauen, um Glasfaserverträge zu verkaufen“, teilte etwa im vergangenen Jahr die Verbraucherzentrale Niedersachsen mit.
„Teils sind diese Besuche nur lästig, oft bringen sie jedoch Ärger mit sich: Die Betroffenen fühlen sich von dem Geschäftsgebaren überrumpelt. Sie sollen am besten gleich unterschreiben, Zeit, um die Vertragsunterlagen zu prüfen, bekommen sie in den meisten Fällen nicht“, beklagen die Verbraucherschützer.
“Die meisten Probleme im Glasfaserausbau treten anbieterübergreifend auf und sind repräsentativ für einen Großteil der Branche”, zitiert die Fachhandelszeitschrift „ChannelPartner“ jetzt Lina Ehrig vom Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv). Von Januar bis November 2025 seien bei den Verbraucherzentralen 4.000 Glasfaser-Beschwerden aus allen Bundesländern außer NRW eingegangen.
Das Phänomen ist auch in Unterschleißheim bekannt. Hier hat die Deutsche Telekom in weiten Teilen des Stadtgebiets bereits 2021 Glasfaser verlegt. Allerdings sind nicht alle Haushalte, bei denen das technici möglich ist, auch bereits Kunden. Der Wunsch, das Angebot auszulasten, sorgt für erheblichen Verkaufsdruck an der Haustüre.
Aktuell denkt zudem der Telekom-Wettbewerber Deutsche Glasfaser über den Ausbau nach und hatte dazu seit November eine sogenannte „Nachfragebündelung“ durchgeführt – also geprüft, wer und wo überhaupt Interesse hat und ob sich das Angebot lohnt.
Betrügerische Glasfaser-Trittbrettfahrer
Dass im Auftrag der Glasfaseranbieter tatsächlich viele Verkäufer unterwegs sind, machen sich auch Betrüger zunutze. Diese Fälle tauchen dann immer wieder in den Polizeiberichten auf. Mal bittet ein Mann um Hilfe bei der Suche nach dem Glasfaseranschluss im Keller, holt dann einen „Kollegen“ dazu, lenkt das Opfer ab und verschafft dem „Kollegen“ so die Möglichkeit, Wertsachen aus der Wohnung zu stehlen.

Mal kommt angeblich ein Mitarbeiter auf der Suche nach einer Störungsquelle vorbei – nur um wieder einen Kollegen hinzuzuziehen, nach dessen „Überprüfung“ dann Schmuck und Bargeld weg sind. Auch der Vorwand, für die Glasfaserverlegung Räume ausmessen zu müssen, die Glasfaserleitungen in der Wand aufspüren zu müssen oder die Verteilerdosen anschauen zu müssen, sind Trickbetrügern recht, um in die Wohnung zu gelangen.
Bisweilen wird es dann sogar absurd: Durch Warnungen der Polizei sensibilisiert zeigten in Nordrhein-Westfalen Anwohner zum Beispiel schon einen echten Verkaufsmitarbeiter der „Deutsche Glasfaser“ an, weil sie ihn für einen Betrüger hielten.
Ratgeber der Deutschen Telekom
Kürzlich hat deshalb die Deutsche Telekom einen Ratgeber veröffentlicht, wie und woran Verbraucher echte Mitarbeitende der Telekom erkennen. Da sind unter anderem der Berater-Ausweis und das Autorisierungsschreiben (hier ein Muster dieses Schreibens) wichtig. Bei Zweifeln kann ein Anruf unter der Rufnummer, die im „Original-Schreiben der Telekom“ angegeben ist, klären, ob die Person durch Telekom tatsächlich autorisiert ist.
Bei der aktuellen Vorstellung der Bilanzzahlen diese Woche gingen Telekom-Sprecher nicht nur auf Stand und Pläne beim Glasfaserausbau ein. Unter anderem sagt da Telekom-Deutschlandchef Rodrigo Diehl dem Fachhandelsportal ChannelPartner zufolge auch, dass die die Anzahl der Beschwerden über Direktvermarktung bei der Telekom rückläufig sei. Auf 1.000 Haustür-Anfragen komme inzwischen weniger als eine Beschwerde.