Haben Politiker X oder Politikerin Y das tatsächlich so gesagt, wie wir das da in dem kurzen Videoauschnitt sehen? Das Gesicht stimmt, die Stimme stimmt, die Mundbewegungen stimmen – aber stimmt die Aussage? Sogenannte, mit Künstlicher Intelligenz erstellte Deepfake-Vidoes wandeln auf dem schmalen Grat zwischen lustiger Satire und gezielter Desinformation. Sie lassen sich schon heute selbst von aufmerksamen Beobachtern nur schwer von echten Aufnahmen unterscheiden – und die Technik schreitet rasch voran und wird immer noch besser.
Wer ist Herr B. aus A. wirklich?
Und wer ist Herr B. aus A., der im Online-Forum der Stadt C. online so fleißig kommentiert und zahlreiche Bedenken gegen Erneuerbare Energien, Immigranten, Bürgergeldempfänger, Radfahrer oder bestimmte Glaubensrichtungen vorbringt und sichere Informationen zu haben scheint, wo Steuergelder sinnlos verschwendet werden und warum wir jetzt unbedingt eine „starke Hand“ brauchen, die „mal ordentlich durchgreift? Ist das tatsächlich der Vater von drei Kindern und ehrliche Handwerker, der er zu sein vorgibt, oder ist er nur von einer KI simulierte Erfindung eines Entwicklers in einer „Troll-Fabrik„?
Und wie gehen wir damit um, dass Firmen wie das US-Unternehmen Palantir schon heute die riesigen, verfügbaren Datenmengen über jeden von uns systematisch erfassen, mit KI rasch und effizient auswerten und Behörden zur Verfügung stellen, damit die aufgrund bestimmter Merkmale bestimmte Bevölkerungsgruppen „aussortieren“ können? Denn das ist kein US-Problem, auch in Deutschland soll diese Software eingesetzt werden. Hilft sie, Kriminalität zu senken oder schafft sie eine allumfassende Überwachung, in der jeder Abweichler direkt verdächtig ist?
Offener Diskussionsabend im Genezareth-Haus
Es gibt also zahlreiche offene und schwierige Fragen rund um KI und ihre Auswirkungen. Denn KI beeinflusst längst die Art und Weise, wie Informationen entstehen, verbreitet und bewertet werden – und damit auch politische Meinungsbildung und demokratische Prozesse. Der Frage, was das für die Zukunft bedeutet, will das Bündnis Unterschleißheim für Demokratie und Vielfalt am Montag, den 9. Februar ab 20 Uhr in einem Diskussionabend im Genezareth-Haus (Alleestraße 57) nachgehen und unter verschiedenen Aspekten betrachten.
Zu Beginn gibt M.SC. Raphael Ronge von der Hochschule für Philosophie München ein kurzes Impulsreferat. Danach wollen und sollen alle miteinander ins Gespräch kommen. Ziel ist es, in wechselnden Kleingruppen „informiert, engagiert und kontrovers über das Thema „Was macht die KI mit der Demokratie?“ zu diskutieren.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Für Getränke ist gesorgt.