Landesombudsstelle nimmt ihre Arbeit auf

Veränderungen bei der Kinder- und Jugendhilfe

Landesombudsstelle Bayern · Bild erstellt mit ChatGPT
Landesombudsstelle Bayern · Bild erstellt mit ChatGPT

Mit dem Jahreswechsel hat sich im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe in Bayern eine strukturell bedeutsame Veränderung vollzogen: Die bisher im Landratsamt München angesiedelte Ombudsstelle hat ihre Arbeit beendet.

Was nach einem Rückzug klingt, ist tatsächlich ein Systemwechsel. Aus einem zeitlich begrenzten Modellprojekt ist nun eine dauerhaft angelegte, landesweite Ombudsstruktur entstanden, die seit Anfang 2026 für junge Menschen und Familien im gesamten Freistaat zuständig ist.

Rolle der Ombudsstellen

Ombudsstellen erfüllen eine besondere Rolle im Gefüge der Kinder- und Jugendhilfe. Sie beraten unabhängig, vertraulich und auf Wunsch anonym Menschen, die sich in Konflikten mit Jugendämtern oder freien Trägern befinden. Dabei geht es nicht nur um Information über Rechte und Verfahren, sondern häufig auch um Unterstützung in Situationen, in denen sich Betroffene machtlos, nicht gehört oder unfair behandelt fühlen.

Gesetzlich verankert ist dieses Angebot seit einigen Jahren im Kinder- und Jugendhilferecht – die praktische Umsetzung wurde jedoch zunächst in Modellprojekten erprobt. Eine dieser Erprobungsphasen fand im Landkreis München statt. Seit Ende 2021 konnten sich dort Kinder, Jugendliche, Eltern und Familien an eine Ombudsstelle wenden, die zwar organisatorisch im Landratsamt angesiedelt war, jedoch fachlich unabhängig arbeitete.

Erkenntnisse der Erprobungsphase

In den vergangenen Jahren wurden dort mehrere hundert Beratungen durchgeführt. Die Erfahrungen aus diesen Gesprächen zeigten, dass Ombudschaft helfen kann, Konflikte zu klären, Verfahren verständlicher zu machen und Beteiligungsrechte zu stärken. Gleichzeitig lieferten sie wichtige Hinweise auf strukturelle Schwachstellen im System der Jugendhilfe – etwa bei Kommunikation, Transparenz oder Entscheidungsprozessen.

Mit dem Ende der Modellphase ist diese lokale Struktur nun weggefallen. An ihre Stelle tritt eine neu geschaffene Landesombudsstelle, die bayernweit zuständig ist und einheitliche Qualitätsstandards gewährleisten soll. Ziel ist es, Ombudschaft dauerhaft und flächendeckend zu verankern – unabhängig vom Wohnort und ohne institutionelle Nähe zu einzelnen Jugendämtern.

Viele offene Fragen in den Kommunen

Für viele Kommunen stellt sich damit die Frage, was dieser Übergang konkret bedeutet: Verändert sich etwas für Familien vor Ort? Geht regionale Nähe verloren oder überwiegen die Vorteile einer zentralen, unabhängigen Anlaufstelle? Auch in Unterschleißheim wurde das Thema in den politischen Gremien behandelt.

Als Kreisrat, Mitglied des Jugendhilfeausschusses und Sozialpädagoge beschäftigt sich Johannes Rohleder seit Jahren mit Fragen der Kinder- und Jugendhilfe. Er sieht Ombudschaft grundsätzlich als wichtiges Instrument, um Machtungleichgewichte im System auszugleichen und Rechte von Kindern, Jugendlichen und Familien zu stärken.

Experten-Interview mit Johannes Rohleder

Wie er die Umstellung auf eine landesweite Ombudsstelle bewertet, welche Auswirkungen er für Unterschleißheim erwartet und wo er Chancen wie auch Grenzen dieses Angebots sieht, erläutert er im Interview mit Ushel.news.

Ushel.news: Welche konkrete Bedeutung hat die landesweite Ombudsstelle aus Ihrer Sicht für Familien, Kinder und Jugendliche im Landkreis München und speziell in Unterschleißheim?

Johannes Rohleder: Die Einführung landesweiter Ombudsstellen in der Kinder- und Jugendhilfelandschaft sind aus meiner Sicht ein echter Gewinn, insbesondere für die Qualitätsentwicklung. Dass der Landkreis München hier an einem Modellprojekt mitgearbeitet hat, zeigt aus meiner Sicht die positive Arbeit des Landratsamtes und gleichzeitig auch die Bereitschaft sich stetig weiterzuentwickeln.

Sozialpädagoge und Kreisrat Johannes Rohleder (Foto zur Verfügung gestellt von Johannes Rohleder)

Gerade wenn Familien, sowie Kinder und Jugendliche das Gefühl haben, dass ihr Verfahren nicht gut läuft, oder sie nicht richtig behandelt werden halte ich es für essentiell, hier entsprechende Angebote zu implementieren. Hochwertige pädagogische Kinder- und Jugendhilfe kann nur funktionieren, wenn Vertrauen in Institutionen da ist, diese mögliche Hürde schließt das Modellprojekt. Gerade wenn in Unterschleißheim Hilfsangebote in Anspruch genommen werden, ist es deshalb relevant, auch die Ombudsstelle zu kennen und sich dort im Fall der Fälle eine Zweitmeinung einholen zu können – und das eben unabhängig und allparteilich!

Ushel.news: Sehen Sie durch die Verlagerung von einer landkreisnahen Modell-Ombudsstelle hin zu einer bayernweiten Struktur eher Vorteile oder auch Risiken – etwa in Bezug auf Erreichbarkeit, Ortskenntnis oder Vertrauen der Betroffenen?

Johannes Rohleder: Das Ziel einer Ombudsstelle ist ja eine Allparteilichkeit und vor allem eine unabhängige Stellung. Wenn die eigenen Kolleg*innen sich gegenseitig kontrollieren, geht das am Ziel vorbei. Deshalb war die Ombudsstelle ja grundsätzlich im Landratsamt angesiedelt, aber eben nicht weisungsgebunden.

Dass sie jetzt in eine bayernweite Struktur integriert wird birgt auf der einen Seite natürlich viele Vorteile, weil Synergien effizienter genutzt werden können und die Fachkräfte sich gegenseitig unterstützen können. Gleichzeitig ist es immer von Vorteil die Arbeit vor Ort zu kennen und einschätzen zu können, das wird sicherlich eine Herausforderung, diesen wertvollen Blick von außen auch miteinfließen lassen zu können, ohne die Arbeit vor Ort mitzubekommen. In Bezug auf die Erreichbarkeit und auch das Vertrauen der Betroffenen in die Unabhängigkeit mache ich mir keine Sorgen und kann mir nicht vorstellen, dass das eine negative Auswirkung haben könnte.

Ushel.news: Inwiefern kann die Ombudsstelle Ihrer Einschätzung nach tatsächlich dazu beitragen, Machtasymmetrien zwischen Jugendhilfe und Familien abzubauen – und wo sehen Sie mögliche Grenzen dieses Instruments?

Johannes Rohleder: Die Kinder- und Jugendhilfe hat in erster Linie immer zum Ziel, den Betroffenen zielgerichtete Hilfsangebote zukommen zu lassen. Ich glaube, wir haben hier im Landkreis München eine sehr vitale Kinder- und Jugendhilfe und dürfen da auch stolz sein. Machtasymmetrien entstehen dann, wenn Abhängigkeiten und Verantwortlichkeiten dazu führen, dass Strukturen und Regelungen nicht mehr veränderbar sind. Das kann auch in der besten Arbeit für Betroffene geschehen, einfach weil die Rahmenbedingungen auch Fachkräfte unter Druck setzten und dann Einschätzungen am Bedarf vorbei gehen.

Gerade wenn die Betroffenen dann aber Abhängig von den Entscheidungen der Fachkräfte sind ist es nicht immer möglich diese Probleme anzusprechen, gerade weil es oft scham- oder angstbesetzt ist. Ist die Fachkraft dann unter Druck, kann das schnell dazu führen, dass die Betroffenen sich ungerecht behandelt fühlen und die Hilfe stagniert. Genau dann kann die Ombudsstelle vermitteln, mit allen Beteiligten nach Lösungen suchen und vielleicht sogar eine Perspektive öffnen, wo Rahmenbedingungen und Strukturen vielleicht sogar erweitert werden können.

Aber natürlich ist das kein Wundermittel. Manchmal geht es einfach nicht anderes oder unser System stößt an seine Grenzen, da kann die beste Ombudsstelle dann auch nicht helfen. Und es ist natürlich eine Frage der Ressourcen, melden sich zu viele kostet, das einfach Zeit und das kann zu Frust, oder im schlimmsten Fall dazu führen, dass die Unterstützung zu spät kommt.

Ushel.news: Gab es aus Ihrer Erfahrung im Jugendhilfeausschuss konkrete Hinweise oder Fälle aus Unterschleißheim, die den Bedarf einer unabhängigen Ombudsstelle besonders deutlich gemacht haben?

Johannes Rohleder: Dazu kann ich leider nichts sagen. Der Jugendhilfeausschuss beschließt vor allem die politischen Leitlinien, die Fallarbeit obliegt dem Jugendamt beziehungsweise in dem Fall der Ombudsstelle. Wir erhalten, und das ist aus meiner Sicht auch gut so, keine Informationen zu einzelnen Fällen oder Verfahren, da Ombudsstellen mit besonders sensiblen Themen konfrontiert werden. Ich bin aber überzeugt davon, dass die Unterschleißheimer Bürger*innen dieses Angebot in vollem Umfang weiterhin nutzen können, wenn gebraucht.

Wann sich der Gang zur Ombudsstelle lohnt

Ushel.news: Welche Auswirkungen erwarten Sie langfristig auf die Arbeit der Jugendämter und freien Träger, wenn Ombudschaft nun dauerhaft und flächendeckend verankert ist?

Johannes Rohleder: Ich bin überzeugt davon, dass sowohl die freien Träger, als auch die Jugendämter und vor allem die Betroffenen davon profitieren. Die Auswertungen der wissenschaftlichen Begleitung zeigen ja sehr klar, dass Verfahren so gut und transparent bearbeitet und abgeschlossen werden konnten. Die größte Herausforderung steckt meiner Ansicht nach in der Bekanntmachung dieses Projektes. Ohne dass Betroffene wissen, dass es solche Angebote gibt, werden sie auch nicht genutzt. Hier muss bereits bei Beginn eines Verfahrens darauf hingewiesen werden.

Ushel.news: Was würden Sie betroffenen Familien oder Jugendlichen aus Unterschleißheim raten: Wann ist der Gang zur Ombudsstelle sinnvoll – und was kann diese realistisch leisten, was andere Beschwerdewege nicht können?

Johannes Rohleder: Immer dann, wenn der Prozess des Verfahrens stagniert und das Gefühl, ungerecht behandelt zu werden, nicht verschwindet, oder die Fachkräfte die Rückmeldungen der Betroffenen nicht ernst nehmen. Genau dann kann eine unabhängige Ombudsstelle eine Möglichkeit sein, da das Problem aus einem allparteilichen Blick angeschaut wird und alle Streitparteien gehört werden. Was dann konkret notwendig ist, muss natürlich das Gespräch mit allen Beteiligten ergeben. Andere Beschwerdewege sind oftmals intern strukturiert und führen dann oft dazu, dass Strukturen und Streitpunkte eben mit der kollegialen Brille betrachtet werden. Genau dann entsteht eine Machtasymmetrie und genau das kann mit dieser Stelle verhindert werden.

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