Im Zuge der Umsetzung des Klimaanpassungskonzepts des Landkreises München ist auch eine interkommunale Arbeitsgruppe entstanden, die sich mit der Frage beschäftigt, wie sich invasive Pflanzenarten, auch Neophyten genannt, sicher erkennen und wirksam bekämpfen lassen. Im August organisierten die Klimaschutzmanagerinnen Anja Lef (Gemeinde Ismaning) und Stefanie Morgenstern (Gemeinde Schäftlarn) sowie Klimaschutzmanager Dominik Dirschmid (Gemeinde Putzbrunn) ein Schulungsangebot für die Beschäftigten der kommunalen Bauhöfe.
Dabei ging es um invasive Neophyten im Landkreis, ihre Ausbreitungswege sowie geeignete Maßnahmen zur Eindämmung und fachgerechten Beseitigung. Die Empfehlungen lassen sich aber auch in privaten Gärten und für private Grundstücke adaptieren.
Warum Neophyten problematisch sind
Als „Neophyten“ werden wildwachsende Pflanzenarten bezeichnet, die ursprünglich nicht in der Region heimisch sind, sondern in der Neuzeit aus anderen Gebieten durch menschlichen Einfluss nach Deutschland gebracht wurden. Als „invasiv“ gelten sie, wenn sie sich stark ausbreiten und dabei heimische Arten, natürliche Lebensräume oder Ökosysteme beeinträchtigen. „Eine gezielte Beseitigung ist daher essenziell für den Erhalt der heimischen Artenvielfalt“, teilt der Landkreis München mit.
Bei den Schulungen standen die Kanadische Goldrute, das Einjährige Berufkraut, die Herkulesstaude, der Japanische Staudenknöterich und das Drüsige Springkraut im Mittelpunkt, da sie im Landkreis am häufigsten vorkommen und die stärksten Auswirkungen haben. Sie konkurrieren erfolgreich mit einheimischen Arten um Ressourcen wie Wasser, Nährstoffe und Lebensraum, was zu einem Rückgang oder sogar zum Aussterben einheimischer Pflanzen führen kann.

„Dieser Verlust an Biodiversität hat negative Auswirkungen auf Ökosysteme, da sie weniger widerstandsfähig gegenüber Krankheiten, Schädlingen und Umweltveränderungen werden. Um den Schaden durch Neophyten zu begrenzen und die biologische Vielfalt zu erhalten, ist es daher wichtig, invasive Arten zu identifizieren, zu kontrollieren und Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Ausbreitung zu verhindern“, erklärt der Landkreis auf einer Webseite zur Neophyten-Bekämpfung.
Bedenklich sind vor allem Neophyten, die beispielsweise durch fehlende Fressfeinde oder fehlende Konkurrenz das Potenzial haben, sich zu rasch zu dominanten Beständen zu entwickeln und auszubreiten. Denn das führt oft zu erheblichen ökologischen und manchmal auch wirtschaftlichen Problemen. Manche invasive Pflanzenarten sind zudem mit Vorsicht zu behandeln. Der Riesenbärenklau (auch Herkulesstaude genannt) etwa ist giftig und sein Pflanzensaft kann in Verbindung mit Sonnenlicht schwere Hautreaktionen verursachen.
Weitere Neophyten und ihre heimischen Alternativen
Andere, ursprünglich nicht in Oberbayern vorkommende Pflanzenarten, stellen keine akute Bedrohung dar. Sie haben teilweise sogar einen Nutzen für heimische Insekten oder andere Tiere. Dazu zählen etwa die Gewöhnliche Nachtkerze, das Kleinblütige Franzosenkraut und der Persische Ehrenpreis.
Die Gewöhnliche Nachtkerze (Oenothera biennis) stammt ursprünglich aus Nordamerika. Sie ist in Bayern seit Jahrhunderten eingebürgert und wächst vor allem auf Ruderalflächen, an Bahndämmen und trockenen Brachen. Ihre großen Blüten öffnen sich abends und bieten insbesondere Nachtfaltern Nahrung. Auch verschiedene Wildbienenarten nutzen sie. Aktiv anpflanzen sollte man sie dennoch nicht. Experten empfehlen Experten empfehlen Nickende Distel, Natternkopf und Breitblättrige Lichtnelke als heimische und bessere Alternativen und Kleien Braunelle als heimische und bessere Alternativen
Das Kleinblütige Franzosenkraut (Galinsoga parviflora), auch Kleinblütiges Knopfkraut genannt, kommt aus Südamerika. Es ist inzwischen auf Äckern, in Gärten und an „gestörten Standorten“ (dazu gehören Wegränder, Straßenränder, Baustellen, Erdaufschüttungen, Schuttplätze oder häufig betretene oder befahrene Flächen) verbreitet.
Gärtner betrachten es häufig als lästiges Unkraut, allerdings bildet es kleine Blüten, die von Schwebfliegen, Wildbienen und anderen Insekten besucht werden. Eine ernsthafte Gefährdung naturnaher Ökosysteme geht von ihm in Bayern normalerweise nicht aus. Experten empfehlen Gänseblümchen und Kleine Braunelle als heimische und bessere Alternativen.
Der Persische Ehrenpreis (Veronica persica) stammt ursprünglich aus Westasien und ist seit dem 19. Jahrhundert in Mitteleuropa verbreitet. Gerade auf Äckern, in Gärten und an Wegrändern ist er häufig. Seine blauen Blüten erscheinen teilweise bereits sehr früh im Jahr und können Wildbienen und anderen frühen Bestäubern Nahrung bieten. Normalerweise verdrängt er keine wertvollen natürlichen Pflanzengesellschaften. Experten empfehlen Gundermann und Purpurrote Taubnessel als heimische und bessere Alternativen.
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