Elternvertreter der Ganghofer Schule vor der Stadtratssitzung. V.l.r. Benjamin Schmidt, Monika Wagner, Veronika Müller, Johanna Krichling, Magdalena Popiolek
Elternvertreter der Ganghofer Schule vor der Stadtratssitzung. V.l.r. Benjamin Schmidt, Monika Wagner, Veronika Müller, Johanna Krichling, Magdalena Popiolek

Gefährliche Verkehrssituation vor der Ganghofer-Grundschule

Eltern fordern entschlossenes Handeln

Die Verkehrssituation vor der Ganghofer-Grundschule und dem angrenzenden Caritas-Hort in der Hans-Carossa-Straße in Unterschleißheim ist seit Jahren angespannt – doch zuletzt hat sich die Lage weiter zugespitzt. Was morgens als improvisierter „Lieferdienst“ und mittags als chaotischer „Abholservice“ der Eltern beginnt, endet nicht selten in Staus, aggressiven Konflikten und gefährlichen Situationen für Kinder, Eltern und Anwohnende. Kratzer, kleinere Blechschäden und Beinahe-Unfälle sind keine Ausnahme mehr. Viele Beteiligte sind sich einig: Es ist nur eine Frage der Zeit, bis etwas Ernsthaftes passiert.

Dieses Gefühl brachten die Elternvertreter:innen bei der letzten Stadtratssitzung des Jahres am 17. Dezember 2025 in der Bürgersprechstunde deutlich zum Ausdruck. Rund 140 Eltern, Pädagog:innen sowie Anwohnende hatten im Vorfeld Unterschriften gesammelt. Vertreten wurden sie durch die Elternbeiräte des Caritas-Horts und der Ganghofer-Grundschule. Ihre Forderung an Politik und Verwaltung ist klar: Die Verkehrssituation in der Hans-Carossa-Straße muss dringend und spürbar verbessert werden.

Alltag zwischen Blechlawinen

Vor Schule und Hort kommt es regelmäßig zu Szenen, die viele Eltern mit Sorge erfüllen. Kinder und Erwachsene, die zu Fuß unterwegs sind, schlängeln sich zwischen dicht an dicht stehenden Autos hindurch. Anwohnende berichten, dass sie ihre Fahrzeuge zu Stoßzeiten kaum ausparken können, während Schulbusse wegen der Blockaden ihren Zeitplan nicht einhalten. Der entstehende Zeitdruck führt wiederum zu riskanten Fahrmanövern – ein Teufelskreis, der die Situation weiter verschärft.

Magdalena Popiolek brachte die Ängste vieler Eltern auf den Punkt: „Ich möchte, dass meine Tochter selbst zur Schule laufen kann. Aber aktuell ist mir das einfach zu gefährlich.“ Johanna Krichling verwies auf den zunehmenden Frust aller Beteiligten: „Ständig hört man: Es ist ein Wunder, dass noch nichts Schlimmeres passiert ist.“

Problembewusstsein vorhanden – Lösungen lassen auf sich warten

Dass die Problematik bekannt ist, daran besteht kein Zweifel. Politik und Verwaltung haben sich in der Vergangenheit bereits mit der Situation befasst. Bisherige Maßnahmen wie elektronische Geschwindigkeitsanzeigen oder kurzzeitige Polizeikontrollen blieben jedoch punktuell und ohne nachhaltigen Effekt. Die Elternvertretungen kritisieren, dass es an einem ganzheitlichen Konzept fehlt und fordern deshalb die Einberufung eines „runden Tisches“.

An diesem sollen alle Beteiligten gemeinsam nach Lösungen suchen: Eltern, Schule, Hort, Anwohnende, Verwaltung und Politik. Ziel ist es, bestehende Vorschläge zu bewerten, neue Ideen zu entwickeln und tragfähige Maßnahmen auf den Weg zu bringen. Besonders kritisch sehen die Elternbeiräte, dass zu den Vorschlägen der Grünen-Fraktion aus April 2025 – darunter eine Kiss-&-Ride-Zone oder ein zweiter Zugang zur Schule – bis heute kein Zwischenbericht vorliegt, obwohl Bürgermeister und Stadträte die Situation vor Ort persönlich begutachtet hatten.

Verantwortung liegt bei allen Beteiligten

Einigkeit besteht darüber, dass es keine einfache Einzellösung geben wird. Vielmehr braucht es ein Bündel an Maßnahmen – ein „Puzzle“ aus baulichen, organisatorischen und verhaltensbezogenen Veränderungen. Dabei nehmen die Eltern auch sich selbst in die Pflicht. Vorschläge wie die Organisation von sogenannten Laufbussen, bei denen Kinder gemeinsam zu Fuß zur Schule gehen, oder Klassen-Wettbewerbe zur Förderung des Zufußgehens stießen auf positive Resonanz. Veronika Müller kündigte an, diese Ideen im Elternbeirat weiterzuverfolgen.

Politischer Druck wächst – auch mit Blick auf die Wahl

Die Unterschriftensammlung verstehen die Initiator:innen nicht als reine Symbolik. Mit Blick auf die Kommunalwahl am 8. März machten sie deutlich, dass das Thema wahlentscheidend sein kann. „140 Wähler:innen wollen wissen, ob ihre Bedürfnisse und die Sicherheit ihrer Kinder als wichtig erachtet werden“, hieß es unmissverständlich. Benjamin Schmidt appellierte an den Innovationsanspruch der Kommune: „Jetzt ist die Chance, auch für die Sicherheit unserer Kinder Mut zu zeigen. Probieren Sie Lösungen aus, statt ein weiteres Jahr verstreichen zu lassen!“

Bürgermeister Böck kündigte als konkrete Maßnahme an, dass Anfang des neuen Jahres vor dem Hort-Eingang Poller installiert werden sollen. Diese könnten zumindest verhindern, dass Fahrzeuge unmittelbar vor dem Eingang halten oder parken. Für die Elternbeiräte ist dies jedoch nur ein erster Schritt. Sie kündigten an, das Thema weiter aufmerksam zu verfolgen und bei ausbleibenden Fortschritten erneut in der Bürgersprechstunde vorstellig zu werden.

Grüner Antrag bringt viele Ideen auf den Tisch

Bereits im Mai des Jahres hatte sich die Stadtratsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen intensiv mit der Situation befasst. Nach Gesprächen mit Eltern, Lehrkräften und Anwohnenden sowie einem Ortstermin mit dem Mobilitätsexperten der Grünen Landtagsfraktion, Markus Büchler aus Oberschleißheim, wurde ein umfassender Antrag in den Stadtrat eingebracht. Stadtrat Jürgen Radtke schildert in seiner Pressemitteilung die zunehmende Belastung durch Stau, Lärm und zugeparkte Flächen – bis hin zu blockierten Tiefgarageneinfahrten.

Der Antrag enthält eine Vielzahl konkreter Vorschläge. Dazu gehört die Prüfung temporärer Durchfahrtsbeschränkungen für Autos in Teilen der Ganghofer- und Hans-Carossa-Straße zu besonders stark frequentierten Zeiten, ähnlich wie es in München bereits praktiziert wird. Alternativ wird die dauerhafte Installation von rot-weißen Absperrpfosten an der Einfahrt in die Hans-Carossa-Straße ins Spiel gebracht, mit freiem Durchgang für Fußgänger:innen und Radfahrende.

Weitere Entlastung könnten neu eingerichtete Kiss-&-Ride-Spuren an umliegenden Straßen wie dem Furtweg, der Landshuter Straße oder der Carl-von-Linde-Straße bringen. Insgesamt umfasst der Antrag mehr als zehn Maßnahmenvorschläge, die kombiniert oder schrittweise umgesetzt werden könnten. Besonders wichtig ist den Grünen die Möglichkeit eines zeitlich begrenzten Verkehrsversuchs. So könnten einzelne Maßnahmen getestet und ihre Wirksamkeit evaluiert werden, bevor sie dauerhaft eingeführt werden.

Beteiligung als Schlüssel zum Erfolg

Ein zentraler Punkt des Antrags war die aktive Einbindung aller Betroffenen. Schulleitung, Elternbeiräte, Anwohnende und Verkehrsreferenten sollen gemeinsam an der Lösungsfindung beteiligt werden, um Akzeptanz zu schaffen und praktikable Ergebnisse zu erzielen. Erste positive Rückmeldungen aus dem Stadtrat deuten darauf hin, dass parteiübergreifend Bereitschaft besteht, das Thema weiter voranzubringen.

Ausblick

Die Diskussion um die Verkehrssituation vor der Ganghofer-Grundschule zeigt exemplarisch, wie komplex kommunale Mobilitätsfragen sein können – besonders dort, wo Sicherheit von Kindern, Bedürfnisse von Anwohnenden und alltägliche Routinen aufeinandertreffen. Klar ist: Nichtstun ist keine Option mehr. Ob Poller, Verkehrsversuche, Kiss-&-Ride-Zonen oder mehr Eigenverantwortung der Eltern – entscheidend wird sein, dass Politik und Verwaltung jetzt ins Handeln kommen und gemeinsam mit den Betroffenen nachhaltige Lösungen entwickeln. Die Geduld vieler Familien ist erschöpft, und der Wunsch nach sicheren Schulwegen größer denn je.

Ushel.news bleibt an dem Thema dran.

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