Ein engagierter Lehrer an einer deutschen Schule ärgert sich über das Desinteresse im Unterricht zum Thema „Autokratie“. Die Frage, ob eine NS-Diktatur heute noch möglich wäre, bestreiten die Schülerinnen und Schüler übereinstimmend. Dem Thema begegnen sie mit Ignoranz und Langeweile. Deshalb entschließt sich der Lehrer zu einer Simulation. mit der sie faschistische Verhaltensformen und die Gefahr der Verführbarkeit kennenlernen sollen.
Das Experiment funktioniert zu gut und verselbständigt sich. Durch wenige Veränderungen des Verhaltens verwandelt sich die Klasse in knapp einer Woche in eine latent gewalttätige und autoritäre Organisation. Bürgerrechte und Toleranz werden bedenkenlos gegenseitiger Überwachung und sozialer Kontrolle geopfert. Wer nicht mitmacht, wird erbarmungslos ausgegrenzt – so die kurze Zusammenfassung des Films „Die Welle“, der am 12. Februar im Capitol Kino gezeigt wird. Eingeladen sind vor allem Jugendliche, Erstwählerinnen und Erstwähler.
Wahrer Hintergrund
Der Film basiert auf dem tatsächlich stattgefundenen Experiment von Ron Jones an der Cubberley High School im kalifornischen Palo Alto im Jahr 1967 und dem davon erzählendem Jugendbuch „Die Welle“. Er ist aber keine Buchverfilmung im klassischen Sinn.
Regisseur und Drehbuchautor Dennis Gansel übernahm die Idee und das grundsätzliche Szenario, entwarf daraus aber eine eigene Version. Dass er den Ort der Handlung nach Deutschland und die Geschichte in die Gegenwart verlegte, schadet nicht.
Demokratie ist immer in Gefahr
Schließlich geht es darum, aufzuzeigen, dass menschenverachtende und diktatorische Regime nicht nur ein Thema für den Geschichtsunterricht sind, sondern jederzeit an jedem Ort entstehen können. Diese Warnung sprach Sinclair Lewis in den 1930er Jahren in seinem Buch „Das ist bei uns nicht möglich“ auch für die USA aus. Angesichts der Entwicklungen in den USA seit Januar 2025 ist auch dieses Buch wieder aktueller als je zuvor.
Debbie Berry, die das Experiment an der Cubberley High School als 16-jährige miterlebt hat, sagte 2019 in einem Interview: „Innerhalb kürzester Zeit hat Jones uns aufgezeigt, wie einfach Menschen durch Angst zu manipulieren sind und wie schnell sie umgedreht werden können, egal ob sie wollen oder nicht.“
Viel Zeit für Austausch und Fragen
Bei der Filmvorführung am 12. Februar im Capitol Lohhof werden ein Vertreter des Jugendparlaments der Stadt Unterschleißheim, ein junges Stadtratsmitglied und eine Lehrkraft im Anschluss an den Film eine Gesprächsrunde moderieren. Ziel ist es, dem jungen Publikum Raum für Austausch und Fragen zu bieten. Die Veranstalter von der SPD Unterschleißheim hoffen dabei auf einen möglichst aktiven Austausch.
Wo: Capitol Kino Lohhof
Wann: 12. Februar, 19 Uhr
Ticket: 5 Euro, online, telefonisch (089 – 18 91 19 21) oder an der Abendklasse,
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