Kommunalwahl 2026 in Unterschleißheim

Bürgermeisterkandidat Christoph Böck im Interview

Peter Marwan von Ushel.news im Gespräch mit Christoph Böck, aktuell Bürgermeister und Bürgermeisterkandidat in Unterschleißheim (Bild: Lenard Strobel)
Als Amtsinhaber hat Christoph Böck (rechts im Bild) den umfangreichsten Einblick in die Stadtpolitik – und musste Ushel.news daher auch die umfangreichsten und tiefgehendsten Fragen beantworten. (Bild: Lenard Strobel)

Kurz vor der Kommunalwahl hat Ushel.news noch einmal mit Bürgermeisterkandidaten gesprochen, um deren Positionen zu Punkten herauszuarbeiten, in denen sie sich unterscheiden. Amtsinhaber Christoph Böck tritt erneut an. Er hat den Vorteil, mit den Interna der Stadtpolitik am besten vertraut zu sein. Gleichzeitig hat er die Bürde, alle Entscheidungen und Entwicklungen der Stadt in den vergangenen Jahren verteidigen zu müssen – ob er sie mitgetragen hat oder nicht.

Im Interview sprach Ushel.news mit ihm darüber, was gut gelaufen ist, warum manches schlecht lief, was besser werden könnte und welche Projekte ihm als nächstem Bürgermeister besonders wichtig wären.

In Unterschleißheim gibt es einige größere Projekte, bei denen Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben, dass nicht viel voran geht. Dazu zählen etwa das Gartenquartier neben dem Business Campus, das sogenannte „Esso-Grundstück“ in der Bezirksstraße und die Neue Mitte am Rathausplatz Wie sieht das aus Ihrer Sicht aus? Und was denken Sie, kann man da als Bürgermeister tatsächlich tun?

Christoph Böck: Die Beispiele lassen sich nicht zusammenfassend und pauschal beantworten. Man muss jeden Bereich für sich betrachten.

Dann fangen wir doch mit dem „Esso-Grundstück“ an.

Christoph Böck: Beim Esso-Grundstück gibt es eine ganz konkrete Beschlusslage aus dem Stadtrat, dass die Stadt dieses Grundstück an einen Investor veräußern will und auch klare Vorgaben an den Investor, wie die Gestaltung ausschauen soll. Die Vorgabe beinhaltet im Kern das Ziel, die Bezirksstraße als Einkaufsstraße zu stärken, indem das Erdgeschoss auch für einen großflächigen Einzelhandel nutzbar ist.

Gleichzeitig wünschen wir uns eine möglichst große Anzahl an Stellplätzen. Fast alle Stellplätze in der Bezirksstraße sind Geschäften zugeordnet. Wo wir zugelassen haben, dass auf Stellplätzen Außengastronomie entstanden ist, war das nur möglich, weil wir temporär die erforderlichen Stellplätze auf dem Esso-Grundstück zur Verfügung haben.

Wird das Esso-Grundstück bebaut, fallen diese Stellplätze weg und damit letztendlich auch die Möglichkeit, dass die Freigastronomiebereiche weiter bestehen können. Der dritte Punkt, den wir vorgegeben haben, war, dass darüber drei bis vier Geschoße Wohnen entstehen.

Mit diesen drei Kernvorgaben haben wir Projektentwickler und Investoren angeschrieben und sind jetzt gerade in Gesprächen und Verhandlungen mit einzelnen, die ein Angebot abgegeben haben. Die Stadt ist also dabei, das Grundstück zu entwickeln, allerdings ist das Interesse in der Baubranche nach wie vor sehr zurückhaltend. Das liegt auch daran, dass die wirtschaftliche Verwertung eines solchen Grundstückes nach wie vor nicht einfach ist, vor allen Dingen in so zentraler Lage, wo auch baurechtlich Einschränkungen gelten.

Aus meiner Sicht ist es schön, wenn wir einen Investor finden, der die Umsetzung angeht. Wir wollen das Grundstück ja verkaufen. Aber es ist für den Erhalt der Bezirksstraße als Einkaufsstraße – der das Hauptziel ist – im Moment nicht zwingend erforderlich. Die Bezirksstraße läuft als Einkaufsstraße.

Als Bürgermeister mache ich mir Sorgen darüber, was mit der Bezirksstraße passiert, wenn die neue Stadtmitte da ist. Dann gibt es eine komplett neue, innerörtliche Konkurrenz. Dann wäre es sicher sinnvoll, wenn eine Stärkung der Bezirksstraße als Einkaufsstraße durch das Esso-Grundstück kommt.

Gartenquartier und neue Stadtmitte

Dann zum Gartenquartier. Die Pläne sahen toll aus – aber seit einiger Zeit hört man nichts mehr.

Christoph Böck: Beim Gartenquartier waren wir eigentlich schon sehr weit, bis wir Ende 2024 von der Regierung erfuhren, dass die Fördertöpfe für den kommunalen Wohnungsbau ausgeschöpft sind. Wir hatten 18 Millionen Euro für bezahlbares Wohnen beantragt. Die dafür gedachten, über 60 Wohneinheiten waren nur über Fördermittel möglich. Seit die weggefallen sind, ruht für uns das Projekt. Ohne Fördermittel können wir es nicht wirtschaftlich umsetzen. Und es gibt bis heute keine Aussage, ob diese Fördertöpfe wieder aufgefüllt werden.

Das Konzept vom Gartenquartier funktioniert nur, wenn wir es gemeinsam mit dem Investor DV Immobilien umsetzen. Bauen und insbesondere Wohnungsbau sind sehr teuer geworden. Mit so einem besonderen Konzept, das städtebaulich sehr schön war und dass alle befürwortet haben, ist es wahnsinnig schwierig, gleichzeitig bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Deshalb muss man das Konzept gegebenenfalls hinterfragen und vielleicht auch neu denken – auch wenn es uns weh tut, weil wir natürlich schon viel Planungsleistung und viel Geld dort eingebracht haben in die Planung. Wir könnten eigentlich beginnen – aber ohne Fördermittel geht es nicht.

Mit DV Immobilien haben wir einen vernünftigen Bauträger, der auch soziale Aspekte, nämlich einigermaßen bezahlbares Wohnen, berücksichtigen will. Ihm geht es nicht darum, Flächen für über 25 Euro pro Quadratmeter Miete zu schaffen. Da sollten wir froh sein. Ein Thema ist aber auch, wie man in der heutigen Zeit günstiger bauen kann. Auch da muss man darüber nachdenken.

Dann haben wir noch das große Thema Stadtmitte. Hier stottert die Kommunikation etwas, weil Vieles in nicht-öffentlichen Sitzungen besprochen werden musste und muss. Was können Sie dazu sagen?

Christoph Böck: Wir sind da schon recht weit und haben in den letzten Jahren wesentliche Hürden genommen, die nicht einfach waren. 2015 bis 2020 hat der Investor auch mit Unterstützung der Stadt die Anteile von 70 Eigentümern aufgekauft. Das hat seine Zeit gebraucht, aber ohne diesen Aufkauf wäre keine Neuentwicklung möglich gewesen.

Seit 2020 liegt das Ergebnis des städtebaulichen Wettbewerbes vor. Wir haben uns bis Ende 2022 mit dem Investor auf die Eckpunkte einer baulichen Entwicklung geeinigt und Verträge geschlossen, damit auch ein Anteil bezahlbares Wohnen entstehen kann.

Bis Ende 2025 lief das Bebauungsplanverfahren. Für so ein komplexes Bebauungsplanverfahren sind drei Jahre eine gute Zeit. Dazu haben sowohl der Investor als auch die Bauverwaltung beigetragen. Jetzt sind wir so weit, dass wir Baurecht schaffen können.

Für März ist im Stadtrat eine Sondersitzung anberaumt, in der der Aufstellungsbeschluss gefasst werden kann. Der Investor Rock Capital hat klar zum Ausdruck gebracht, dass er dann auch sehr zügig in die Abrissplanung gehen will. Aufgrund der Größe des Grundstücks und der Frage, was alles anfällt und wie das abtransportiert werden kann, ist das gar nicht so einfach.

Ich gehe aber davon aus, dass 2027 mit dem Abriss begonnen wird. Der wird ein gutes halbes Jahr benötigen. Währenddessen wird parallel die Planung für das neue Gebäude vorangebracht. Letztendlich kann 2028 mit dem Neubau begonnen werden.

Hätte man manche Schritte nicht parallel angehen können, um das Verfahren etwas zu beschleunigen?

Christoph Böck: Vor einem Bebauungsplan und dem Aufstellungsbeschluss sind bei so einem Projekt die städtischen Rahmenverträge, der städtebauliche Vertrag und der Zielbindungsvertrag erforderlich. Die müssen auch abgeschlossen werden, damit die Voraussetzungen für die „Soziale Bodennutzung“ und damit bezahlbaren Wohnraum geschaffen werden – beziehungsweise damit sich die Kommune zu einem günstigeren Preis in dieses Grundstück einkaufen kann, um dann bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Deswegen kann man das Bebauungsplanverfahren nicht parallel zu Verhandlungen über einen Zielbildungsvertrag machen. Als Investor hätte man theoretisch früher mit dem eigenen Planungsverfahren beginnen können. Das hat Rock Capital aber nicht gemacht. Klare Aussage hier war: Wir fangen erst an, wenn das Baurecht geschaffen ist.

Bezahlbares Wohnen in Unterschleißheim

Sie haben es schon angesprochen: Wohnbau ist teurer geworden und im Raum München ist Bauen ohnehin teuer. Was kann man da als Stadt bewirken – und kann man überhaupt etwas machen?

Christoph Böck: Man kann als Kommune natürlich etwas machen und die Stadt Unterschleißheim ist ja auch schon seit langem aktiv. Als ich 2013 Bürgermeister geworden bin, hatte die Stadt kein einziges Grundstück für Wohnungsbau zur Verfügung. Wir hatten zwar Gewerbegrundstücke, aber keine Wohnungsbaugrundstücke. Deshalb haben wir die sozialgerechte Bodennutzung auf den Weg gebracht. Die wurde 2015 mehrheitlich im Stadtrat beschlossen.

Über die soziale Bodennutzung haben wir im Laufe der Jahre Zugriff auf Grundstücke bekommen, die wir jetzt für Wohnungsbau zur Verfügung haben. Der erste kommunale Wohnungsbau der Stadt Unterschleißheim war das Gebäude in der Kiebitz-Straße. Das ist 2024 fertig geworden. Das Gebäude bietet 13 Wohnungen für Mitarbeiter der Stadtverwaltung oder der Betreuungseinrichtungen. Die sind alle belegt, alle zahlen etwa 12 bis 13 Euro Miete pro Quadratmeter.

Wir haben auch in der Stadtmitte über die soziale Bodennutzung Flächen, die wir aber anders umsetzen wollen. Dort wollen wir nicht selbst bauen, sondern der Bauträger setzt auch die städtischen Wohnungen um. Im Gartenquarteier wollen dagegen wir selbst bauen. Und wir haben auch über die soziale Bodennutzung Flächen im Mehrgenerationen-Projekt Lohhof Süd, die wir mit der Baugesellschaft München-Land für bezahlbares Wohnen nutzen wollen.

Die Stadt Unterschleißheim hat derzeit ungefähr 120 Wohnungen, die wir für bezahlbares Wohnen nutzen. Es könnten durchaus mehr sein. Es gibt zudem die Baugesellschaft München Land, die auch für bezahlbares Wohnen sorgt. Die bekommt dafür als Eigentümer oder Pächter ein Grundstück von der Stadt. Wenn wir selbst bauen würden, kostet es uns ja auch erst einmal Geld. Also nutzen wir hier die kommunale Wohnungsbaugesellschaft.

Wir haben aber auch die Baugenossenschaft Ober- & Unterschleißheim, eine örtliche Genossenschaft, mit der wir das machen können. Und es gibt natürlich auch die Möglichkeit, andere Genossenschaftsmodelle mit anderen Genossenschaften umzusetzen. Dazu braucht man aber geeignete Grundstücke. Im Moment sehe ich kein ausreichend großes städtisches Grundstück, wo sich das umsetzen ließe. Perspektivisch wäre das am ehesten am Furtweg denkbar.

Aber es ist genauso wichtig, dass es eine vernünftige Mietpreisbremse in Unterschleißheim gibt. Da ist aber der Bund gefordert, die gesetzlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Eine vernünftige Mietpreisbremse müsste auch die Schlupflöcher eingrenzen, die es im Moment gibt – etwa bei der möblierten Vermietung.

Zukunft von Business Campus und Koryfeum

Wäre die Umwidmung von Gewerbegebiet zu Wohngebieten eine Perspektive, um mehr bezahlbaren Wohnraum zu schaffen?

Christoph Böck: Die Umwidmung ist natürlich eine Möglichkeit. Das hat Unterschleißheim auch schon gemacht. Am Theresienbogen beispielsweise war früher Gewerbefläche, die ist in Wohnungsbaufläche umgewandelt worden. Ebenso beim Gartenquartier, das früher eine Gewerbefläche war, aber direkt an ein Wohnquartier anschließt.

Aber mitten in einem Gewerbegebiet einen Block zu nehmen und zu sagen, da soll jetzt Wohnen hin – davon bin ich nicht überzeugt. Wohnen heutzutage soll ja auch vernünftiges Wohnen sein. Man braucht nicht nur ein Dach über dem Kopf, auch die Umgebung muss passen.

Im Business Campus oder beim Koryfeum, da bin ich ganz klar: Das soll nicht für Wohnungen genutzt werden, das sind die zukünftigen Gewerbegebiete Unterschleißheims. Dorthin werden gute Firmen kommen. Diese Flächen garantieren künftig die wichtigste Einkommensquelle der Stadt Unterschleißheim, die Gewerbesteuer.

Wir leben zu 60 Prozent von den Einnahmen aus der Gewerbesteuer. Deshalb brauchen wir immer wieder gute neue Quartiere, wo Gewerbe entstehen kann. Erfolgreiche Firmen ziehen nicht in ein Altgebäude. Sie wollen ein hochmodernes, technisch gut ausgestattetes Gebäude.

Auch wenn es unbestritten derzeit Leerstand im Bürobereich gibt, darf man nicht zu kurzfristig denken. Die wirtschaftliche Lage wird irgendwann mal wieder eine andere werden und dann werden die Flächen auch nachgefragt. Ich verweise auf das Beispiel in Garching mit dem Business Campus. Das ist eine Erfolgsgeschichte. Aber auch Garching hat klein angefangen und hat das über 20 Jahre aufgebaut.

Genauso wird es im Bereich Business Campus und Koryfeum sein. Dort wird nicht von heute auf morgen alles gebaut. Das wäre auch gar nicht gut. Es ist viel besser, wenn es sukzessive entsteht, weil dann immer wieder neue Flächen entstehen – und neue Möglichkeiten für neue Unternehmen.

Mehr Wohnbau, mehr Gewerbe und mehr Grün und mehr Bäume – diese Ziele widersprechen sich. Was kann man machen, um mehr Grün in der Stadt zu haben oder auch im Sinne von Klimaanpassung mehr Grün in die Stadt und mehr Schatten durch Bäume zu bekommen?

Christoph Böck: Im Flächennutzungsplan haben wir im Stadtrat die Vorgabe gemacht, dass die Innenentwicklung Vorrang vor der Außenentwicklung haben soll. Der Bereich des Koryfeums war bereits seit 2002 Gewerbegebiet. Das war also keine „Außenentwicklung“.

Wir versuchen eher, im Bestand zu entwickeln oder die Umwidmung im Bestand. Beispiele sind der Business Campus, wo das erfolgreich gemacht worden ist, oder das Gartenquartier, wo umgewandelt wird. Im Bestand wird es dann aber in diesen Bereichen logischerweise dichter.

Der Nachteil der Verdichtung ist, dass es noch schwieriger wird, für einen grünen Ausgleich im Ort zu sorgen. Wenn man sich Luftbilder von Unterschleißheim anschaut, ist Unterschleißheim aber eine sehr grüne Stadt. In den Siebziger und Achtziger Jahren sind sehr viele neue Quartiere entstanden. Dort ist die Begrünung mittlerweile ausgewachsen und groß geworden.

Es gibt aber Bereiche, wo wir Bedarf für mehr Beschattung haben. Das betrifft sehr stark auch die Gewerbebereiche, in den Wohnbereichen sehe ich das weniger. Bis auf Ausnahmen, wie zum Beispiel die Bezirksstraße. , wo man nachbessern sollte. Letztes Jahr haben wir im Stadtrat genau dafür ein Konzept zu erstellen. einem Planungsbüro einen Auftrag gegeben.

Auch mein Ziel ist es, zu versuchen, jeden Bestandsbaum zu erhalten. Aber es gibt auch Fälle, wo es nicht anders machbar ist, oder ein anderes Ziel wie Verkehrssicherheit vielleicht wichtiger ist. Wenn man danach wieder Bäume pflanzen kann – die ja dann auch einmal groß werden, so halte ich das für vertretbar. Gerade in stark verdichteten Bereichen ist es aber auch oft nicht möglich, einen neuen Baum an derselben Stelle zu pflanzen. Der kann sich dort gar nicht mehr richtig entwickeln, weil zum Beispiel im Boden inzwischen viele Leitungen dazugekommen sind – von Fernwärme bis zur Glasfaser.

Mobilität vom E-Scooter bis zur Autobahnauffahrt

Was kann man bei der Mobilität in Unterschleißheim noch verbessern?

Christoph Böck: In den letzten Jahren habe ich als Bürgermeister und auch als Mitglied im Kreistag, der für den ÖPNV zuständig ist, auch deutlich daran mitgewirkt, dass sich die Mobilität mit dem ÖPNV verbessert – in Unterschleißheim selbst, aber auch in der Anbindung an unsere Nachbarkommunen in sämtliche Richtungen.

Dazu zählen die Expressbusse und die Busverbindungen ins Dachauer Hinterland. Wir haben innerörtlich die Buslinien gestärkt. Bis auf das Quartier „Am Weiher“, wo wir immer noch überlegen, wie wir das am besten machen können, ist ganz Unterschleißheim wirklich hervorragend angebunden und man kommt fast überall mit dem Bus vernünftig hin.

Es nutzen auch immer mehr die Busse. Am Anfang haben viele gespottet, das seien „Geisterbusse“. Aber man merkt allmählich, dass die Leute sie gerne nutzen, weil sie in einem guten Takt in Unterschleißheim fahren und man wirklich von fast überall vernünftig, gut und schnell von A nach B kommt.

Im Mobilitätsausschuss im Kreistag haben wir zuletzt sehr viel über Flexbusse und On-Demand-Verkehr gesprochen. Das wird auch ein Thema für Unterschleißheim. Eher für die Randbereiche wie Riedmoos oder Inhausermoos. Ich hoffe, dass das über den Kreis auch gelingt. Und dass wir so ab 2028, wenn die nächste Neuausschreibung der städtischen Buslinien kommt, in Unterschleißheim auch auf die Elektrifizierung umsteigen.

So weit zum ÖPNV. Wie steht´s um den Individualverkehr in allen seinen Varianten?

Christoph Böck: Ganz wichtig finde ich, dass wir für die schwächeren Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer die Situation verbessern. Ganz aktuell haben wir die Mobilitätspunkte für die E-Scooter scharf geschaltet. Ich hoffe, dass das dazu beiträgt, dass Probleme mit falsch abgestellten E-Scootern deutlich zurückgehen. Vielleicht muss man diese Mobilitätspunkte noch erweitern, aber ich halte auch die E-Scooter grundsätzlich für eine positive Mobilität.

Dieses Jahr sind wir zudem dabei, die Rezertifizierung als fahrradfreundliche Kommune vorzubereiten. Um die zu bekommen, muss man sich immer wieder verbessern. Auch das Leihradsystem MyRadl, bei dem jetzt Gott sei Dank die Vergabe beschlossen wurde, und von der Landeshauptstadt München mit vielen angrenzenden Landkreisen umgesetzt wird, ist ein wichtiger Baustein. In der Nordallianz haben wir darüber hinaus auch ein E-Pedelec-Projekt gestartet. Da kann man dann auch einmal für weitere Strecken nutzen.

Unterschleißheim hat im Vergleich zu allen anderen Kommunen um uns herum den gigantischen Vorteil, dass wir keinen Durchgangsverkehr haben. Einziger Brennpunkt ist der Autobahnanschluss im Norden. Der soll mit dem Ausbau der A 92 und dem „halben Kleeblatt“, das dann dort kommen soll, verbessert werden.

In dem Bereich ist auch wirklich eine Verbesserung notwendig, denn er ist auch ein Hochrisikobereich für den PKW-Verkehr, in dem es immer wieder zu schlimmen Unfällen kommt.

Gewerbe, Gewerbesteuerentwicklung und Sparzwang

Sie haben es schon gesagt: Die Gewerbesteuer ist wichtig für Unterschleißheim. Was kann man tun, um die zu erhöhen?

Christoph Böck: Ich bin eigentlich zuversichtlich, dass neue Gewerbesteuern und Steigerungen kommen, weil wir attraktive neue Gewerbebereiche haben. Ich vergleiche das mit Garching. Das hat bei den Gewerbesteuereinnahmen einen wahnsinnigen Aufschwung genommen in den letzten Jahren, weil es den Business Campus anbieten konnten. Genau in so einer Lage sind wir jetzt mit unserem Business Campus.

Die Gewerbesteuereinnahmen sind eigentlich gut. Wir haben jedoch zwei Problempunkte als Kommune. Der eine ist, dass uns Bund und Land Aufgaben aufgedrückt haben, ohne für einen finanziellen Ausgleich zu sorgen, etwa bei der Ganztagsbetreuung. Das betrifft uns bei der Kinderbetreuung, wo uns die Personalkosten wirklich davonlaufen, wo der Staat seinen Anteil aber in keinster Weise erhöht hat.

Der zweite Punkt ist, dass die Kosten generell gestiegen sind. Wir können froh sein, dass wir nach wie vor gute Einnahmen haben. Aber im Vergleich zu den Ausgaben sind diese seit 2020 nicht im gleichen Umfang mitgewachsen. Deswegen ist es im Moment notwendig, dass wir auf die Bremse steigen und auch versuchen, Kosten zu reduzieren.

Denn unsere Ausgaben steigen auch über die Kreisumlage des Landkreises weiter. Unterschleißheim muss mit dem neuen Kreishaushalt wieder 2 Millionen Euro pro Jahr mehr Kreisumlage bezahlen. 2 Millionen sind schon ein dicker Batzen. Wir finanzieren damit die Sozialausgaben des Kreises und des Bezirks.

Wir werden daher nicht alle freiwilligen Leistungen weiter ausbauen können, und bestimmte freiwillige Leistungen auch mal reduzieren müssen. Trotzdem werden wir in Unterschleißheim noch vielfältige Möglichkeiten für ein tolles Kulturprogramm und für freiwillige Leistungen haben. Es gibt andere Kommunen im Landkreis, die wirklich pleite sind. Und es sind nicht wenige, die mittlerweile wirklich dramatisch sparen müssen.

Wenn man auf die Bremse drückt, ist mir aber wichtig, dass es nicht nur Einzelne trifft. Also nicht nur Familien oder nur Senioren oder nur die Gewerbetreibenden, sondern dass man versucht, die Lasten fair zu verteilen.

Gibt es noch Baustellen bei der Kinderbetreuung oder entspannt sich die Situation durch die jetzt kommenden, geburtenschwächeren Jahrgänge von allein?

Christoph Böck: Ich bin froh, dass wir keine Wartelisten mehr haben. Das ist schon sehr positiv. Es war aber vielleicht auch gut, dass man nicht noch mehr Betreuungskapazitäten gebaut hat. Der Bedarf hängt auch immer stark mit neuen Wohnungen zusammen: Wo neue Quartiere entstehen, kommen auch neue Familien mit mehr Kindern als im Bestandsbereich.

Wir müssen deshalb auch weiterhin schauen, dass wir Betreuungsplätze vielleicht in neuen Wohnquartieren errichten. Die Frage ist eher, ob wir Bestandseinrichtungen, die in die Jahre gekommen sind, auch in der Zukunft fortführen. Oder beispielsweise auch mal eine Einrichtung auslaufen lassen. Das sind aber Fragen, die erst in den nächsten Jahren auf uns zukommen. Hauptthema jetzt ist es, eine gute Qualität in den Einrichtungen zu ermöglichen und dafür zu sorgen, dass die Personalkosten nicht ins Unendliche laufen.

Kinderbetreuung und Wirtschaftsförderung

Nochmal zurück zum Gewerbe. Könnte da mehr für die Ansiedlung neuer Firmen getan werden?

Christoph Böck: Die Diskussion darüber, ob man eine Wirtschaftsförderung braucht, um Gewerbe anzusiedeln, gibt es gerade besonders in anderen Nachbarkommunen. Wir haben in Unterschleißheim eine exzellente Wirtschaftsförderung mit einem starken Team, das sich natürlich darum kümmert, Unternehmen zu unterstützen. Wir machen sehr viel, um den Wirtschaftsstandort Unterschleißheim und die Unternehmen hier zu stärken, etwa indem wir sie über den ICU vernetzen oder indem wir mit unserem Gründerzentrum Impulse geben.

Aber es ist unrealistisch zu glauben, dass man als Wirtschaftsförderung oder auch als Bürgermeister auf der Welt unterwegs ist, um große Firmen irgendwoher zu bekommen. Die haben alle ihre Immobilienunternehmen beauftragt, die weltweit oder deutschlandweit Standorte bewerten und betrachten. Da gibt es verschiedene Faktoren, die für Unternehmen den Ausschlag geben. Als Bürgermeister ist es wichtig, für die Unternehmen immer ansprechbar sein, Zeit zu haben und sich um deren Probleme zu kümmern.

Auch das Erscheinungsbild des Gewerbebereichs kann man immer noch verbessern. Aber ob jetzt ein Unternehmen an einen Standort kommt oder nicht, liegt nicht in der Macht des Bürgermeisters oder der Wirtschaftsförderung. Es kommen ja durchaus gute Unternehmen. Man muss dazu zum richtigen Zeitpunkt mit dem richtigen Angebot da sein. Deswegen ist das autonome Fahren von BMW gekommen. Deswegen ist beispielsweise die Firma Wenglor gekommen und haben andere den Weg nach Unterschleißheim gefunden.

Klimaziele und Wärmeversorgung

Klimaziele sind umstritten – nicht nur in Unterschleißheim. Wie stehen Sie dazu?

Christoph Böck: Unsere Stadt hat das Ziel, bis 2045 klimaneutral zu werden. Das ist auch für mich gesetzt.  Aber man darf da nicht nur auf sich schauen, man muss auch das große Ganze sehen. Ein Beispiel: In Unterschleißheim haben wir ein Rechenzentrum, wahrscheinlich wird ein zweites entstehen. Und wahrscheinlich ist aufgrund der Lage noch mehr Potenzial da.

Einige Stimmen – auch bei uns im Stadtrat – sagen, ein Rechenzentrum will ich in unserer Stadt nicht, weil das so viel Strom braucht, wie der Rest von Unterschleißheim. Das ist faktisch auch so. Aber ich muss doch erkennen, dass wir in unserem Land, damit wir wieder einen wirtschaftlichen Aufschwung bekommen, auch technologisch mit der Entwicklung der Welt Schritt halten müssen. Auch bei der Künstlichen Intelligenz, die unser gesellschaftliches und wirtschaftliches Leben auf den Kopf stellen wird.

Jeder weiß, dass Deutschland da im Hintertreffen ist. Also brauchen wir diese Rechenzentren in Deutschland und es ist egal, ob es in Unterschleißheim steht oder in Oberschleißheim oder in Buxtehude. Es braucht immer gleich viel Strom.

Deswegen muss man das Ziel, klimaneutral zu werden, nicht aufgeben. Unterschleißheim ist ein guter Standort für Rechenzentren, weniger gut für Windräder und hat nur begrenzt Platz für Phototvoltaik. Anderswo ist es umgekehrt. In Summe muss das Land das Ziel erreichen – nicht jede einzelne Kommune.

Genauso ist es bei der Wärmeerzeugung. Da sind unsere Perspektiven deutlich besser, weil wir die Geothermie haben, die einen großen Teil des Wärmebedarfs langfristig in Unterschleißheim abdecken kann. Nicht alles – aber einen Großteil des Bedarfs. Zusätzlich muss man kleinere Lösungen schaffen, Wärmepumpen oder Kleinwärmenetze. Oder im Bereich der Rechenzentren ein Nahwärmenetz, das deren Abwärme nutzt. Bei Rechenzentren sind die gefordert, Konzepte zu entwickeln, nicht die Stadt. Wir begleiten und unterstützen da konstruktiv.

„Haus der Musik“ als Wunsch für die nächste Amtszeit

Für Vereine wurde mit dem Maria-Magdalena-Haus, zusätzlichen Sportmöglichkeiten, etwa für Hockey am Aquariush oder dem neuen Kunstrasenplatz für den SV Lohhof, viel getan und die Vereinsförderung ist auf hohem Niveau. Das wollen auch alle Stadtratsfraktionen so beibehalten. Gibt es noch etwas, was Sie zusätzlich gerne tun würden?

Christoph Böck: Wo ich noch ein Defizit sehe, ist bei den Musikvereinen. Für diesen Bereich ist mein persönliches Ziel, in den nächsten Jahren zu schauen, wie wir ein „Haus der Musik“ auf den Weg bringen können – für alle im Bereich Musik aktiven Vereine. Denn das fehlt in Unterschleißheim.

Die Stadtkapelle beispielsweise ist zum Üben in der Ganghofer-Grundschule. Wir benötigen die Flächen dort aber für die Ganztagsbetreuung. Die Musikvereine haben kein richtiges Heim. Das ist aber für alle Vereine wichtig, damit sie sich auch mal treffen und mal zusammensetzen können.

Die Vereine teilen sich zwar gerne auch Flächen, aber an einer „Homebase“ für den Bereich Musik fehlt es leider. Da bieten sich Synergien mit der neuen Musikschule an. Aber in der neuen Musikschule entstehen überwiegend kleinere Räumlichkeiten, weil da natürlich der Schwerpunkt der Musikunterricht ist. Für größere Gruppen sind sie nicht geeignet. Für Auftritte haben wir dagegen nach meiner Überzeugung in Unterschleißheim vielfältige Möglichkeiten: mit dem Bürgerhaus, dem Ballhaus und den Schulen.

Die aktuellsten News

Johanna und Stefan Krimmer (Foto: privat)
Muttertagsfeier im Grünen Saal
Rabattaktion zum Lohhofer Volksfest
Vereinsvorsitzende Petra Halbig bei ihrem diesjährigen Besuch in Mafi Dadoboe. (Foto: friends without borders e.V.)
Jugendzentrum in Ghana vor der Eröffnung
Einbruchdiebstahl in einer Tankstelle in Unterschleißheim (Bild: erstellt von Helmut Göbel mithilfe von ChatGPT)
Nachts um kurz nach halb 4 an der Tankstelle

Veranstaltungstermine

Termine heute
Unterschleißheim vs. Le Crès
Uhrzeit: 08:00
bis 19:00
Veranstaltungsart: Ausstellung
Ort: Bürgerhaus Unterschleißheim · Rathausplatz 1
artso macht Bewegung sichtbar
Uhrzeit: 08:00
bis 12:00
Veranstaltungsart: Ausstellung
Ort: Landratsamt München · Mariahilfplatz · München
artso macht Bewegung sichtbar
Uhrzeit: 14:00
bis 17:00
Veranstaltungsart: Ausstellung
Ort: Landratsamt München · Mariahilfplatz · München
Michael
Uhrzeit: 16:00
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Astrid Lindgren - Die Menschheit hat den Verstand verloren
Uhrzeit: 18:15
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Heilige Messe in der Alten Kirche
Uhrzeit: 18:30
Veranstaltungsart: Kirche
Ort: St. Ulrich-Kirche · Hauptstraße 38
Hamnet
Uhrzeit: 20:15
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Die 39 Stufen
Uhrzeit: 20:00
Veranstaltungsart: Theater
Ort: Bürgerhaus Unterschleißheim · Rathausplatz 1
Maibaum Aufstellen und 90jähriges Vereinsjubiläum
Uhrzeit: 10:00
Veranstaltungsart: Brauchtum
Ort: Birkenstraße Ecke Johann Schmid Straße
Der Super Mario Galaxy Film
Uhrzeit: 15:45
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Michael
Uhrzeit: 17:45
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Der Super Mario Galaxy Film
Uhrzeit: 15:45
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Michael
Uhrzeit: 17:45
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Michael
Uhrzeit: 20:15
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24
Michael
Uhrzeit: 20:15
Veranstaltungsart: Kino
Ort: Capitol-Kino · Alleestraße 24