Neu gepflanzte Streuobstwiese in Riedmoos (Bild: Peter Marwan)
Einer der 194 neu gepflanzten Bäume der Streuobstwiese in Riedmoos (Bild: Peter Marwan)

Ersatzpflanzungen in Riedmoos

194 Obstbäume gepflanzt

„Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen“, soll Martin Luther gesagt haben. Wahrscheinlich wurde dieser Spruch dem Reformator jedoch erst in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg in den Mund gelegt.

Wie auch immer: Er ist Ausdruck von Hoffnung in schweren Zeiten und Symbol dafür, auch dann in langfristig nützliche Taten zu investieren, statt im Jammer zu versinken. In diesem Geist hat die Stadt Unterschleißehim jetzt eine groß angelegte Baumpflanzaktion abgeschlossen.

Die Stadt Unterschleißheim unterliegt ebenso wie private Grundstücksbesitzer der Baumschutzverordnung. Die hat vier Ziele:

  • eine angemessene innerörtliche Durchgrünung zu gewährleisten,
  • die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu fördern
  • schädliche Umwelteinwirkungen zu mildern
  • das Ortsbild zu beleben

Die zahlreichen Bautätigkeiten, aber auch die Bäume, die wegen des Eschentriebsterbens in den vergangenen Jahren gefällt werden mussten oder einige Baumfällungen, die erforderlich waren, um die Sicherheit im Verkehr zu gewährleisten, reduzierten den Baumbestand im Stadtgebiet in den vergangenen Jahren deutlich.

Ersatzpflanzungen als leidiges Thema

Unterschleißheim war deshalb traditionell ziemlich im Verzug, was die Ersatzpflanzungen anbelangt. Zum Beispiel standen 2021 in den Jahren zuvor 488 gefällten Bäumen nur 59 Nachpflanzungen gegenüber. Das wurde vor allem von den Grünen immer wieder kritisiert. Schließlich wurde damals beschlossen, jedes Jahr 100 Bäume nachzupflanzen.

2024 berichtetete die „Süddeutsche Zeitung“ von 77 Bäumen die im Stadtgebiet, neu gepflanzt wurden. Neue Bäume gab es damals an der Johann-Schmid-Straße, der Nelkenstraße, an der Haimhauser Straße am Waldfriedhof und im Lohwald. Bei der Bepflanzung war darauf geachtet worden, dass die Bäume langfristig auch einem veränderten Klima standhalten. Es waren deshalb nicht klassische Baumarten, die nachgepflanzt wurden. Neu in Unterschleißheim hielten dafür Amerikanischer Amberbaum, Europäischer Zürgelbaum, Rotblättriger Spitz-Ahorn, Französischer Ahorn, Silber-Linde, Schnurbaum, Baum-Hasel und Eisenholzbaum Einzug.

Schwierige Standortfragen

Auch im Mängelmelder der Stadt beschwerte sich im November 2025 jemand darüber. Schwerpunkt der Beschwerde war, dass Bäume nicht am selben Ort nachgepflanzt werden. In ihrer Antwort begründete die Stadt das unter anderem damit, dass Bäume vor allem an Standorten im Straßenraum oft hohen Stressfaktoren unterliegen, die eine Nachpflanzung manchmal nicht zulassen.

Neu gepflanzter Baum im Lohwald in Unterschleißheim (Bild: Peter Marwan)
Auch der Lohwald profitierte von der einen oder anderen Ersatzpflanzung. (Bild: Peter Marwan)

„Von Pflaster und Leitungen umgeben, bei relativ wenig Wasser, Luft und Nährstoffen, die sie zur Verfügung haben, können sie nicht immer so wachsen, wie es ihnen an einem optimalen Baumstandort möglich wäre. Anfällig für Krankheiten oder aufgrund von Schäden lässt es sich dann oftmals nicht vermeiden, diese Bäume wegen verkehrssicherheitstechnischer Vorschriften zu fällen und eben nicht zu ersetzen, da der jeweilige Standort das nicht ermöglicht“, erklärt die Stadt da.

Ersatzpflanzungen ließen sich deshalb oft nur abseits des betroffenen Standorts realisieren. „Die Verwaltung gibt sehr viele Nachpflanzungen in Auftrag. Nur eben oft nicht aus den genannten Gründen am angestammten Standort, sondern in vegetationstechnisch viel geeigneteren Arealen im Stadtgebiet.

Baumpflanzoffensive Ende 2025

Ende 2025 hat die Stadt nun ordentlich nachgeholt. Im Dezember erklärte Bürgermeister Christoph Böck (unter anderem in einem Beitrag bei Facebook), dass bis Jahresende 350 Bäume gepflanzt werden sollen. 35 davon waren zu dem Zeitpunkt bereits im Rolf-Zeitler-Park eingesetzt worden.

In zwei langen Reihen hat die Stadt Unterschleißheim in Riedmoos 194 Obstbäume angepflanzt. (Bild: Peter Marwan)
In zwei langen Reihen hat die Stadt Unterschleißheim in Riedmoos 194 Obstbäume unterschiedlicher Arten angepflanzt. (Bild: Peter Marwan)

Der Löwenanteil der Ersatzpflanzungen entfällt aber auf eine ehemalige Wiese in Riedmoos. Sie liegt am nördlichen Ende der Würmbachstraße, zwischen der „Kleingartenanlage Riedmoos“. Und dem „Weg am Grenzgraben, der zur Gaststätte „Mooshäusl“ führt. Hier wurden kurz vor dem Winter noch 194 Obstbäume unterschiedlicher Arten und Sorten gepflanzt.

Das Gute daran: Der jetzt als Streuobstwiese angelegte Streifen trägt durch die Vielzahl der angepflanzten Baumarten zum Erhalt alter Obstsorten bei. Streuobstwiesen gehören zudem zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie bieten Nahrung und Lebensraum für Insekten, etwa Wildbienen), Vögel, Fledermäuse, Reptilien und Kleinsäuger.

Noch sieht das nicht so aus, aber in ein paar Jahren, wird sich hier ein kleines Paradies entwickeln. Zudem vernetzen Streuobstwiesen Lebensräume in der Agrarlandschaft und wirken als sogenannte Trittsteinbiotope – bieten also zahlreichen Tier- und Pflanzenarten einen zeitweisen Aufenthalt und erleichtern damit deren Ausbreitung über größere Entfernungen. Noch tragen die Bäume keine Früchte, die auf der frei zugänglichen Fläche dann von allen Menschen aus Unterschleißheim gesammelt werden dürfen.

„Bäume der Stadt“ und „Stadtbäume“ sind nicht dasselbe

Den in der Baumschutzverordnung geforderten Punkt, die „Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes zu fördern“, erfüllt die neue Streuobstwiese in Riedmoos also vorzüglich, den Punkt „schädliche Umwelteinwirkungen zu mildern“ zumindest teilweise. Ob die Pflanzung nahe der Stadtgrenze  die Forderung erfüllt, „das Ortsbild zu beleben“, ist dagegen schon zweifelhaft.

Beim vierten Punkt, „eine angemessene innerörtliche Durchgrünung zu gewährleisten“ versagt sie ganz. Die sehen aber viele als besonders wichtig an. Immer heißere Sommer erfordern mehr Bäume in der Stadt. Denn „Stadtbäume produzieren Sauerstoff, verbrauchen klimaschädliches Kohlendioxid und kühlen die Luft“, betont etwa der BUND Naturschutz in Bayern. Leider reiht sich Unterschleißheim hier in eine unrühmliche Liste ein, denn in Bayern wurden dem BUND zufolge zwischen 2012 und 2022 rund 300.000 Stadtbäume gefällt.

Deren Beitrag zu Schatten, Kühlung und Luftverbesserung fehlt jetzt. Die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald rechnet das vor: „Ein ausgewachsener Laubbaum verdunstet an einem heißen Sommertag bis zu 400 Liter Wasser und kühlt somit seine Umgebung ab. Außerdem sind sie effektive Schattenspender: Mit gerade einmal 15 Metern Kronendurchmesser schafft es ein einziger Laubbaum, eine Fläche von 160 m² mit seinem Schatten zu kühlen.“

Deshalb ist die Streuobstwiese in Riedmoos dennoch ein Gewinn für Menschen, Tiere und Artenvielfalt in Unterschleißheim. Auf das „Grün in der Stadt“ kann sie aber nicht angerechnet werden. Dafür wurde zuletzt (endlich) auch einiges getan.

Wünschenswert wäre dennoch immer noch eine vollständige, fortlaufende öffentliche Bilanz aller Fällungen und entsprechenden Ersatzpflanzungen durch die Stadt. Das wäre auch im Interesse der Stadt: Denn aufgrund der Standortproblematik fällt es den Menschen schwer nachzuvollziehen, wo für die Bäume, die vor ihrer Haustür gefällt wurden, tatsächlich neue angepflanzt wurden. Das führt immer wieder zu hitzigen Diskussionen.

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