Wasserwacht Lohhof stellt sich vor

Haus am See, eigenes Boot und viel Verantwortung

Das Zielrettungsboot Schalu auf dem Weg zu einer anderen Rettung im Zielbereich der Regatta. Eine kollabierte Ruderin (rechts im Bild) wird daraufhin aus dem Boot gezogen, versorgt und zum medizinischen Zentrum transportiert. Foto: Wasserwacht Lohhof
Das Zielrettungsboot Schalu auf dem Weg zu einer anderen Rettung im Zielbereich der Regatta. Eine kollabierte Ruderin (rechts im Bild) wird daraufhin aus dem Boot gezogen, versorgt und zum medizinischen Zentrum transportiert. Foto: Wasserwacht Lohhof

Die Wasserwacht Lohhof ist für viele in Unterschleißheim nur „das Haus am See“ – anderen hat sie das Leben gerettet. Im Gespräch mit Vorstand Dennis Poyda erfuhr Ushel.news alles über die spannenden und vielfältigen Aufgaben, die spektakulärsten Einsätze und wie man bei der Wasserwacht mitmachen kann.

Die Wasserwacht Lohhof hat sich in über 50 Jahren zu einer überregional bekannten und anerkannten Truppe mit viel Expertise bei der Wasserrettung entwickelt. Grund genug für Ushel.news im Gespräch mit Dennis Poyda, Vorsitzendem der Ortsgruppe, auf die Entwicklung zurückzublicken, ihn zu den Plänen für 2026 zu befragen und darüber zu sprechen, was es heute bedeutet, „Wasserwachtler“ zu sein.

Ushel.news: Die Wasserwacht Lohhof wurde 1974 gegründet. Wie kam es dazu?

Dennis Poyda: Die Wasserwacht ist entstanden, weil sich Menschen ehrenamtlich engagieren und ihre Freude am Retten und Helfen einbringen wollten. Im Münchner Norden gab es damals kaum Angebote im Bereich Rettungsschwimmen. Das neue Projekt hat viele Menschen begeistert und schnell eine große Anziehungskraft entfaltet.

Diese Grundmotivation prägt unsere Arbeit bis heute und bildet einen wesentlichen Pfeiler unserer Gesellschaft.  Denn ohne Ehrenamt wären Veranstaltungen – vom schulischen Wettbewerb bis hin zu Großereignissen wie den European Championships – kaum realisierbar. Verändert haben sich in den vergangenen Jahrzehnten vor allem die Anforderungen an Hilfsorganisationen: Moderne Technik und neue Standards verlangen kontinuierliche Fortbildung, damit wir jederzeit auf dem aktuellen Stand bleiben.

Ushel.news: European Championships – das klingt beeindruckend. Wann fanden die statt?

Dennis Poyda: Die European Championships konnten wir 2022 erfolgreich durchführen. Dabei war der Aufwand so hoch wie nie zuvor, weshalb wir Unterstützung der Münchner Wasserwachten, der Bereitschaften und der Johanniter erhielten.

Allerdings konnten wir bei den European Championships auch auf den Erfahrungen der Junioren-Weltmeisterschaft im Rudern 1994 aufbauen. Dieses Großereignis war ein prägendes Kapitel für unsere Ortsgruppe. Damals sicherte die Wasserwacht Lohhof erstmals eine Großveranstaltung vollständig eigenständig ab – inklusive der Landrettung, die ebenfalls komplett durch die Wasserwacht übernommen wurde.

Das damals etablierte Konzept des „Retten aus einer Hand“ gilt bis heute als Alleinstellungsmerkmal. Aber auch die Hochwassereinsätze 2013 und 2024 haben unsere Mitglieder stark gefordert und die Ortsgruppe geprägt.

Ushel.news: Die meisten denken beim Stichwort „Wasserwacht“ an die Rettung von Schwimmern. Aber wie wir gerade erfahren haben, ist auch die Bereitschaft bei Ruderveranstaltungen wichtig. Wie hat sich diese „Regattarettung“ entwickelt? 

Dennis Poyda: Aus einer zunächst improvisierten Lösung hat sich in den 90er Jahren allmählich ein professionelles Konzept mit internationaler Beachtung entwickelt. Unsere Expertise führte inzwischen dazu, dass wir mehrfach zur Absicherung von Regatten auch in Österreich und der Schweiz angefordert wurden. Aufgrund der Coronapandemie hat sich dann daraus nur ein Auslandseinsatz in Luzern ergeben – aber das Interesse zeigt, welche Bedeutung unser Konzept hat.
Das Prinzip „Retten aus einer Hand“ funktioniert heute so effizient, dass wir Athleten innerhalb weniger Minuten aus dem Wasser oder dem Boot retten, das Boot bergen und den Wettkampfbetrieb ohne Unterbrechung fortsetzen können. Ein eigenes Rettungsfahrzeug ermöglicht den direkten Transport zum medizinischen Zentrum, wo erfahrene Einsatzkräfte und Ärzte übernehmen.  Besonders stolz sind wir auf die Erweiterung unseres Portfolios auf Kanuten und Para-Athleten sowie auf die regelmäßigen Trainings, mit denen wir schnelle und schonende Rettungen weiter perfektionieren.

Ushel.news: Wie viele aktive Mitglieder hat die Ortsgruppe derzeit und wie sind die ausgebildet?

Dennis Poyda: Wir verfügen aktuell über rund 60 aktive Mitglieder. Die meisten sind mindestens als Rettungsschwimmer und Sanitäter qualifiziert. Besonders stolz sind wir auf eine große Zahl hochqualifizierter Kräfte: Rettungssanitäter, Notfallsanitäter, Ärzte, Wasserretter, Rettungstaucher, Bootführer sowie Fachkräfte in PSNV [Psychosoziale Notfallversorgung (die Red.)], Naturschutz und Ausbildung. Denn Technik und Konzepte sind wertlos, wenn es keine Menschen gibt, die sie mit Überzeugung anwenden.

Ushel.news: Das ist eine beeindruckende Liste an Fachkräften. Aber mit den vielfältigen Aufgaben haben Sie ja auch jede Menge zu tun, oder?

Dennis Poyda: Derzeit leisten unsere Mitglieder je nach Verfügbarkeit etwa sechs Wachdienste pro Saison. Viele übernehmen deutlich mehr. Hinzu kommen Dienste an der Regatta sowie Aus- und Fortbildungen. Unser Ziel ist daher, auch in einer sich verändernden Gesellschaft ein attraktives Ehrenamt zu bleiben und neue engagierte Mitglieder zu gewinnen.

Zu Hochwassereinsätzen wurden wir als Teil des Wasserrettungszugs der Kreiswasserwacht München zuletzt 2013 und 2024 alarmiert. Da Starkregenereignisse zunehmen und der Wasserrettungszug künftig erweitert werden soll, rechnen wir in Zukunft mit kürzeren Einsatzintervallen. Für Hochwasserlagen üben wir in unregelmäßigen Abständen mit anderen Akteuren des Katastrophenschutzes, unter anderem Evakuierung, medizinische Versorgung, Bergung und Suchen. Zudem werden wir bei größeren Lagen wie der Betreuung von Notunterkünften für Flüchtlinge oder bei außergewöhnlichen Ereignissen, etwa dem Amoklauf 2016 in München, eingebunden. 

Alle paar Jahre organisiert die Kreiswasserwacht München eine groß angelegte Hochwasserübungen – häufig über 24 Stunden – gemeinsam mit anderen Hilfsorganisationen. Für 2026 planen wir eine Übung innerhalb unserer Ortsgruppe.

Ushel.news: Die Ortsgruppe der Wasserwacht arbeitet ja mit anderen Rettungsdiensten zusammen. Wie gestaltet sich diese Zusammenarbeit?

Dennis Poyda: Die Zusammenarbeit mit der Freiwilligen Feuerwehr Unterschleißheim und der BRK-Bereitschaft Unterschleißheim funktioniert hervorragend. Wir unterstützen uns gegenseitig mit Personal und Material – besonders sichtbar bei den European Championships 2022.
Wir profitieren zudem von den neuen Räumlichkeiten der BRK-Bereitschaft für unsere Aus- und Fortbildungen. Insgesamt ist das Zusammenspiel aller drei Organisationen vor Ort vorbildlich.

Das First Responder System wird durch die Feuerwehr verwaltet und wir unterstützen dieses personell. Gleichzeitig profitieren wir von Aus- und Fortbildungsangeboten der FFU und BRK-Bereitschaft.

Ushel.news: Welche Ausbildungen bietet die Ortsgruppe an?

Dennis Poyda: Für unsere Mitglieder bieten wir jährlich die verpflichtende Rezertifizierung des Rettungsschwimmers an, die alle zwei Jahre zu erneuern ist. Seit 2025 dürfen wir auch eigenständig Rettungsschwimmer im Wasserrettungsdienst ausbilden. Das ist eine weiterführende Ausbildung, die ein Rettungsschwimmer benötigt, um mit speziellen Rettungsgeräten zu arbeiten. Alle weiteren Ausbildungen finden über die Kreiswasserwacht München, den Kreisverband München, oder über Bezirksverbände in ganz Bayern statt.

Ushel.news: Wenn das interessant klingt: Wo kann man sie treffen?

Dennis Poyda: Außerhalb der Ferien trainieren wir jeden Donnerstag von 20:15 bis 21:30 im AquariUSH. Im Sommer findet das Training regelmäßig am Unterschleißheimer See statt. Jeder der Interesse hat, ist hierzu herzlich eingeladen.

Ushel.news: Wie viele Einsätze hat die Wasserwacht Lohhof durchschnittlich pro Saison?

Dennis Poyda: In einem normalen Jahr leisten wir rund 60 Erste-Hilfe-Einsätze, mit durchschnittlich zwei Transporten ins Krankenhaus. Die meisten Wasserrettungen fallen bei Regatten an – etwa ein halbes Dutzend pro Jahr.
Es gibt aber auch Ausnahmesaisons: Im Sommer 2020 retteten wir fünf Menschen vor dem Ertrinken am Unterschleißheimer See. Bei manchen Veranstaltungen kommt es bis zu 15 Rettungen an einem Tag.

Ushel.news: Welche Einsätze sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Dennis Poyda: Im ersten Coronasommer kam es direkt vor unserer Station am Unterschleißheimer See zu mehreren Notfällen mit Nichtschwimmern, die in akute Lebensgefahr gerieten. Dank unserer Einsatzkräfte – und dank eines Passanten – konnten alle Betroffenen rechtzeitig gerettet werden.

Unvergesslich bleibt für mich auch meine Rolle bei den European Championships 2022. Als Teil des Organisationsteams und zeitweise als Einsatzleiter war ich für bis zu 40 Einsatzkräfte verantwortlich. An manchen Tagen folgte ein Einsatz unmittelbar auf den nächsten – eine Herausforderung, die dank eines hervorragend arbeitenden Teams erfolgreich gemeistert wurde.

Ushel.news: Sie haben mehrfach schon „das Material“ angesprochen: Was steht da zur Verfügung?

Dennis Poyda: Wir verfügen über ein modernes Motorrettungsboot am Unterschleißheimer See, ein Schlauchboot für Hochwasser und Veranstaltungen sowie ein großes Aluboot für Regattaeinsätze. Für Land- und Transportaufgaben stehen uns ein Wassernotfahrzeug und ein Mehrzweckfahrzeug zur Verfügung.

Unsere Boote sind so konzipiert, dass sie mehrere Personen befördern und auch verdeckten Hindernissen standhalten. Zusätzlich verfügen wir über Schutzanzüge gegen kontaminierte Flüssigkeiten und über spezielle Geräte wie Klappleitern zur Rettung aus Fenstern.

Alle Rettungsmittel unterliegen festen Wartungsintervallen. Rettungswesten werden bei Gebrauch täglich visuell geprüft und alle paar Jahre durch Fachbetriebe getestet. Viele Materialien müssen nach zehn Jahren grundsätzlich ersetzt werden – unabhängig vom Zustand.

Ushel.news: Das erfordert alles nicht nur viel Zeit, sondern kostet wahrscheinlich auch viel Geld. Wie finanzieren Sie das alles?

Dennis Poyda: Die Finanzierung erfolgt über unterschiedliche Quellen – von staatlichen Mitteln über Einnahmen des Kreisverbands bis hin zu Spenden, Eigenmitteln und Zuschüssen von Stiftungen oder der Stadt Unterschleißheim. Derzeit können wir unsere Aufgaben erfüllen – auch dank der Unterstützung des Kreisverbands München, der Stadt Unterschleißheim und verschiedener Stiftungen. Die meisten Zuschüsse müssen allerdings konkret beantragt werden und werden vor allem im Stadtrat beschlossen. Gegenüber dem Kreisverband müssen wir jährlich – wie in einem großen Unternehmen – eine Haushaltsplanung erstellen.

Ushel.news: Wofür brauchen Sie in den nächsten Jahren das größte Budget?

Dennis Poyda: Die umfangreichste Modernisierung der kommenden Jahre wird die Erneuerung unserer Wasserwachtstation sein. Nach heutigem Stand bewegen wir uns finanziell im Bereich eines Einfamilienhauses.

Ushel.news: Was motiviert Sie persönlich, sich in der Wasserwacht zu engagieren, gerade auf Vorstandsebene?

Dennis Poyda: Mich bewegt der Wunsch, anderen Menschen zu helfen – eingebettet in eine starke Gemeinschaft. In der Vorstandsarbeit kann ich gestalten und Strukturen schaffen, die den Einsatz für meine Kameradinnen und Kameraden erleichtern.

Ushel.news: Welche Rolle spielt die Wasserwacht Lohhof in der Stadtgemeinschaft?

Dennis Poyda: Wir sorgen nicht nur für Sicherheit am Wasser, sondern unterstützen gemeinsam mit Feuerwehr und Bereitschaft die Notfallversorgung der gesamten Stadt – rund um die Uhr.
Die Förderung der Jugend und ein aktives Vereinsleben tragen wesentlich zur Lebensqualität in Unterschleißheim bei. Daran wirken wir mit großer Überzeugung mit.

Wir wollen ein attraktives Ehrenamt bleiben, das gut mit dem Familienleben vereinbar ist. Zudem möchten wir die Ausbildung von Wasserrettern stärken, mehr Regatten absichern und die Kreiswasserwacht beim Aufbau des Wasserrettungszuges unterstützen.
Ein besonderer Fokus liegt auf der Jugendarbeit – sowohl zur Förderung des Nachwuchses als auch zur Vermittlung gesellschaftlicher Verantwortung.

Mit Dennis Poyda sprach Helmut Göbel, die redaktionelle Bearbeitung erfolgte durch Peter Marwan.

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