Wie ein Kochbuch Vielfalt sichtbar, schmeckbar und erlebbar macht

Unterschleißheim is(s)t bunt!

Bürgermeister Christoph Böck bei der Vorstellung des 1. Unterschleißheimer Kochbuchs · Foto: Helmut Göbel
Bürgermeister Christoph Böck bei der Vorstellung des 1. Unterschleißheimer Kochbuchs · Foto: Helmut Göbel

Wenn in einer Stadt Menschen aus rund 120 Nationen zusammenleben, entsteht Vielfalt – im Alltag, in Biografien, in Sprachen und ganz besonders in den Küchen. Mit dem Kochbuch „Unterschleißheim i(s)t bunt“ ist es dem Forum Unterschleißheim gemeinsam mit dem Beirat für interkulturelles Zusammenleben und Migration gelungen, diese Vielfalt in ein ebenso sinnliches wie gesellschaftlich relevantes Projekt zu übersetzen. Entstanden ist kein klassisches Kochbuch, sondern ein Porträt der Stadt – erzählt über Essen, über Menschen und ihre Geschichten.

Ein Kochbuch als Spiegel der Stadtgesellschaft

„Was brutzelt eigentlich in Unterschleißheims Töpfen und Pfannen?“ – diese Frage steht sinnbildlich am Anfang des Buches und bringt die Grundidee auf den Punkt. 25 Bürgerinnen und Bürger, die in Unterschleißheim leben und deren Wurzeln in ebenso vielen Ländern liegen, haben jeweils ein Lieblingsgericht beigesteuert. Die Rezepte reichen von bayerischen Klassikern bis zu Spezialitäten aus Bulgarien, Indien, den Philippinen, Marokko, den USA oder Ungarn. Doch der eigentliche Kern des Buches liegt nicht im Nachkochen allein. Zu jedem Gericht tritt die Geschichte der Person, die es eingebracht hat: Erinnerungen an Kindheit und Familie, an Feste, an Migration und Neuanfang, an Heimat und Ankommen.

Erster Bürgermeister Christoph Böck bringt dies im Vorwort prägnant auf den Punkt, wenn er betont, dass Kochen nicht nur Leib und Seele, sondern auch die Stadtgemeinschaft zusammenhalte. Sein persönliches Lieblingsgericht – Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat – findet sich ebenso im Buch wie Rezepte aus den Partnerländern Frankreich und Ungarn. Damit wird deutlich: Vielfalt ist kein Gegensatz zur lokalen Identität, sondern Teil von ihr.

Auch Jochen Gnauert vom Forum Unterschleißheim hebt hervor, dass dieses Projekt im Jubiläumsjahr der Stadt bewusst als verbindendes Element gedacht war. Die 25 Rezepte stehen stellvertretend für unzählige weitere Geschichten, die den Alltag der Stadt prägen. Essen wird so zur Einladung, neugierig zu werden, Neues zu probieren und die Menschen hinter den Gerichten kennenzulernen

Geschichten statt bloßer Rezepte

Besonders eindrücklich ist die konzeptionelle Entscheidung, die Rezeptgeber:innen in den Mittelpunkt zu stellen. In den Texten wird deutlich, wie sehr Essen mit Biografie verbunden ist: mit Großmüttern, die ihr Wissen weitergaben, mit Sonntagen am Familientisch, mit Gerichten, die in Zeiten der Fremde Trost spendeten oder Zugehörigkeit vermittelten. So wird etwa beschrieben, wie Banitza für eine bulgarische Familie nach Heimat schmeckt, wie russische Syrniki Erinnerungen wachrufen oder wie ein marokkanisches Festgericht Gegensätze von süß und salzig vereint.

Diese Herangehensweise macht das Buch zu einem kulturgeschichtlichen Dokument im Kleinen. Es zeigt, dass Migration nicht nur Zahlen und Statistiken bedeutet, sondern konkrete Lebenswege – und dass Integration oft ganz selbstverständlich im Alltag geschieht, etwa beim gemeinsamen Essen. Die Texte verzichten bewusst auf Folklore oder Klischees. Stattdessen erzählen sie ruhig, respektvoll und mit großer Nähe von dem, was Menschen verbindet.

Entstehung als Gemeinschaftsprojekt

Dass „Unterschleißheim i(s)t bunt“ diese Tiefe erreicht, ist auch der engen Zusammenarbeit der Beteiligten zu verdanken. Die Journalistin Kathrin Thoma legte den Fokus ihrer redaktionellen Arbeit bewusst nicht auf die Rezepte, sondern auf die Personen dahinter – auf ihre Lebenswege, Erinnerungen und Motivationen. Gestaltung und Fotografie übernahm Martin Köppl, der Menschen und Gerichte gleichermaßen authentisch porträtierte und dem Buch eine klare, hochwertige Bildsprache verlieh. Ergänzt wurde das Team durch Benjamin Geiger (Koch im Sehbehinderten-Zentrum) für das Food-Styling, sowie Clara Berkmann von EvenDS-Management für Organisation und Projektkoordination.

Schon die Entstehungsgeschichte zeigt, was das Buch vermitteln will: Zusammenarbeit auf Augenhöhe, Wertschätzung unterschiedlicher Kompetenzen und die Überzeugung, dass aus Vielfalt etwas Gemeinsames entstehen kann.

Die Buchpräsentation am 30. November 2025

Diese Haltung prägte auch die öffentliche Präsentation des Kochbuches am 30. November 2025 im Großen Sitzungssaal des Rathaus Unterschleißheim. Die Veranstaltung war mehr als eine formale Buchvorstellung – sie wurde zu einem lebendigen Begegnungsraum. Unter der Moderation von Barbara Lackermeier, Sachgebietsleitung Kultur, gaben die Beteiligten Einblicke in den Entstehungsprozess und berichteten von der intensiven Zusammenarbeit.

Ein besonderer Höhepunkt war die gemeinsame Verkostung. Mehrere Gerichte aus dem Buch konnten probiert werden, sodass sich die theoretische Idee von Vielfalt unmittelbar sinnlich erfahren ließ. Düfte von Gewürzen, Röstaromen und Kräutern erfüllten den Raum, Gespräche entstanden ganz selbstverständlich – über Geschmack, Herkunft und persönliche Geschichten. Begleitet wurde der Abend musikalisch vom Colibri Chor unter der Leitung von Daria Khramzova und Jonas Mall, der selbst mit einem Rezept im Buch vertreten ist.

Warum Vielfalt eine Stadt stärkt

Das Kochbuch und seine Präsentation machen deutlich, welche Chancen kulturelle Vielfalt für eine Stadt birgt. Unterschiedliche Perspektiven erweitern den Horizont, fördern Kreativität und stärken den sozialen Zusammenhalt. Wenn Menschen ihre Traditionen einbringen können und dafür Wertschätzung erfahren, entsteht Zugehörigkeit. Projekte wie „Unterschleißheim i(s)t bunt“ wirken dabei auf mehreren Ebenen: Sie schaffen Sichtbarkeit, bauen Vorurteile ab und laden zur Begegnung ein – niederschwellig, alltagsnah und genussvoll.

Gerade Essen eignet sich dafür besonders. Es ist Teil des täglichen Lebens, emotional besetzt und überwindet Sprachbarrieren. Wer gemeinsam isst, teilt Zeit und Aufmerksamkeit. In einer Stadtgesellschaft, die von Mobilität und Veränderung geprägt ist, können solche gemeinsamen Momente Vertrauen schaffen und das Gefühl stärken, Teil eines Ganzen zu sein.

Die Vielfalt zeigte sich aber nicht nur in der Herkunft der Rezepte und der Köch:innen, sondern auch im Alter der Protagonisten: Der jüngste unter ihnen war der 11-jährige Ricardo, der eine schmackhafte Tiramisu zubereitet hatte. Die war natürlich als erstes von den Gästen des Abends vollständig verzehrt worden. Die älteste Köchin war (wenn ich das richtig einschätze) das Münchner Kindl und Unterschleißheimer Stadträtin Heidi Kurz, die mit ihrem bodenständigen Fleischpflanzerl mit Kartoffelsalat ihre oberbayerische Heimat vertreten hat.

Ein Buch, das weiterwirkt

„Unterschleißheim i(s)t bunt“ endet nicht mit dem letzten Rezept. Es lädt dazu ein, die Geschichten weiterzuerzählen – in den eigenen Küchen, bei Einladungen, bei Gesprächen über Herkunft und Alltag. Das Buch ist damit ein Beispiel für gelebte Integration: nicht belehrend, sondern erzählend; nicht abstrakt, sondern konkret.

Erhältlich ist das Kochbuch über den Beirat für interkulturelles Zusammenleben und Migration und in der Stadtbibliothek, wo es auch ausgeliehen werden kann. Es bleibt damit präsent im öffentlichen Leben der Stadt – als Einladung, Vielfalt nicht nur zu akzeptieren, sondern aktiv zu genießen.

Am Ende zeigt dieses Projekt vor allem eines: Eine Stadt wird nicht trotz ihrer Vielfalt lebendig, sondern durch sie. Und manchmal reicht ein gemeinsames Essen, um das spürbar zu machen.

Ich glaube, dass dieses Projekt nach einer Fortsetzung ruft. Es gibt Mitbürger:innen aus 120 Nationen, die unsere Stadt bereichern. Da gibt es sicher noch viele Rezepte und Geschichten, die es zu entdecken gilt.

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